Vertragspartnerschaft – Das Telefon als Menschersatz

Meine Hose brummt und macht Geräusche… Mir wurde gerade geschrieben und mein kleiner Taschensingvogel macht mich postwendend darauf aufmerksam. Braves Teil. Was wäre man heutzutage nur ohne sein Telefon? Terminkalender, Routenplanung, Einkaufen. Fast alles erledigt der emsige Multimediaassistent ohne zu meckern, keine Lust zu haben oder, dass man mit ihm diskutieren müsste. Wie auch? Sind ja bloß Plastik und ein paar Edelmetalle. Oder doch nicht?

Nein, keinesfalls! Der brummende Begleiter ist immer da. Dient als Vermittler, Helfer und Informationsquelle. Alles Sachen für die man richtige Menschen bezahlen müsste, nur noch etwas besser. Manche Leute trauen es sich nicht zuzugeben aber, sie sind regelrecht vernarrt in ihre hippen Helfer. Fallen sie runter werden sie gestreichelt und angepustet; gehen sie kaputt weinen die Menschen so kläglich, dass man denken könnte der süße Nachbarswelpe sei von einem Auto überrollt worden; und für Zubehör gibt man auch ein Vermögen aus.

Schutzhüllen mit Pandagesicht zum Beispiel… Was man aus Angst einer späteren Zivilklage seinen Kindern nicht antun will, lässt man halt am Plastikplerrer aus. Logisch, kann sich ja auch nicht beschweren, dass es scheiße angezogen ist. Und falls doch, stumm schalten. Eben solche Kleinigkeiten machen es irgendwie schon zum Idealmenschen. Einer der sich alles gefallen lässt, aber nie den Mund aufmacht. Eine Partnerschaft per Vertrag. Wunderbar einfach und irgendwie traurig zeitgemäß.

Von Dennis Schmitt

Foto: Lara Sagen

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