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Brainstorm, Journalismus

Griechenland aus journalistischer Perspektive

Griechenland und der unschöne Titel „Pleitegeier“ sind in den Köpfen vieler Leute nahezu untrennbar. Ein Land welches sich gewissermaßen in einem Ausnahmezustand befindet. Das wird deutlich, wenn man sich die Wirtschafts- und Finanzlage ansieht. Doch wie ist es wirklich vor Ort? Wie können deutsche Journalist*innen dazu beitragen, dass ein differenzierteres Bild entsteht? Indem sie selbst nach Griechenland gehen zum Beispiel!

Doch wie hat alles angefangen?

Im Jahr 2008 verlor Griechenland 42 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Das hat es laut dem IWF (Internationalen Währungsfonds) in diesem Ausmaß noch nie gegeben. Gut 20 Prozent der griechischen Haushalte waren Ende 2015 mit ihren Steuerzahlungen im Rückstand. Und das sind nur wenige Zahlen, wenn es um die Finanzkrise in Griechenland geht. Aus der eigenen Krise entwickelte sich ein Strudel voller Schulden, aus dem das Land bisher nicht herausgekommen ist. Die hohe Arbeitslosenquote (24 Prozent) vertreibt einige Griechen aus ihrer Heimat.

Doch wie kann es sein, dass die Griechen trotzdem noch lachen und tanzen? Ihr Herz schlägt einfach für ihr Hellas. Ihr Stolz ist zu groß, als dass sie sich ganz klein machen würden. Eine Mentalität mit Herzblut herrscht in dem Land der Hellenen. Und genau das ist faszinierend und beeindruckend. Diese gesunde Einstellung gegenüber dem Leben hält dennoch die meisten Einheimischen eben dort an Ort und Stelle, in ihrer Heimat.

Auch für junge Journalist*innen ist dies ein Land der Geschichten. Das Interesse nach Griechenland auszuwandern besteht nach wie vor und ist auch nicht die schlechteste Entscheidung. Sonne, Strand und Meer, ja so stellt man sich das Land vor, aber der Alltag sieht natürlich anders aus. Wie die Arbeit vor Ort aussieht schildern euch drei Journalist*innen, die ihren Weg nach Griechenland gefunden haben.

Auslandskorrespondenz in Griechenland

Traumberuf Korrespondent*in? Für den Quereinsteiger Florian Schmitz trifft das zu, auch wenn es kein leichter Weg war, beziehungsweise ist. 

Alles fing mit einem Blog an. Der gebürtige Ruhrgebietler ist ein Quereinsteiger in Sachen Journalismus. Florian merkte schnell, dass freie Meinungsäußerung und seriöser Journalismus zweierlei Dinge sind. Schließlich fing er an sich über seine Arbeit als Blogger Gedanken zu machen und strebte dabei das Ziel des professionellen Journalismus an. Heute arbeitet er in Thessaloniki und berichtet als Korrespondent für namenhafte Medienunternehmen. Dabei sind ihm gesellschaftskritische Themen wichtig. Darüber hinaus berichtet er unter anderem über Filmfestivals, griechische Kultur und Geflüchtete. Eine besondere Begegnung beschreibt er in seinem Buch „Erzähl mir von Deutschland, Soumar“. Darin schildern Florian und sein neuer Freund Soumar, wie sich ihre Freundschaft entwickelt hat.

Wie finde ich Themen, die interessant sind?

Florian schöpft seine Ideen meist aus den Gesprächen mit Personen, die er spontan beim Einkaufen anspricht. Nur so wisse man, was die Leute bewegt. Das ist einer seiner wichtigsten Tipps für angehende Journalist*innen.

Praktikum in Athen

Madlien aus Hannover hat, während ihres Journalistik-Studiums, ein Praktikum bei der Griechenland Zeitung in Athen absolviert. Ihre Erlebnisse hat sie für euch zusammengefasst. 

