„White House Down“: Die Stunde der Schmalzpatrioten

Wenn ein Land seine schwärzesten Stunden erlebt, werden die wahren Helden geboren. Keine Nation liebt diese Romantik so sehr wie die Vereinigten Staaten. Mit „White House Down“ reicht Roland Emmerich uns wieder Patriotismus mit dem ganz großen Löffel.

Um seine elfjährige Tochter zu beeindrucken und das gebrochene Verhältnis aufzufrischen, nimmt Police Officer John Cale (Channing Tatum) sie zu einem Vorstellungsgespräch ins Weiße Haus. Sein Wunsch der Leibwache des Präsidenten Sawyer, einer Obama-Simulation verkörpert von Jamie Foxx, beizutreten, wird von deren führender Agentin Carol Finety (Maggie Gyllenhaal), zufällig eine alte Schulfreundin von Cale, abgewiesen. Zu seinem Glück wird das Weiße Haus von Terroristen eingenommen, alle anderen Secret-Service-Agenten werden erschossen und Cales Casting geht somit in den Recall, indem er sich mit dem Präsidenten im Rücken durch das Weiße Haus ballert.

„Es gibt keine wichtigere Aufgabe als den Präsidenten zu beschützen“

Während Cale mit dieser Floskel beim Vorstellungsgespräch keinen Eindruck schindet, darf er nun sein Können als Personenschützer direkt unter Beweis stellen. Irgendwann greift der Everbodys-Darling-Präsident in seinen weißen Sportschuhen dann aber selbst zur Waffe und schießt sich den Weg durch das brennende Weiße Haus frei, während Politik, Militär und der Rest der Welt von außen zusehen. Neben dem Umgang mit leichten Maschinengewehren beherrscht der „Führer der freien Welt“ nun auch diverse Nahkampftechniken und kann präzise Panzerfäuste aus fahrenden Limousinen schießen. Im Kampf gegen die Zeit, Hass und Verrat besiegt das dynamische Duo nicht nur das Böse im Alleingang, sondern wendet nebenbei im Last-Minute-Finale auch noch den Dritten Weltkrieg ab.

Viel mehr fällt den Machern nicht ein. Die aneinander gereihten Kampfszenen wechseln sich ab mit Szenen der Machtlosigkeit in der Außenwelt. Unterbrochen werden sie nur durch wenige stille Momente zwischen Cale und dem Präsidenten, die einem vermitteln sollen, warum jeder Amerikaner sich für seinen Präsidenten opfern sollte / würde / müsste.

Roland Emmerich at his best

Warum muss es eigentlich ein Stuttgarter sein, der uns diese Heroisierung der US-Patrioten verabreicht? Vielleicht beherrscht es niemand anderes so gut, stumpfe Action mit der Liebe zu seinem Land – und natürlich auch zu seiner Familie – zu verknüpfen. Diese Analogien zu „Independence Day“, „Der Patriot“ oder „The Day after Tomorrow“ machen den Film vorhersehbar. Je tiefer das Gute in der Klemme steckt, desto schnulziger erfolgt die Rettung durch den Helden. Damit schafft es Emmerich einem selbst den Spaß an zweistündiger Action zu nehmen. Das kuschelige Happy-End, wenn ein blutverschmierter Präsident und ein einfacher Familienvater Amerika und die Welt retten, kotzt den Schmalzpatriotismus buchstäblich aus. In strahlendem Licht darf nicht nur die Welt und Cales Tochter zu den beiden aufsehen, sondern müssen wir Zuschauer uns das auch antun. Als guter Film wird uns „White House Down“ nicht in Erinnerung bleiben, aber beim Durchschnitts-US-Bürger stößt diese Dosis einfach immer auf Nährboden – und das nicht erst seit 9/11.

Bewertung: 5 / 10 Punkte

DVD / Blu-ray Start: 6. Januar 2014

Von Johannes Giewald

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