Sprachkursanbieter scherzt mit Antisemitismus

My lovely mister singing club! Das muss man sich erstmal trauen. Oder besser nicht. Ein österreichischer Sprachkursanbieter hat es trotzdem getan und witzelte im Sommer diesen Jahres mit sogenannten „False Friends“, also falschen Übersetzungen vom Deutschen ins Englische. Klingt jetzt alles nicht so schlimm. Doch dann tauchte ein Werbebanner im Internet auf, dass einen jüdisch aussehenden Mann zeigt, neben dem in großen Buchstaben „Enjoy life in full trains“, also „Das Leben in vollen Zügen genießen“ steht.

Ein bärtiger Mann mit Hut, Sakko, runder Brille und langer Hakennase- der Stereotyp eines Juden, der in vielen Karikaturen genauso abgebildet ist. Planlos scheint er an einem Bahnhof zu stehen und nicht so wirklich zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Doch für die österreichische Sprachschule kein Problem, denn er kann das Leben ja in vollen Zügen genießen.

Nothing for ungood, aber die Anspielung auf die Judentransporte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ist wohl unverkennbar, der Witz einfach nur ekelerregend. Seit Jahren schon nutzen Neonazis diese Phrase, um sich darüber lustig zu machen, wie jüdische Mitbürger damals in überfüllten Viehwaggons deportiert wurden.

Das Unternehmen war sich dennoch keiner Schuld bewusst, die Kampagne wurde schließlich von einer jungen Werbeagentur entwickelt. Außerdem spiele der Schriftzug nicht auf den Nationalsozialismus an und im Plakat sei eher der typisch österreichische Landsmann, als ein jüdischer Mitbürger abgebildet. So becomes a shoe out of it!

Alles war also nur ein ganz großes Missverständnis, ist klar. „Don’t try to bind me a bear on“ wäre darauf die passende Antwort. Mittlerweile ist das Werbebanner von der Homepage und den Social-Media-Kanälen des Sprachkursanbieters verschwunden. Seltsam, wo es doch nur den typischen Österreicher zeigen sollte und so gar nichts mit Antisemitismus zu tun hatte.

Von Anna Bremer

[ssba]