Als ich mich während des Studiums um einen Praktikumsplatz kümmern musste, kamen nicht allzu viele Optionen für mich in Frage. Schließlich hatte ich genaue Vorstellungen, welche Art von Journalismus mich interessiert: Printjournalismus! Die Auswahl an deutschsprachigen Medien im Ausland ist recht groß, so habe ich Bewerbungen unter anderem nach Prag, Budapest und Athen geschickt. Als die Zusage der Griechenland Zeitung (GZ) in meinem E-Mail-Postfach landete, war ich erleichtert und froh zugleich. Zum einen, weil ich einen guten Praktikumsplatz gefunden hatte und die E-Mail-Korrespondenz mit der Redaktion entspannt und ohne Probleme ablief. Zum anderen, weil ich wusste, dass ich mich dort wohlfühlen würde. Denn bereits einige Jahre zuvor habe ich Urlaub in Hellas gemacht und die griechische Mentalität, wie auch die Lebensweise, sehr zu schätzen gelernt. 

Die GZ ist eine deutschsprachige Wochenzeitung mit Redaktionssitz in Athen. Ziel der Zeitung ist es, Nachrichten und kulturelle Beiträge, die sonst nur in der Landessprache veröffentlicht werden, für deutschsprachige Personen zugänglich zu machen. 

Das Leben in Athen ist, je nach Ansprüchen, beispielsweise mit dem BAföG-Höchstsatz sehr gut zu bestreiten. Wer sich im Vorfeld einen Überblick über die Wohnungsoptionen verschafft, sollte keine Probleme haben eine günstige und gut gelegene Unterkunft zu finden. Grundsätzlich würde ich Wohngemeinschaften mit Griech*innen empfehlen, so bekommt man Einblicke in die Kultur und Mentalität, die sonst vielleicht verborgen bleiben. Ich habe die Menschen in Griechenland als offen, entspannt und warmherzig empfunden. Athen ist eine wunderbare Stadt, die kulturell und geschichtlich so viel zu bieten hat, dass selbst einige Monate nicht ausreichen, um alles zu entdecken. 

Dennoch hat jede Medaille zwei Seiten. Die Krise ist nach wie vor in vielen Bereichen präsent. Drogen, Obdachlosigkeit, politische Faust- und Verbal-Kämpfe etc., sind keine Seltenheit. Durch die Arbeit bei der GZ habe ich viele Einblicke bekommen können. Da ich in meiner Themenwahl glücklicherweise sehr frei war und grundsätzlich von der Redaktion ermutigt wurde, habe ich mir bewusst Themen ausgesucht, die ich persönlich als wichtig erachte und über die ich mehr wissen wollte. So durfte ich beispielsweise Unterkünfte für Geflüchtete besuchen, Organisationen begleiten, die Spenden sammeln und Menschen kennenlernen, die sich von Deutschland aus für Griechenland einsetzen.

Egal ob Griechenland oder ein anderer Ort, ich würde jedem*r empfehlen, den Schritt zu wagen und die Komfortzone hinter sich zu lassen. Sei es für ein Praktikum, ein Projekt oder Freiwilligenarbeit, der Mehrwert für die persönliche Entwicklung ist enorm.

Journalismus in Griechenland

Elisa Hübel ist Deutsch-Griechin und Journalistin in Athen. In einem kurzen Interview erzählt sie, wie sie zu dem Beruf gekommen ist und was daran besonders ist. 

Würdest du uns bitte einen kurzen Überblick über deine journalistische Laufbahn geben und für welche Medien du in welchem Verhältnis gearbeitet hast. 

Angefangen hat das Ganze während der Olympischen Spiele in Athen 2004. Damals haben ZDF und ARD Stringer gesucht, also Personen die mehr oder weniger als Fahrer, Dolmetscher und vor allem für Journalisten tätig sein sollten. Ich hatte das Glück mit einem kleinen Kamerateam vom ZDF in Athen zusammen arbeiten zu dürfen und hatte dadurch Gelegenheit, bei der Berichterstattung der Sportwettveranstaltung, in die journalistische Arbeit reinzuschnuppern. 

