„Sport hat eine große integrative Kraft“

Wie funktioniert die Integration von Flüchtlingskindern am besten? Natürlich über Sport. Das meinen zumindest Dominik Feer (24) und Omar Fahmy (25). Die Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim haben das Projekt „FuNah“ ins Leben gerufen. Der Name ist ein Mix aus Fußball und Nachhilfe. Im Interview sprechen sie über das Konzept, die Erlebnisse der Kinder und die Rolle des Sports.

Das Konzept Ihres Projekts ist schnell auf den Punkt gebracht: Erst Fußball spielen, dann zusammen lernen. Welche Rolle spielt der Sport bei der Integration von Flüchtlingskindern?

Omar Fahmy: Eine ganz große. Sport hat eine große integrative Kraft, wenn er richtig angeleitet wird. Durch Motivation, Ansporn und Erfolgserlebnisse kann man sehr viel für die Persönlichkeitsentwicklung machen. Das kann Glücksgefühle auslösen, ein größeres Selbstbewusstsein. Und das nehmen die Kinder mit ins Schulleben.

Sie selbst haben Wurzeln in Ägypten und dem Libanon. Können Sie sich dadurch besser in die Lage der Flüchtlingskinder hineinversetzen?

Omar Fahmy: Ich mutmaße mir nicht an, das zu beurteilen. Andere Lehrkräfte, die in Deutschland geboren sind, könnten das genauso. Ich habe den Vorteil, dass ich arabisch spreche und besser Kontakt mit den Kindern aufnehmen kann. Aber das, was die Kids auf der Flucht durchgemacht haben, das haben wir nicht erlebt. Trotzdem versuchen wir, viel Empathie zu zeigen.

 

Was erzählen die Kinder aus ihrer Heimat und von der Flucht?

Dominik Feer: Wir gehen nicht auf die Kinder zu und fragen, was sie erlebt haben. Aber wenn sie mit uns reden möchten, dann schicken wir sie natürlich nicht weg. Wir hören von Geschichten, die unter die Haut gehen. Ein Kind wollte zu seiner Mutter in ein anderes Land fahren. Das hat aber nicht geklappt, weil niemand wusste, wo die Mutter ist.

„Wenn wir die Kids in der Uni treffen, rufen Sie ‚FuNah‘ über den Flur.“

 

Stehen Sie persönlich in Kontakt mit den Geflüchteten?

Dominik Feer: Na klar, darum geht es ja auch. Nicht nur persönlich, wir haben auch eine WhatsApp-Gruppe mit den Kindern gegründet. Bei den Kids sind viele Flüchtlinge dabei. Da geht es vor allem um Akzeptanz und Sprachförderung.

 

Wie reagieren die Flüchtlingskinder auf das Projekt?

Omar Fahmy: Sehr gut. Wir versuchen, eine hohe Identifikation zu schaffen, zum Beispiel durch gemeinsame Trainingsklamotten. Damit schaffen wir es, die Kinder ans Projekt zu binden. Wir sehen, dass sie bereit sind, sich zu entwickeln. Und wenn wir sie in der Uni treffen, rufen sie schon laut „FuNah“ über den Flur. Die Kids fragen, ob wir das Projekt nicht jeden Tag anbieten können. Das zeigt uns, dass es ihnen viel Spaß macht. Sogar in den Ferien.

Warum ist es für Sie einfacher als für Lehrer, die Flüchtlingskinder zu erreichen?

Dominik Feer: Wir sind externe Menschen, die an die Schule kommen. Wir geben keine Noten, erzeugen dadurch auch keinen Druck. Das bietet eine gute Gelegenheit, die Kinder auf einer anderen Ebene kennenzulernen. Dann kommt die persönliche Bindung hinzu. Dadurch erkennen wir Stärken und Schwächen besser. Und schließlich der soziale Bereich. Wenn wir sagen „Hey, pass auf, das lief jetzt aber nicht gut“, nehmen sich die Kinder das zu Herzen.

Was nehmen Sie persönlich aus dem Projekt mit?

Omar Fahmy: Fachlich nehmen wir viel mit, was die Sprachförderung angeht. Für unsere Laufbahn als Lehrer ist es sehr wichtig, im zwischenmenschlichen Bereich sensibel zu handeln. Auch das Organisatorische hilft uns weiter. Wie geht man mit rechtlichen Dingen um? Wie plant man Fahrten? Davon werden wir im Beruf profitieren. Wir versuchen eher, individuell auf die Kinder zuzugehen. Das Projekt ist eine große Bereicherung für uns.

Interview: Moritz Muschik

Foto: Sonja Höfter

[ssba]