Warum nennen wir sie nicht einfach „Nazis“?

Wöchentlich berichtet die „Lügenpresse“ von Demonstrationen am Montagabend im Osten Deutschlands. Berichtet wird hier von „Besorgten Bürgern“, die auf die Straßen gehen um ihre „Sorgen“ nach außen zu tragen. Ebenfalls in wöchentlichen Abständen berichten die gleichen Medien jedoch von Brandanschlägen auf Flüchtlingsheimen, Körperverletzung gegen Flüchtlinge oder auch Volksverhetzung. Da stellt sich die Frage: Kann man hier überhaupt noch von „Besorgten Bürgern“ sprechen?

Montagabend in Dresden: Rund 10.000 Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – kurz Pegida -, kommen am Theaterplatz zusammen und demonstrieren. Von den Organisatoren werden sie als „Besorgte Bürger“ bezeichnet. Auch nach einem Jahr Pegida übernehmen sowohl Politiker, als auch die Medien diesen Begriff in ihren Wortschatz. Doch was heißt eigentlich „Sorge“?

Die Bedeutungsübersicht des deutschen Duden sagt dazu „quälende Gedanken; bedrückendes Gefühl der Unruhe und Angst“. Laut Wikipedia handelt es sich bei dem Begriff „Sorge“ um „ein durch vorausschauende Anteilnahme gekennzeichnetes Verhältnis des menschlichen Subjektes zu seiner Umwelt und zu sich selbst. Eine subjektiv erwartete Not (Bedürfnis, Gefahr) wird gedanklich vorweggenommen und wirkt sich im Fühlen, Denken und Handeln des Besorgten oder Sorgenden aus. Das Spektrum reicht dabei von innerlichem Besorgt- oder Beängstigt-Sein bis zur tätigen Sorge für oder um etwas.“

Mit Hitlerzitaten und rassistischen Parolen plakatieren die Demonstranten ihre selbst gebauten Schilder. Von „Überfremdung“ ist hier die Rede. Schon Joseph Goebbels sprach 1933 von „Überfremdung des deutschen Geisteslebens durch das Judentum“. Die Medien werden als „Lügenpresse“ bezeichnet. Auch dieser Begriff ist in Goebbels Propagandaansprachen nicht unbekannt. Die Politiker seien „Volksverräter“. Der Volksverrat wurde erstmals in Zeiten des Nationalsozialismus in den Strafbestand aufgenommen. Warum werden ausgerechnet solche Begriffe von Menschen genutzt, die nach eigenen Aussagen keine Nazis sind?

Dem Duden zufolge ist ein Rechtsextremist ein politisch extrem, radikal eingestellter Mensch. Als rechtsextremistisch bezeichnet wird eine extreme, radikale politische Einstellung, die gezeigt, bezeugt, vertreten oder verfochten wird. Der deutsche Verfassungsschutz wertet unter anderem folgende Merkmale als Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen:

  • ein aggressiver Nationalismus, für den nur die deutschen Interessen als Richtschnur gelten und der andere Nationen als “minderwertig“ betrachtet,
  • eine aggressive, extrem gewaltbereite Fremdenfeindlichkeit als Ergebnis einer Wiederbelebung rassistischen und damit verbunden antisemitischen Gedankenguts
  • Relativierung oder sogar Leugnung der Verbrechen des „Dritten Reiches“ und damit verbunden eine Verharmlosung oder Verherrlichung des Nationalsozialismus
  • eine ständige Diffamierung der demokratischen Institutionen und ihrer Repräsentanten.

Gewisse Parallelen zu den Gesinnungen und Verbrechen der „Besorgten Bürger“ lassen sich nicht von der Hand weisen. Dem Verfassungsschutz zufolge haben alle diejenigen, die einen oder mehr der obigen Standpunkte vertreten, rechtsextreme Bestrebungen. Also wann hören wir auf den Begriff „besorgt“ zweckzuentfremden und wann fangen wir an das Kind beim Namen zu nennen?

Von Jessica Preuss

Foto: Lara Sagen

[ssba]