Zuvor hatte ich als Schülerin bei der deutschsprachigen „Athener Zeitung“ ein zweiwöchiges Praktikum gemacht. Parallel zu meinem Studium in Athen habe ich bei deren Nachfolgerin, der „Griechenland Zeitung“, sowie beim fremdsprachigen Radiosender der Stadt Athen „Athens International Radio“, als Journalistin gearbeitet. Nebenbei habe ich an manchen Abenden bei einem kleinen Fernsehsender ehrenamtlich eine abendliche Nachrichtensendung komoderiert. 

Beim Ausbruch der griechischen Finanz- und Wirtschaftskrise im Frühling 2010, war ich eine angehende Journalistin mit guten Deutschkenntnissen. Die Neue Züricher Zeitung aus der Schweiz hat damals einen Korrespondenten beziehungsweise eine Korrespondentin gesucht. Sie sind schließlich auf mich und meine Arbeit aufmerksam geworden. Für sie habe ich bis 2016 als Korrespondentin aus Athen gearbeitet. Zurzeit bin ich als Journalistin bei der Griechenland Zeitung festangestellt. 

Was unterscheidet den Korrespondent*innen-Beruf von dem „journalistischen Beruf vor Ort“? 

Als Korrespondentin habe ich von meinem Wohnort Athen aus gearbeitet. Also hat es für mich keinen Unterschied zum „journalistischen Beruf vor Ort“ gemacht.  

Was macht die journalistische Arbeit in Griechenland besonders?

Meine Arbeitserfahrung beschränkt sich – mit Ausnahme eines dreimonatigen Praktikums beim ORF in Salzburg – auf Griechenland. Ich denke besonders war in den letzten Jahren, dass das Land einen riesigen Umbruch erlebte, den man auch journalistisch widerspiegeln musste. Da war manchmal sehr viel zu tun: Oft überschlugen sich die Ereignisse. 

Was sind deine Themenschwerpunkte?

Ich würde sagen mein Themenschwerpunkt ist Griechenland generell. Ich schreibe sehr viel über Politik und Tourismus, aber auch Kultur und Wirtschaft – alles in und über Griechenland. 

Hast du neben deiner Hauptbeschäftigung noch andere journalistische Projekte zum Beispiel ein Buch oder ähnliches, denen du Zeit schenkst? 

Neben meiner oben beschriebenen journalistischen Tätigkeit schreibe ich Reisebücher über Reiseziele in Griechenland für die Verlage DuMont und Marco Polo, beziehungsweise beschäftige ich mich mit der Aktualisierung von Büchern vor Ort.

Wie kritisch kann man sich als Journalist*in in Griechenland äußern? (in Bezug auf Politik, Wirtschaft etc.) 

Sicherlich ist Pressefreiheit weltweit ein Thema. Auch in Griechenland gibt es unabhängige Zeitungen, wie etwa die Griechenland Zeitung, für die ich schreibe. Da gibt es im Prinzip keine Einschränkungen für die journalistische Meinung und Berichterstattung. 

Etwas besorgt hat mich, dass in Griechenland einige der größten Medienkonzerne an einzelne Privatpersonen verkauft worden sind. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass einige Medien benutzt werden sollen, um andere geschäftliche Interessen zu forcieren. 

Inwieweit entspricht die deutsche Berichterstattung über Griechenland der tatsächlichen Lage im Land?

Einige deutsche Medien haben vor allem zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise äußerst negativ über Griechenland berichtet. Die Rede ist unter anderem von „faulen Griechen“ gewesen, „die ihr Land verkaufen“ sollten. Ich denke schon, dass es damals in Deutschland aufgrund solcher Berichterstattungen eine schlechte Stimmung gegenüber Griechenland und den Griechen gegeben hat.

Seither hat sich jedoch die Situation verbessert und auch deutsche Medien berichten, so objektiv es geht, über die tatsächliche Lage in Griechenland.  

Hast du Tipps für angehende Journalist*innen, die sich in Griechenland versuchen wollen?

Ich habe einen Tipp für angehende Journalisten generell: Du musst den Beruf lieben und dafür leben. Wenn du es für Geld oder Ruhm tust, wirst du nicht glücklich.

Tipps die unbedingt ins Reisegepäck gehören

Abschließend haben wir noch einige Tipps von Florian, Madlien und Elisa für alle reisefreudigen Journalisten, die gerne im Ausland arbeiten wollen. 

