Wer will fleißige Handwerker sehen?

P3 bringt mich um den Verstand. Die Fehlermeldung blinkt in orangener Schrift auf dem kleinen Display meiner uralten Gastherme. Dazu gibt das Teil angsteinflößende Töne von sich. Ich drücke den Entstörknopf mit aller Kraft, doch da ist nichts zu machen. Ich verfluche den altersschwachen Heizapparat und rufe mal wieder den Handwerkernotdienst. Die Nummer hab ich auf Kurzwahl. Der Fachmann findet den Fehler: Defekter Ventilator. Er könnte ein Ersatzteil bestellen, empfiehlt aber gleich eine neue Anlage. Das entscheidet der Vermieter. Der scheint aber gerade im Koma zu liegen. Vielleicht macht er auch Urlaub auf den Bahamas – in Telefonnähe befindet er sich jedenfalls nicht. Ich sage alle Termine für den nächsten Tag ab und gehe ungeduscht ins Bett. Leider nicht das letzte Mal in dieser Woche. Tags darauf taucht mein Vermieter endlich wieder aus der Versenkung auf. Er möchte erst einmal nur das Ersatzteil bestellen. Hätte ich mir denken können – der Mann ist wahrscheinlich das uneheliche Kind von Dagobert Duck und Mr. Krabs.

Drei Tage vergehen und noch immer habe ich keinen neuen Ventilator. Meine Gasheizung röchelt müde vor sich hin, ohne auch nur ein Fünkchen Wärme zu versprühen in dem Nordpol, den ich meine Wohnung nenne. Verlassen kann ich sie nicht, so wie ich mittlerweile rieche. In der Uni verpasse ich ja nicht viel. Aber zwischenmenschlichen Kontakt vermisse ich nun doch sehr. In den letzten Tagen habe ich ausschließlich mit meinem Vermieter und der wenig hilfreichen Sekretärin der Handwerkerfirma telefoniert. Genützt hat das auch nichts, wenn das Teil nicht da ist, kann es ja auch niemand einbauen. Ich fühle mich wie Robinson Crusoe – verschollen in den eigenen vier Wänden. Da ich keinen Volleyball besitze, muss ein roter, schrumpeliger Luftballon, der noch von der letzten Geburtstagsfete übrig ist, als Wilson herhalten. Werde ich das Haus jemals wieder verlassen können und meine Freunde wiedersehen? Ihre Gesichter verblassen langsam in meiner Erinnerung. Wie kann es eigentlich sein, dass das so lange dauert, frage ich mich. Wenn ich abends nach dem dritten Glas Wein einen Online-Shopping-Anfall bekomme, hebt sich der DHL-Bote am nächsten Morgen einen Bruch an meinen Paketen. Aber ein Heizungstechnik-Unternehmen braucht mehr als drei Tage, um ein einziges, popliges Ersatzteil zu beschaffen? Haben die denn noch nie von Amazon Prime gehört?

Von Johanna Stein

[ssba]