„Wir verkaufen spannende Geschichten“

Hannes Finkbeiner ist freier Journalist, spezialisiert auf Gastronomie & Hotellerie. In einem Interview mit Interact spricht er über seine Erfahrungen und gibt Tipps für angehende freie Journalisten.

Viele angehende Journalisten ziehen ein Fachstudium in einem Ressortbereich vor, wie z. B. Politik-, Wirtschafts- oder Kulturwissenschaften. Warum haben Sie sich für ein direktes Journalistikstudium entschieden?

Ich hatte eigentlich schon eine Vorausbildung, bin einerseits im Hotel großgeworden und habe eine Ausbildung zum Restaurantfachmann gemacht, und habe andererseits bei einem Hotelmagazin ein Praktikum gemacht. Damit hatte ich mir schon den Weg in den Gastro-Journalismus geebnet und genügend Ansatzpunkte, um direkt ins Berufsleben zu starten. Die Entscheidung hat sich dann auch als richtig erwiesen.

Was haben Sie schon während des Studiums getan, um Ihr Ziel zu erreichen?

Ich habe schon das gesamte Journalistik-Studium hindurch versucht zu schreiben und Artikel zu publizieren, damit man diese Last nicht gerade am Anfang des Berufslebens hat. Es ist wichtig, dass man da schon eine Reputation vorzuweisen hat. Das hat ja auch die Kasse aufgefrischt.

Ihren Abschluss haben Sie seit 2006 in der Tasche. Wie sah Ihr Werdegang seitdem aus?

Ich habe mich nach dem Studium noch einmal zwei Jahre in die Gastronomie begeben. Eben auch, weil der Journalismus eine brotlose Kunst ist, vor allem Printjournalismus. Während dieser Zeit habe ich nebenher Buchmanuskripte verfasst und auch immer wieder versucht, Artikel zu platzieren. Als ich einen Buchvertrag bekam, habe ich mich getraut, mich als freier Autor selbstständig zu machen. Ich habe dann weiterhin Artikel für Magazine verfasst und zudem mit der Hoteltesterei angefangen. Während Messen habe ich außerdem als Restaurantleiter gearbeitet – das war auch für den Journalismus wichtig: Ich war so nah an meinem Themenbereich. Ich bin selten von einem Hoteltest oder von einer Messe zurückgekommen, ohne ein paar Artikel oder Artikelideen im Gepäck zu haben.

„Journalisten müssen Geschichten finden”

Wenn jemand ebenfalls Journalist mit der Spezialisierung auf den Gastrobereich werden möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Spannende Geschichten finden – das ist aber die Aufgabe jedes Journalisten, ganz unabhängig in welcher Nische er sich spezialisiert hat. Welcher Fehler aber häufig angehenden Gastrojournalisten passiert, ist, dass sie denken „ich geh jetzt ins nächste Restaurant und schreib, wie scheiße die gekocht haben.“ Das hat aber nichts mit Gastrojournalismus zu tun und ist im übrigen das Langweiligste, was man als Gastrojournalist überhaupt machen kann. Die Idee haben nämlich schon 25.000 andere vorher gehabt. Deswegen halte ich das für wichtig, dass man sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzt, um die spannenden Geschichten herauszufiltern. Das sind dann auch letztendlich die Geschichten, die Magazine interessieren und das ist, was wir tun: Wir verkaufen spannende Geschichten.

 

Wie schätzen Sie die Chancen aktueller Berufsanfänger ein?

Der freie Journalismus ist ein schweres Feld, in dem man sich zurechtfinden muss. Schwer. Es ist schwer reinzukommen und es ist schwer sich dort einen Namen zu machen.

„In meinem Fall war es absolut sinnvoll ins Ausland zu gehen.“

 

Würden Sie Journalisten raten auch Berufserfahrung im Ausland zu sammeln?

Ich habe eine Zeitlang meinen Laptop in den Rucksack gesteckt und bin zu einem guten Freund nach Los Angeles geflogen. Das war nicht blöd, weil ich dort sehr nah an „meinem Markt“ war: Der Freund ist Koch, kannte sich gut in der Szene aus. Ich habe dann vor Ort Artikel recherchiert, habe sie dort geschrieben und nach Deutschland verkauft. Das hat super funktioniert: Viele Redaktionen hatten in LA keinen Korrespondenten. Vom Ausland aus hatte ich deswegen weniger Probleme bei neuen Medien Fuß zu fassen. In meinem Fall war es also absolut sinnvoll ins Ausland zu gehen. Auch wenn ich jetzt sagen muss, dass es aus ökonomischer Sicht ein Desaster war, bzw. ich kam am Ende null auf null raus: Ich habe 4.000 Euro verdient und das ganze hat mich am Ende auch 4.000 Euro gekostet.

Welche drei Eigenschaften sollten Journalisten mitbringen und warum?

Ein großes Maß an Selbstbewusstsein und Idealismus ist zwingend notwendig ­– reich und berühmt wird man mit dem Beruf nämlich nicht. Außerdem halte ich ein großes Maß an Interesse für seine Themen für unerlässlich, was zu intensiver Recherche führt.

Wie war Ihre Deutschnote im Abitur?

Die war gut, also, die war nicht schlecht im Gegensatz zu meinen anderen Noten … ich war nämlich hundsmiserabel und habe ein ganz fürchterliches Abitur gemacht. Das lag aber auch unter anderem daran, dass mich zu der Zeit überhaupt nichts interessierte, ich war völlig perspektivlos und konnte mit den Lehrinhalten nichts anfangen. Meine Deutschnote war demgegenüber relativ gut, weil mich das schon damals interessiert hat. Wobei Germanistik erst einmal nichts mit Journalismus zu tun hat. Das ist sicherlich das Werkzeug des Journalisten, aber wenn jemand einigermaßen Rechtschreibung und Grammatik beherrscht, dann kann aus demjenigen trotzdem ein brillanter Journalist werden.

Wie sehen die Zukunftschancen des Journalismus aus?

Wir stehen vor ziemlich vielen Herausforderungen in der Branche, weil sich die Medienlandschaft so rasant gewandelt hat. Die wenigsten Medien konnten sich schon perfekt anpassen und ich habe das Gefühl, es ist ein stetiges „Hinterherrennen“ in Gange. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und dass es im Journalismus tolle Zukunftschancen gibt – wenn auch Veränderungen nötig sind.

Von Jessica Preuss

Foto: Lara Sagen

[ssba]