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Wortkunst

Mal sehen

„Mal sehen“ tönt es durch dein Leben.
„Mal sehen“ – bloß nicht festlegen, bloß nichts geben.
Die Angst ist dir ins Gesicht geschrieben –
du bist nie länger als ’nen Moment geblieben.

Und du pflanzt Ungewissheit in die Seelen,
weil dir noch diese Worte fehlen.
Die Worte, die da heißen: „Ich bleibe.“

Und Sie? Haben Sie gute Plätze, wenn Sie auf der Oberfläche treiben?
Nein, denn Sie machen nie halt und könn‘n nirgendswo bleiben.
Und Sie treiben und treiben und geh’n
tief in das Meer aus den Worten „mal sehen“.

Denn man will nichts verpassen
und sagt deshalb „mal sehen“,
nur um am Ende am Leben vorbeizugehen.

Von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Dort spiegelt sich ein Licht

Ich schau‘ hinab auf den Asphalt.
Dort spiegelt sich ein Licht.
Ich wünsche mir, es sei der Mond,
doch leider ist er‘s nicht.

Vom Regen nass die Straße seh‘
ich in ihr die Laterne.
Ihr schwaches Licht auf dunklem Grund
ersetzt mir heut‘ die Sterne.

Denn Schauerwolken schieben sich
dicht vor das Licht der Nacht.
Doch ich schau‘ auf ein Spiegelbild,
das mir entgegen lacht.

Von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Sprich nie mehr meinen Namen aus

Sprich nie mehr meinen Namen aus
und schau mich nicht so an.
Denn wenn du meinen Namen sagst,
fängt alles wieder an.

Mein Name, er bezeichnet mich
und ist ein Teil von mir.
Doch du sollst das nie wieder sein
behalt‘ das Wort bei dir!

Und wenn du mich dann doch aussprichst
mit deinem schönen Mund,
dann halt‘ ich tapfer Widerstand
und kämpf dagegen und

erinner‘ mich dann doch daran
wie schön es für mich klingt,
wenn du mich selbst beim Namen nennst,
auch wenn es Unglück bringt.

Sprich nie mehr meinen Namen aus.
Oh, tu mir den Gefallen!
Denn wenn du meinen Namen sagst,
muss ich dir neu verfallen.

von Vivien Marie Rudek