Tag Archives: lyrics

Wortkunst

Blick in die Nacht

Du blickst so gerne in die Nacht.
Sie ist so ruhig und klar.
Wenn alles schläft, nur du noch wachst,
nimmst du das Leben wahr.

Wo in der Stille Hoffnung wohnt,
spürst du Unendlichkeit.
Und merkst, dass sich das Schauen lohnt:
Die Nacht ist endlos weit.

von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Mitläufer

Ich ahne nicht,
dass ich ein Mitläufer bin.
Außergewöhnlich sein
wird zum Lebenssinn.

Ich brauche nicht
ich selbst zu sein.
Nur Spezielles
gebe ich in die Welt hinein.

Ich bin jemand,
der täglich denk:
Ich bin Individualist.
Und dabei selbst
nicht ahnt,
dass er Mitläufer
geworden ist.

Ein mitlaufender Individualist,
der nicht erkennt,
das „anders sein“
nur mitlaufen ist.
In einer Welt,
die nach Besonderem schreit
und dabei vergisst:
Menschsein ist
die Besonderheit.

von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Wind

Ich seh‘ dich auf der Brücke steh’n.
Der Wind weht dir durchs Haar.
Ich würd‘ gern‘ zu dir rübergeh’n.
Der Wind macht mich ganz starr.

Ich will, doch er, er macht mich still.
Er säuselt in mein Ohr:
„Du bleibst hier steh’n, weil ich das will!“.
Ich mache mir ‘was vor.

Ich seh‘ dich von der Brücke geh’n.
Der Wind, er schiebt dich an.
Ich wollt‘ so gerne bei dir steh’n,
so wie der Wind das kann.

von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Bleiben und Gehen

Es ist traurig, dass du gehst,
obwohl du mich so gut verstehst.

Es ist traurig, dass ich bleibe,
obwohl ich dich damit vertreibe.

Doch Bleiben und Gehen
sind gleichermaßen
als Widerstand
zu verstehen.

Und es ist Zeit für dich zu gehen.
Du willst, doch kannst mich nicht mehr sehen.

Und es ist Zeit für mich zu bleiben.
Denn du lässt dich nicht mehr zu mir treiben.

Und so sind Bleiben und Gehen
gleichermaßen
als Widerstand
zu verstehen.

von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Wintersonne

Jeder, jeder Mensch
sehnt sich nur nach dir.
Jeder, jeder Tag
wünscht sich du wärst hier.

Du wunderbare Wintersonne.
Klar und schön und rein.
Du wunderbare Wintersonne.
Ich wünschte du wärst mein.

So fern, so fremd, so kalt;
und doch so herzlich hell.
Geheimnisvolle Macht –
ich wünschte du kämst schnell.

Du wunderbare Wintersonne.
Distanzen hin und her.
Du wunderbare Wintersonne.
Ich wünsche mir dich sehr.

von Vivien Marie Rudek

Wortkunst

Sprich nie mehr meinen Namen aus

Sprich nie mehr meinen Namen aus
und schau mich nicht so an.
Denn wenn du meinen Namen sagst,
fängt alles wieder an.

Mein Name, er bezeichnet mich
und ist ein Teil von mir.
Doch du sollst das nie wieder sein
behalt‘ das Wort bei dir!

Und wenn du mich dann doch aussprichst
mit deinem schönen Mund,
dann halt‘ ich tapfer Widerstand
und kämpf dagegen und

erinner‘ mich dann doch daran
wie schön es für mich klingt,
wenn du mich selbst beim Namen nennst,
auch wenn es Unglück bringt.

Sprich nie mehr meinen Namen aus.
Oh, tu mir den Gefallen!
Denn wenn du meinen Namen sagst,
muss ich dir neu verfallen.

von Vivien Marie Rudek