Von leichten Gesetzen und blonden Püppchen

Nadim* ist 28 Jahre alt und kommt aus Al Mayadin im Osten Syriens. Er verließ sein Heimatland vor 3 Jahren aufgrund der politischen Verhältnisse. Im Winter 2015 kam er legal nach Deutschland. Seitdem lebt er in Hannover. In seiner Rolle als Muslim, Flüchtling und Mensch bewertet er die Vorfälle in Köln.

Ich würde mit Ihnen gerne über die Vorfälle der Silvesternacht in Köln sprechen. Von den sexuellen Übergriffen auf viele Frauen, die mutmaßlich von Menschen aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum begangen wurden.

Ich bin nicht stolz darauf.

Sind Sie beschämt?

Natürlich. Das war etwas sehr Schlimmes. Zur Zeit kann ich keinem Rassisten sagen, dass seine Befürchtungen falsch seien. Sie haben jetzt alles Recht der Welt, uns aus ihrem Land zu werfen. Denn wir Araber würden das Gleiche tun.

Würden Sie die Schuldigen ausweisen wollen?

Das fände ich problematisch. Denn wohin sollen sie geschickt werden? Wenn sie zurück nach Syrien gebracht werden, könnten sie sich dem IS anschließen. Später würden sie möglicherweise als Terroristen zurück nach Deutschland kommen und noch mehr Probleme verursachen.

Ist es für Syrer und Deutsche möglich friedlich zusammenzuleben?

Es müssen einige Veränderungen vorgenommen werden, damit etwas derartiges nicht erneut geschieht. Es sind viele schlechte Syrer nach Deutschland gekommen. Besonders die leichten Gesetze hier sind nicht hilfreich. Es muss Gesetzesänderungen für Flüchtlinge geben. Es vergehen teilweise mehrere Monate, bevor sie ihre Sprachkurse beginnen können. In dieser Zeit sitzen sie nur im Heim und tun nichts. Sie sind innerlich leer. Gleichzeitig bekommen sie Geld. Dieses Geld geben einige von ihnen für Alkohol aus. Es ist nicht gut, wenn wir trinken. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis manche anfangen Probleme zu bereiten. Des Weiteren müssen die Asylanträge beschleunigt werden. Wenn sie bleiben dürfen, gebt ihnen etwas zu tun. Sie dürfen nicht untätig herumsitzen.

Also sagen Sie, dass die Übergriffe in der Silvesternacht nur geschehen sind, weil die Täter keinen Job haben und getrunken haben? Ist es vielleicht auch ein kulturelles Problem?

Nein, so einfach meinte ich das nicht. Es ging mir um Präventivmaßnahmen, damit so etwas nicht erneut geschieht. Natürlich ist es eine andere Kultur. Aber die Asylbewerber müssen verstehen, dass sie Gäste in diesem Land sind. Sie müssen dankbar sein für die Menschen, welche sie aufgenommen haben und ihnen Geld geben. Denn Deutschland unterstützt uns mehr als unser Heimatland. Wir haben diese beschämende Tat verübt. Ich bin nur wütend (stottert), dass keine Syrer sie gestoppt haben.

Hätten Sie die Täter gestoppt?

Ich hätte es versucht. Es geht darum, schutzlosen Menschen zu helfen. Die Angelegenheit wird auch Konsequenzen für mich haben.

Ich gehe nochmal auf den kulturellen Hintergrund ein. Ist das Frauenbild ein weiteres Problem? Behandeln syrische Männer Frauen anders, als es in Deutschland der Fall ist?

In Syrien gibt es genauso selbstständige Frauen wie in Deutschland. Sie arbeiten und verdienen ihren Lebensunterhalt selber. Eine gleichaltrige Freundin von mir ist beispielsweise seit 9 Jahren unabhängig von ihrer Familie. Ich muss meine Eltern wahrscheinlich nächsten Monat um Geld bitten. Frauen können die besseren Männer sein. Aber manchmal, wenn ich auf Facebook bin, erschrecke ich darüber, wie viele schlechte Männer nach Deutschland gekommen sind. Sie konnten sich nicht mal in meiner Stadt benehmen. In dieser kleinen ekelhaften Stadt. Wie sollen sie deutsche Gesetze respektieren? Wie können sie ein Mädchen in Minirock sehen und nichts sagen?

Also geht es letztendlich doch um das Frauenbild?

Manche Menschen sind einfach schlecht und jede Kultur hat negative Züge. In meiner ist es z.B. die Sichtweise auf Mädchen in kurzen Kleidern. Es geht sogar darüber hinaus: Wenn du bei uns Menschen die Chance gibst, dir schlimme Dinge anzutun, dann darfst du nicht wütend sein, wenn es passiert. Also darf ein Mädchen nicht wütend über die sexuelle Belästigung sein. Es läuft etwas falsch in unserer Kultur.
Wie gesagt, die einfachen Gesetzen in Deutschland haben vielen Menschen die Möglichkeit gegeben herzukommen. Im Anbetracht der schlimmen Situation in Syrien wollen viele flüchten. Denn für sechs, sieben Stunden oder vielleicht einen Tag in Gefahr auf dem Meer zu sein, ist besser, als zu Hause tatenlos auf den Tod zu warten. Einige Männer wollen hier ein Jahr mit Geld, Wohnung und blonden Püppchen verbringen. Dazu nutzen sie die gegenwärtige Angst und nehmen die herrschenden Gesetze nicht ernst.
Aber natürlich gibt es auch sehr gute Menschen, die so etwas niemals tun würden.

*Name geändert, das Interview fand auf Englisch statt

Von Chiara Thies

[ssba]