Wie man es auch macht, man macht es verkehrt

Direkt nach den Klausuren wollte ich mal für ein Wochenende raus. Einfach mal andere Wände sehen. Mein bester Kumpel wohnt inzwischen mit seiner Familie in der Pfalz. Das sollte mir als Luftunterschied erst einmal reichen. Nach dem Bahnstreik-Chaos Ende des letzten Jahres von der GDL und diversen Streikandrohungen der anderen Gewerkschaft EVG für dieses Jahr Januar, mied ich bei der Buchung die Deutsche Bahn und buchte vorsorglich mein Fahrticket über einen Fernbusanbieter. Der Preis schont auch den studentischen Geldbeutel.

Ein paar Tage vor Fahrtantritt plopten dann Meldungen in den Nachrichten hoch, dass die EVG streiken möchte, sollte die Bahn das Ultimatum am Freitagnachmittag verstreichen lassen. Meine Nerven waren beruhigt. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Ich würde keine Angst vor Bahnstreiks haben müssen und könnte ganz in Ruhe mit dem Fernbus in den Süden fahren. Zudem verspricht die Werbung ja auch Steckdosen und W-Lan auf der Fahrt. Das Non-Plus-Ultra für die Generation Y. Die Fahrt sollte zwar etwa 5 Stunden länger dauern, als mit dem Zug, aber hey, es gibt Steckdosen und W-Lan.

Doch dann kam das Unvorhersehbare: Es fiel Schnee. SCHNEE. Wer rechnet denn bitte auch Ende Januar in Deutschland mit Schnee? Diese unerwartete Naturkatastrophe versetzte Autofahrer in Panik. Schnee auf den Straßen. So etwas kennt man in Deutschland nicht, also sollte man besser nur mit 20 km/h über die Autobahn fahren. Obwohl, 20 km/h? Nein. Für LKW gilt hier eine Sonderregelung: LKW dürfen auch mitten auf der Autobahn einfach quer stehen. Aber nur bei Schnee. Und mein Fernbus stand dann dahinter im Stau. 6 Stunden haben wir gebraucht von Hannover nach Kassel.

Auf den letzten zwei Stunden vor Kassel fiel dem Busfahrer dann ein, dass er Batterie sparen sollte und deshalb schaltete er das W-Lan aus. Das fehlte noch. Wie sollte ich mich denn jetzt im Bus beschäftigen so ganz ohne W-Lan? Als dann endlich die Ausfahrtschilder auf der Autobahn auftauchten, dass man hier nach Kassel abfahren könne, fuhr der Busfahrer einfach weiter. Etwa 30 Sekunden nach der Ausfahrt hörte man dann laut von vorne „Scheiße“. Gefolgt mit der Durchsage „Liebe Fahrgäste, machen Sie sich keine Sorgen, wir haben Kassel nicht verpasst, wir nehmen einfach die nächste Ausfahrt und fahren ein Stück zurück. Auf die fünf Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an.“ Da ich aber nicht nach Kassel wollte, sondern Richtung Karlsruhe, addierte sich das natürlich durchaus auf meine Zeitrechnung.

Als wir von Kassel zurück zur Autobahn fuhren, standen wir wieder. Diesmal vor der Auffahrt zur Autobahn. Während ich so im Stau stand, konnte ich über meine mobile Datenverbindung googeln. Inzwischen hatte die EVG die Streikandrohung erst einmal zurückgenommen. Wäre ich mal doch mit der Bahn gefahren, da wäre ich schneller angekommen.

Von Jessica Preuss

Foto: Lara Sagen

[ssba]