„Wenn ich es nicht mache, wer denn sonst?“

Rijad Peci, 19, macht gerade sein Fachabitur auf der Wirtschaftsschule. Nebenbei engagiert er sich ehrenamtlich im „Broadway“, dem Beratungs- und Begegnungszentrum der Caritas Hildesheim. Im Interview mit Jessica Preuss verrät er wie es dazu kam und was er sich für die Zukunft wünscht.

Rijad, was sind deine Aufgaben hier?

Ich gebe hauptsächlich Nachhilfe. Ab und zu helfe ich aber auch woanders. Beim Sommerfest z. B. helfe ich den Bands beim Aufbau. Oder wenn der Chef hier mal ein paar Anliegen hat, dann helfe ich auch gerne mal ein bisschen mit.

 

Warum machst du das?                 

Ich war früher ebenfalls im Broadway, genau wie die anderen hier. Also ich war auch ein Schüler und habe selber Nachhilfe benötigt. Meine Eltern mussten jeden Tag arbeiten, sodass dann auch keiner mit mir lernen konnte. Ich habe mich dann beim Aktivspielplatz erkundigt und auch direkt einen Platz bekommen. Damals habe ich schon gemerkt, dass man Personen braucht, die einem etwas beibringen, damit man im Leben weiterkommt. Dazu gehören eben auch gute Noten. Ich möchte den Leuten helfen, so wie mir hier auch geholfen wurde.

Wie kam es dazu, wurdest du angesprochen das zu machen?

Ich habe schon selber Lust gehabt. Der Chef hat mich angesprochen, dass er Bedarf hat und ein paar Helfer in meinem Alter benötigt. Da ich ja selbst hier Nachhilfe bekommen habe, kann ich mich gut in die Lage hineinversetzen. Also habe ich zugesagt. Am Anfang war es erstmal schwer, wegen der Zeit. Ich habe damit angefangen, als ich in der 10. Klasse war. Zu dem Zeitpunkt konnte ich erst einmal nur 2 Tage die Woche kommen, wegen den Abschlussprüfungen, usw. Ich habe da auch selber noch Nachhilfe bekommen. Nach der Nachhilfe, die ich gegeben habe, hab ich dann noch Nachhilfe bekommen.

Was sagen deine Freunde dazu?

Die machen gerade ihr Fachabitur in Sozialpädagogik und helfen auch, eben nur in anderen Einrichtungen. Sie finden das sehr gut, denn wenn ich es nicht mache, wer denn sonst? Macht ja nicht jeder.

Was sagt deine Familie?

Die finden das auch gut. Viele in meiner Familie engagieren sich ebenfalls ehrenamtlich, sie machen das auch gerne. Einige haben selbst Kinder. Da passt das, denn ihre Kinder bekommen ja auch Nachhilfe.

Willst du später im sozialen Bereich arbeiten?

Ich würde es schon gerne machen. Aber ich will lieber Automobilkaufmann werden, daher bin ich auch auf einer Wirtschaftsschule. Wenn es zeitlich noch klappt, möchte ich aber weiter Nachhilfe geben.

Wie bringst du das mit der Schule zusammen?

Wir haben an unserer Schule aktuell Lehrermangel und dadurch extrem viele Freistunden. Ich weiß gar nicht wohin mit der ganzen freien Zeit. Deswegen passt es ganz gut, dass ich von Montag bis Mittwoch Zeit habe. Montags habe ich nur 2 Stunden Unterricht, da habe ich locker Zeit um vorbeizukommen. Der Dienstag sieht fast genauso aus, da hab ich nur 4 Stunden und Mittwoch ebenfalls. Die Zeit nutze ich dann hier, um ein bisschen abzuschalten. Ich bringe mir dann selber etwas bei oder helfe den anderen hier.

Wie viel Zeit investierst du für das Broadway?

Ich muss mal kurz rechnen… Das sind etwa 24-30 Stunden im Monat.

Schaffst du es auch mal abzuschalten, oder bist du auch in deiner Freizeit mit deinem Kopf hier?

Ich kann abschalten, ja. Also ich fahre dann ab nach Hause und da hab ich ja auch noch ein paar Aufgaben, die ich erledigen muss. Man kann also durchaus abschalten.

Was war dein bestes Erlebnis hier?

Diese Erlebnisse habe ich öfters. Wenn ich meinen Schülern Nachhilfe gebe und die dann nach einer Klassenarbeit mit einer guten Note hier ankommen. Da freue ich mich natürlich. Gute Noten sind nun einmal was Positives. So kann ich ja sehen, dass ich das gut gemacht habe und dass es der Schüler verstanden hat. Ich finde es auch gut, wenn die Schüler es dann jemand anderen auf die Art beibringen, so wie ich es ihnen beigebracht habe. Also mit meinen Methoden.

Was war nicht so schön?

Einer meiner Schüler hatte leider bei einer Klassenarbeit einen Blackout. Er konnte es wirklich hammermäßig gut, aber dann hatte er einen Blackout. Er kam dann mit einer 4+ hier an. Ich fand das schon gut, es geht natürlich auch schlechter. Aber wenn man weiß, dass er das besser machen könnte, ärgert man sich schon.

Was ist dir im Leben besonders wichtig?

Das es mir und meiner Familie gut geht. Ich möchte einen guten Schulabschluss und natürlich einen Ausbildungsplatz bekommen. Und Gesundheit, reichlich davon.

Was wünschst du dir für die Zukunft des Broadways?

Das wir noch mehr Schüler haben. Auch wenn man schon gute Noten schreibt, kann man hier vorbeikommen um sich etwas beibringen zu lassen. So kann man vielleicht noch bessere Noten bekommen. Denn die meisten denken sie bräuchten das nicht, weil sie gut genug sind. Aber das stimmt nicht. Man kann sich auch als guter Schüler noch verbessern. Und je nachdem, vielleicht gefällt es dem einen oder anderen ja. Dann können die auch selber mal Nachhilfe geben, wenn sie älter ist. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr engagierte Leute haben, die sich dafür einsetzen und sich nicht verstecken oder so.

Von Jessica Preuss

[ssba]