„The World’s End“: Die etwas andere Kneipentour

Simon Pegg, Nick Frost und der totale Ausnahmezustand. Mit dieser Rezeptur schuf Regisseur Edgar Wright mit „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ schon zwei außergewöhnliche Komödien, in denen die scheinbar heile Welt einer britischen Kleinstadt aus den Fugen gerät. Mit „The World’s End“ legt er noch einen Gang zu und scheut sich wieder nicht völlig zu übertreiben.

Gary, Oliver, Andrew, Peter und Steven wachsen in Newton Haven auf, einer britischen Provinzstadt aus dem Bilderbuch. Höhepunkt der Jugend dieser fünf Teenagerstereotypen ist die Kneipentour durch die „Goldene Meile“ nach deren Schulabschluss. Zwölf Pubs, in denen es jeweils ein Bier zu trinken gilt, bis hin zum finalen Ziel: dem World’s End. Trotz ihrer Trinklust scheitern die fünf Jugendlichen kläglich nach nur sechs Kneipen.

Was folgt ist das trostlose Erwachsenwerden, das Eintauchen ins lineare Berufs- und Familienleben außerhalb von Newton Haven und die Zufriedenheit mit dem eigenen Spießerdasein. Das gilt nicht für Gary (Simon Pegg). Der exzentrische Chaot, der das geistige Reifen weniger ernst genommen hat als der Rest der Gruppe, hat 20 Jahre nach dem ersten Versuch nur ein einziges Ziel: zurück nach Newton Haven, um die „Goldene Meile“ zu absolvieren und das „World’s End“ erreichen. Mit allen Tricks schafft er es die vier Karrieremenschen wider jeglicher Vernunft für seinen Plan zu gewinnen.

Neue Handlung – altes Ziel

Wer bis hierhin mit einer dieser zahlreichen, klischeehaften Komödien rechnet, in denen gesetzte Herren in Nostalgie schwelgen und nochmal einen drauf machen wollen, der liegt genau richtig. Der Film würde in diesem Rahmen weiterlaufen, wäre es kein Edgar-Wright-Film.

Das Blatt wendet sich schlagartig: aus Sonntagsnachmittagskomödie wird schiere Absurdität. Das spießbürgerliche Scheinbild Newton Havens trügt: in Wahrheit wurde ein Teil der Bevölkerung von Aliens durch Duplikate ausgetauscht, deren Einordnung in Gut oder Böse bis zum Ende des Films nie wirklich klar wird. Plötzlich befinden sich die fünf Freunde inklusive Olivers Schwester auf einer Hetzjagd quer durch Newton Haven, die jedoch nach wie vor nur ein Ziel kennt: das World’s End.

Gehirn ausschalten erlaubt

Die Unsinnigkeit, die den Nährboden der fortlaufenden Handlungen des Filmes bietet, ist Geschmacksache. Dass der Film schlagartig aufhört sich ernst zu nehmen, darf zu Bauchschmerzen führen, jedoch lässt die konstant große Portion britischen Humors den Film nie ganz in Albernheit versinken. Der verlorengegangene Sinn des Films wird durch die fortlaufend gut gespielten Gags aufgefangen. Dass diese im Vergleich zu „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ deutlich flacher daherkommen, ist nur ein Grund warum „The World’s End“ nicht in der gleichen Liga spielt. Trotz ausgezeichneter Besetzung („Hobbit“-Darsteller Martin Freeman, Pierce Brosnan, Rosamunde Pike) wird leider im Laufe des Films zu viel Potenzial verschenkt.

Bewertung: 7/10 Punkte

DVD-Start: 14. Januar 2014

Von Johannes Giewald

 

[ssba]