Grundvoraussetzung: Das Wichtigste ist die Leidenschaft für den journalistischen Beruf. Zudem sind Neugier und Offenheit dem gewählten Land und den Leuten gegenüber unabdingbar.

Anpassung an die jeweilige Kultur: Improvisation und Flexibilität gehören zum journalistischen Alltag dazu. Andere Kulturen und Traditionen sind länderbezogen zu beachten und ermöglichen neue Blickwinkel und Arbeitsweisen.

Sprache: Deine Englischkenntnisse sollten gut sein. Die Landessprache musst du nicht unbedingt beherrschen, aber ein paar Basics in der Landessprache bringen Sympathie-Punkte zum Beispiel bei Interviewpartnern und Kolleg*innen.

Bleib kritisch!: Informiere dich über die aktuelle politische Lage und das System des jeweiligen Landes und entwickle eine eigene kritische Sichtweise.

Netzwerk aufbauen: Suche Kontakt zu Einheimischen zum Beispiel beim Einkaufen oder in Bars.

Fragen stellen!: Bleibe neugierig und hake stetig nach.

Weiterverwertung: Verwende dein Material nicht nur für eine Story, sondern denke weiter. „Kann ich einen Aspekt aus meinem Interview auch noch weiter ausbauen und es vielleicht einem Radiosender anbieten?“.

Darüber hinaus solltet ihr euch im Vorfeld Gedanken über eure Krankenversicherung und das länderspezifische Gesundheitssystem machen. Zudem ist möglicherweise ein Visum nötig und auch finanzielle Gegebenheiten sollten im Voraus bedacht werden. Informiert euch über mögliche Stipendien und dergleichen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Gruppenarbeit für den Kurs „International Journalism“ der Hochschule Hannover entstanden.

Alle Fotos von Madlien Wienberg, Video von buten un binnen

Brainstorm, Fernweh, Journalismus, Karriereleiter, Perspektivenwechsel 1, Perspektivenwechsel 2, Wanderlust

Journalismus in Japan – Keiko Tanaka erzählt ihre Geschichte

Quelle: Google Maps

Von uns bis nach Japan sind es 9.043 Kilometer. Dort arbeitet Keiko Tanaka als Journalistin. Wie Journalismus in Japan funktioniert und welche Unterschiede es gibt, hat sie uns erzählt.

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Keiko-Tanaka

Fotos: Berliner Gazette, CC License 2.0

Keiko Tanaka ist eine echte Powerfrau! Schon als junges Mädchen schlug sie eine Karriere als Journalistin ein, absolvierte zunächst ein Bachelor-Studium im Fach Journalismus in ihrem Heimatland Japan. Soweit zunächst nicht ungewöhnlich, doch einen Master-Abschluss erlangte sie dann in einem ganz anderen Bereich: Informatik.

Journalismus und Informatik – das liegt gar nicht so weit auseinander, wie man es auf den ersten Blick vermuten würde. Im Gegenteil; die Kombination ist für Keiko ein voller Erfolg. So arbeitet sie heute hauptberuflich als Dozentin für Informatik an einer japanischen Universität, realisiert nebenbei einige journalistische Projekte. Ihr Fachgebiet sind „Media Studies“, sagt sie.

Schon während des Master-Studiums stieg Keiko Tanaka dann als Übersetzerin bei der Internet-Organisation Global Voices ein. Ein Projekt, für das die vielsprachige Japanerin prädestiniert scheint. Der Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit überall auf der Welt ist schon immer eine Herzensangelegenheit für die Journalistin gewesen.

Global Voices ist ein internationales Netzwerk, das 2004 von Ethan Zuckerman und Rebecca MacKinnon gegründet und 2008 als gemeinnützige Stiftung in Amsterdam eingetragen wurde. Bei Global Voices arbeiten Blogger, Journalisten, Analytiker und Online-Medienexperte. Sie sammeln aktuelle Nachrichten, Geschichten aus Blogs, unabhängigen Medien und sozialen Netzwerken und übersetzen diese in 35 Sprachen.

