Wenn Mist zu Strom wird –Ein Dorf heizt ein

Immer mehr Dörfer schließen sich dem Trend Bioenergie an. Doch wie viel Grün ist gut?

2015 war das Jahr der Biodörfer. In Österreich wurde das Örtchen Seeham als Sieger des Klimaschutzpreises ausgezeichnet. Und auch in Deutschland heimste das Biodorf Eichstetten einen Sonderpreis im bundesweiten Wettbewerb „BodenWertSchätzen“ für seinen Biolandbau ein. Beide Dörfer profitieren unter anderem von dem Einsatz der Bioenergie.

Das Potenzial der ‚Grünen Energie‘ scheint groß zu sein. Weltweit deckt die sogenannte Biomasse, die sich beispielsweise aus Holz und fast allen landwirtschaftlichen Produkten aus dem Agraranbau zusammensetzt, mehr als zehn Prozent der Energienachfrage ab. 2,5 Milliarden Menschen, die in Armut leben, sind abhängig von Brennstoffen wie Brennholz, Holzkohle oder Dung. Nachwachsende Rohstoffe ermöglichen uns so die Erzeugung von Biogas, Strom oder Kraftstoff ohne Verluste. Die Bioenergie erscheint als eine positive Alternative zur Atomkraft.Doch wie leistungsstark ist Bioenergie?

Die Gemeinde in Jühnde im Landkreis Göttingen ist klein, grün und beschaulich. Fachwerkhäuser prägen das Ortsbild und rund herum haben Bauern ihre Felder und Wiesen. Das ist wie gemacht für ein großes Projekt des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Universität Göttingen. So sollte im Januar 2006 aus dem 1089 Seelen Dorf das erste Bioenergiedorf Deutschlands entstehen.Hier keimte eine Idee,die auch bald andere Gemeinden in Europa zum aktiven Umweltschutz inspirieren sollte. Es war ein Projekt, um das Potenzial der so unterschätzten Energiegewinnung zu verdeutlichen.

Und so übel wie es riecht, pardon, klingt, war diese Idee dann auch nicht. Mit Hilfe von Gülle und Biomasse aus den umliegenden Äckern wird heute Energie gewonnen. Heute erzeugt die örtliche Biogasanlage etwas fünf Millionen Kilowattstunden Strom und deckt damit mehr als das Doppelte des örtlichen Strombedarfs ab. Und die über das Stromnetz entstehende Abwärme wird den Haushalten neu zugeführt. Allein im Winter reicht die Energieversorgung nicht ganz aus, sodass über ein Holzschnitzel-Heizwerk oder ein Ölbrenner zugeheizt werden kann. Jeder Haushalt im Ort spart so etwa 750 Euro an Energiekosten im Jahr.

Sogar Touristen lockt das Dörflein inzwischen an. Die Fans kommen aus aller Herren Länder nach Niedersachsen geeilt, um das einzige Dorf zu begutachten, das es schafft, sich vollständig mit regenerativen Energien zu versorgen. Klingt bis hierhin doch ganz nett. Ein Dorf das sich selbst beheizt und dazu noch vom Tourismus profitiert! Doch warum heizt nicht schon längst alle Welt mit Kuhmist und Co. ?

Das Problem: Alle Ackerflächen auf denen Pflanzen angebaut werden um danach an uns verheizt zu werden, stehen in Konkurrenz mit dem Nahrungsmittelanbau. Und durch finanzielle Förderungen lohnt sich der Biomasseanbau für viele Bauern einfach mehr. Auf deutschen Feldern entstehen Monokulturen, man pflanzt nur noch was am besten Energie liefert.Das strapaziert den Boden, entzieht ihm jedes Jahr erneut die wichtigsten Rohstoffe.Und überhaupt sind die Anbauflächen begrenzt. Logische Schlussfolgerung: Bioenergie ist grün und gut. Wird aber nie unser Hauptenergielieferant werden, denn die naturgegebenen Einschränkungen sind zu groß.

Von Nina Räbiger

[ssba]