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Es gibt wohl heute kaum noch eine Branche, in der das World Wide Web nicht von Bedeutung wäre. Auch vor der Musikindustrie, die alle Unternehmen des Musikvertriebs und der –produktion vereint, macht das Internet keinen Halt. Das Musikgeschäft befindet sich derzeit stark im Wandel. Auch Unternehmen in der Musikstadt Hannover bekommen deutlich zu spüren, dass Veränderung groß geschrieben wird.
Die Musikbranche wird zunehmend digitalisiert. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der legalen Online-Musikdienste um mehr als das Dreißigfache. In der gleichen Zeit sinkt der Jahresumsatz im Tonträgergeschäft um fast 700 Millionen Euro.

Für EDC GmbH, das CD-Presswerk in Langenhagen, ist der Bedeutungsverlust von CD und Co. heute noch kein Problem: „Im letzten Jahr haben wir so viele CDs produziert wie noch nie.“, lautet die überraschende Antwort einer Sprecherin von EDC auf die Frage nach Produktionseinschränkungen. Trotzdem könne man sich in Zukunft nicht mehr nur auf die CD verlassen. „Dass die CD an Bedeutung verliert kann man nicht aufhalten, deshalb erschließt sich EDC auch andere Märkte“. Zum Sortiment zählen daher nun beispielsweise auch LED-Lampen und Verschlusskappen.

Auch das Plattenlabel Yippiee Music aus Seelze ist auf die Digitalisierung des Musikmarktes eingestellt. Doch Geschäftsführer Benjamin Völksen setzt nicht ausschließlich auf diese neue Art der Musikvermarktung: „Wir müssen uns natürlich immer den Marktgegebenheiten anpassen aber versuchen trotzdem auf allen möglichen Vertriebswegen und Plattformen präsent zu sein“.

Obwohl legale Musikdownloadplattformen derzeit sehr erfolgreich sind, bleibt auch in Zukunft die Downloadpiraterie ein Thema. Auch hier verändert sich in den letzten zehn Jahren viel: Die Zahl illegaler Downloads steigt fast um das Doppelte. Zwar sei jeder illegale Download für die Musikindustrie geschäftsschädigend, doch Benjamin Völksen sieht darin auch einen positiven Effekt: „Wenn ein Song sich im illegalen Markt stark verbreitet, kann das dazu führen, dass der Künstler bekannter wird“. Als Plattenlabel müsse man dennoch versuchen illegale Downloads so gut es geht einzudämmen. „Aber man wird sie nie komplett verhindern“.
Im Musikgeschäft zukünftig erfolgreich zu sein wird immer schwerer, denn der Markt ist schon heute gesättigt. Das Angebot an Künstlern, Produzenten und anderen Akteuren der Branche ist sehr groß und so sei es schon jetzt schwierig, gute Preise zu erzielen. „Besonders die kleinen Unternehmen können sich deshalb nicht mehr halten“, erklärt die EDC-Sprecherin. Das Internet trägt ebenfalls dazu bei. Denn besonders das Web ermögliche den Trend des sogenannten „Self-Publishing“, wie Benjamin Völksen betont: „Das Internet ist ja nicht nur Verkaufs- sondern auch Vermarktungsplattform, auf der sich Künstler ganz frei von klassischen Medien promoten können“. So wird der Künstlermarkt in Zukunft noch deutlich stärker wachsen als bisher.

Die große Auswahl an Musiktiteln sei laut Völksen durch die neue Computertechnik ausgelöst: „Dadurch kann wirklich jeder zur Zeit
produktionsfertige Musik erstellen, d.h. es gibt einfach viel mehr Musik, die veröffentlicht werden kann“.

Ob in Hannovers Musikindustrie oder weltweit – Es wird viel passieren. Gerade traditionellen Firmen fällt der Umgang mit dem Wandel schwer. Prof. Dr. Klaus-Peter Wiedmann ist Leiter des Instituts für Marketing und Management der Leibniz Universität Hannover und kennt die Probleme der Branche. Um sich auch in Zukunft im Musikgeschäft zu halten, müssen Unternehmen neue Vermarktungsstrategien anwenden: „Die Betriebe müssen modernes Marketing verstehen. Ein Produkt muss auf den Kunden zugeschnitten sein“, weiß Wirtschaftswissenschaftler Wiedmann. So kämen Akteure der Musikbranche in Zukunft nicht mehr herum um das digitale Geschäft, Ansätze zur Attraktivitätssteigerung des legalen Musikdownloads und der allgemeinen Akzeptanz des Umbruchs. Auch in der Musikstadt Hannover muss das noch mehr verstanden werden. Denn Prof. Dr. Wiedmann ist sich sicher: „Da kann was draus werden, wenn man was draus macht“.

Von Katharina Meyer

Foto: Lara Sagen

[ssba]