Seit Mai 2015 betreibt Global Voices einen Audio-Webchannel. Dort wird ein acht Stunden-Programm aus Podcasts und freier Weltmusik angeboten. Bei Global Voices werden außerdem Themen wie Politik, Kunst, Technologie, Medien und weitere behandelt. Vor allem versucht Global Voices, den Meinungen von unterrepräsentierten Menschen, Aufmerksamkeit zu verschaffen. Für Global Voices darf jeder tätig werden, wenn er sich dafür berufen fühlt.

Von 2011 bis 2014 war Keiko Tanaka unter anderem als Übersetzerin sowie als Autorin von eigenen Geschichten für das Netzwerk Global Voices tätig. Mittlerweile engagiert sie sich für Advocacy/Advox, ein Projekt von Global Voices.

Man sollte Experte auf dem Gebiet lokaler Regelungen bzw. der Führung lokaler Authoritäten sein.

Das Surfen im Internet besteht laut Keiko aus zwei Schritten/Punkten: 1. Die Stimmen von „normalen“ Personen wiedergeben, anstatt eine generalisierte Meinung aus den japanischen Massenmedien eins zu eins ins Englische zu übersetzen. Obwohl sie die Möglichkeit hätte, einen solchen Newsartikel zu verfassen, hat sich Keiko bewusst dagegen entschieden, da es ihrer Meinung nach nicht viel Wert habe. Stattdessen wollte sie lieber ihren eigenen Content kreieren. 2. Außerdem verbrachte Keiko viel Zeit damit, Online-Richtlinien zu lesen, um immer die aktuellen und korrekten Fakten bringen zu können. Die Geschichte könne sich von Tag zu Tag aufgrund neuer rechtlicher Situationen und Gesetze ändern. Daher müsse man als Autor und Übersetzer stets versuchen, Experte/-in auf dem Gebiet der lokalen rechtlichen Lage zu sein.

Ich versuche immer, dass meine Stories einzigartige Geschichten im Netz sind.

Journalisten haben überall auf der Welt die gleiche Aufgabe. Sie arbeiten hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien. Wir haben für euch einen kurzen Vergleich zwischen dem Journalismus in Japan und dem in Deutschland zusammengestellt.

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Laut den Reportern ohne Grenzen (2016) üben die meisten japanischen Medien Selbstzensur aus und meiden Kritik an der Regierung. Das deckt sich mit der Schranke, welche durch den japanischen Presseclub gesetzt wird. Momentan steht Japan in der Rangliste der Pressefreiheit von 180 Plätzen auf Platz 72. Dagegen steht Deutschland auf Platz 16. Aufgrund dieser Zahlen zu behaupten, dass der deutsche Journalismus qualitativ besser als der japanische wäre, ist jedoch schlichtweg zu kurz gegriffen. Spannender ist die Tatsache, dass beide Länder den Wechsel in den Online-Journalismus verschlafen haben und nun das Problem der Finanzierung im Raum steht. Bis jetzt haben sich für beide Länder als Lösungen Paywalls oder ähnliche Formate ergeben. Besonders die fehlende Finanzierung scheint die Vielfalt im Journalismus einzuschränken.

Das versuchen Startups zu ändern. Sowohl in Japan als auch in Deutschland finanzieren sich die Startups hauptsächlich über Werbung.

Im internationalen Vergleich ist Japan einmalig. Als drittgrößter Zeitungsmarkt der Welt werden täglich Millionen Menschen erreicht. Doch wie kommt es, dass man in Japan einen derartigen Zugang zu einer so großen Leserschaft findet? Ist das japanische Publikum wirklich informationshungriger?

Schaut man genauer hin, fällt schnell auf, dass sich das Verhalten der japanischen Presse der japanischen Art an sich ähnelt: lieber vorwiegend loyal und unauffällig. So wird auch in der Berichterstattung eine ausgeprägte Neutralität deutlich. Die Inhalte verschiedener Medien unterscheiden sich kaum. Der Leser hat es also schwer, sich eine eigene Meinung aus vielfältigen Berichten und Kommentaren zu bilden.

