Studentenfutter oder Studierendenfutter?

– Die Genderfrage an deutschen Hochschulen –

Liebe Leser,

liebe Leserin und lieber Leser,

liebe/r Leser/in,

liebe Lesende,

„Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Oder nach einem Massaker an einer Universität: Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden. Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.“ schrieb Max Goldt 2002 in seinem Buch „Wenn man einen weißen Anzug anhat“.

Auch wenn wir Studenten gerne ein-zwei Bierchen trinken und während der Klausurenphase, oder während der Kursanmeldung via Moodle durchaus auch mal das Gefühl haben gerade zu sterben, nennen uns die Dozenten „Studierende“. Max Goldt zufolge, schließt sich das aber gegenseitig aus. Ist das wirklich so?

Bastian Sick, der durch seine Buchreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ bekannt wurde, schrieb dazu 2004 in seinem Buch „Liebe Gläubiginnen und Gläubige“: „Nicht jeder, der sein Brot in Forschung und Lehre verdient, hält es durch, ständig von ‚Studentinnen und Studenten’, von ‚Doktorandinnen und Doktoranden’, von ‚Assistentinnen und Assistenten’ zu sprechen. So machte man sich auf die Suche nach Pluralwörtern, die bereits beide Formen enthalten — und wurde auch fündig: Kurzerhand machte man aus ‚Studentinnen und Studenten’ die ‚Studierenden’. Das war deutlich kürzer und trotzdem noch politisch korrekt. Leider allerdings ein grammatikalischer Missgriff: ‚Studierend’ ist nur, wer im Moment auch wirklich studiert, so wie der Lesende gerade liest und der Arbeitende arbeitet. Ein Leser kann auch mal fernsehen, und ein Arbeiter Pause machen. Der Lesende aber ist kein Lesender mehr, wenn er das Buch aus der Hand legt, und so ist auch der Studierende kein Studierender mehr, wenn er zum Beispiel auf die Straße geht, um gegen Sparmaßnahmen zu demonstrieren.“

Den Vogel schoss im letzten Jahr die Universität Leipzig ab. In einer Pressemitteilung im Juni 2013 hieß es „Der erweiterte Senat der Universität Leipzig hat beschlossen, in der Grundordnung – und nur in diesem Dokument – statt der üblichen, meist männlichen Form, in der sich die weibliche Schreibweise mit einer Fußnote begnügen muss – umgekehrt vorzugehen. Die entsprechende Fußnote lautet: ‚In dieser Ordnung gelten grammatisch feminine Personenbezeichnungen gleichermaßen für Personen männlichen und weiblichen Geschlechts. Männer können die Amts- und Funktionsbezeichnungen dieser Ordnung in grammatisch maskuliner Form führen.’“ Die Anrede „Herr Professorin“ ging durch die Presse.

Wie Sie bereits oben erkennen konnten, verwende ich nicht den Begriff „Studierende“, sondern rede von „Studenten“. Auch schreibe ich nicht „Studentinnen und Studenten“ oder noch besser „StudentInnen“. Warum tue ich das?

Also zum Einen bin ich eine Frau. Ich gehöre also zu der Gruppe, die sich offenbar so unglaublich diskriminiert fühlt, wenn man sie mit der männlichen Form anspricht. Mit genau den männlichen Formen von Wörtern, die in unserem Sprachgebrauch vollkommen normal auch als Mehrzahl für Männer und Frauen verwendet werden. Diskriminiere ich mich also selbst, wenn ich von mir und meinen Kommilitonen als „Studenten“ spreche?

Jahrzehntelang kämpften Frauen für Gleichberechtigung. Jahrzehntelang wurden Frauen unterdrückt. Jahrzehntelang demonstrierten Frauen auf den Straßen. Und wofür? Dafür dass unsere heutige Generation das große Glück hat tatsächlich weitestgehend gleichberechtigt leben zu dürfen. Wir haben die gleichen Rechte und Pflichten. Frauen dürfen zur Bundeswehr, Männer werden Erzieher oder Krankenpfleger. Das ist auch gut so. Aber warum stellt sich dann bei den Feministinnen nicht auch irgendwann einmal Zufriedenheit ein? Sie haben etwas erreicht, etwas Großartiges. Wenn man oben angekommen ist, geht es irgendwann wieder bergab. Die hohe Kunst ist es am höchsten Punkt aufzuhören.

Zum Anderen glaube ich, dass wir in Deutschland durchaus größere Sorgen haben, als solchen Feministinnen Genugtuung zu verschaffen. Ich warte nur darauf, dass sie die Umbenennung vom „Studentenfutter“ fordern. Es müsste dann jawohl „StudentInnenfutter“ heißen, oder doch besser „Studierendenfutter“.

Von Jessica Preuss

[ssba]