„Generell habe ich nichts gegen etwas reißerische Headlines“, gibt Keiko zu. Trotzdem kam in der Journalistin der Wunsch nach klareren Richtlinien bezüglich journalistisch ethischer Standards auf.

Was Keiko an der Medienberichterstattung über Japan stört, sind Misinterpretationen und fehlerhafte Berichterstattung von ausländischen Journalisten.

Auch für Global Voices hätte sie sich mehr Transparenz, auch seitens des Managements, gewünscht. Ein weiteres Problem sei, dass die einzelnen Autoren untereinander nur online kommunizieren können. So bekomme man als Schreiber für das Netzwerk kaum Feedback zu den eigenen Stories. „Ich hätte es wichtig gefunden, einen digitalen Newsroom mit verschiedenen Editors zu haben“.

Ähnlich wie in Deutschland gestaltet es sich für traditionelle Medien schwierig, ihre Leserschaft dazu zu bringen, für Online-Inhalte zu bezahlen.

Trotz der neuen Entwicklungen in der Onlinewelt, die auch große Auswirkungen auf die traditionellen Medien haben, haben sie trotzdem den Vorteil einer festen Leserschaft, so Keiko.

Die Japanerin, die schon viele Jahre in ihrem Heimatland als Journalistin arbeitet, hat auch die Entwicklung dieser Branche miterlebt. Aus ihren Erfahrungen hat sie drei zentrale Tipps entwickelt, die jungen Nachwuchsjournalistinnen und Nachwuchsjournalisten, wo auch immer sie herkommen mögen, zum Erfolg in der Medien-Branche verhelfen sollen:

1. Eine Karriere als Datenjournalist.

Bisher gibt es nur wenige Journalisten, die ein Talent zum Schreiben UND gleichzeitig Informatikkenntnisse mitbringen. Dabei werden Technologien und deren Beherrschung in der heutigen Zeit immer wichtiger – und können auch dem Journalismus zu mehr Qualität verhelfen. Wer also Kreativität und Kenntnisse im analytischen Denken vereint, wird als Datenjournalist laut Keiko nie ein Loch im Geldbeutel verspüren müssen.

2. Freiberuflichkeit statt Festanstellung.

Mit diesem Thema werden die meisten angehenden Journalisten in ihrer Ausbildung immer wieder konfrontiert. Auch Keiko sagt, wer sich als freier Journalist selbstständig macht, hat einen großen Vorteil: Er oder sie kann nicht gekündigt werden, nicht aussortiert, nicht ersetzt. Keiko’s Tipp, damit es mit der Freiberuflichkeit klappt: Schaut euch die Strukturen eines Medien-Unternehmens, zum Beispiel eines Verlags oder einer TV-Produktionsfirma genau an. Wie läuft das Management eines solchen Unternehmens ab, wie funktioniert die Finanzierung? Dieses Wissen ist eine hervorragende Voraussetzung für euer eigenes Business!

3. Networking is the key.

Zu guter Letzt nennt die japanische Dozentin und Journalistin das Zauberwort für den Erfolg in ihrer Branche: das Networking. In Japan ist eine Karriere als Journalist kaum möglich, ohne einem der Presseclubs anzugehören. Aber auch hier in Europa ist ein großes soziales Netzwerk aus Kontakten, auch aus vielen „wichtigen“ Personen von einer höheren Position (zum Beispiel Polizisten) essentiell – insbesondere für Freiberufler. Denn ein Netzwerk kann einem so manche Tür öffnen, die normalerweise verschlossen bliebe.

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Quelle: eigene Darstellung
Quelle: Berliner Gazette Cc License 2.0, Google Maps, Pixabay CC0 Creative Commons: (bellergy, Coverr-Free-Footage, jLasWilson, MasashiWakui, masbebet, rawpixel), Eigene Darstellungen mit soundcloud und pictochart.
Ein Beitrag von Lisa Eimermacher, Nicole Schweitzer, Karthiga ManivannanLeonie Herzfeldt und Natali Dilmann
Dieses Projekt ist als Gruppenarbeit im Rahmen des Kurses International Journalism entstanden.
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