Sorgt Windkraft für dicke Luft?

Fünf Windräder sollen bald das Ortsbild des mittelhessischen Lohras schmücken. Udo Stein ist einer von bisher drei Grundstückseigentümern, die ihr Waldstück zur Verfügung stellen. Wie er dazu gekommen ist und was er von der Anwohnerkritik hält, erzählt er im Interview mit Interact.

Sie verpachten ein Waldstück an einen Windradbetreiber. Wie kam es dazu?

Ich habe Post von einem Windenergie-Unternehmen bekommen, dass mein Grundstück in das Gebiet des geplanten Parks hineinfällt. Ein paar Tage später kam jemand von der Firma, hat sich vorgestellt und mir den Vertrag zukommen lassen. Den habe ich von einem befreundeten Rechtsanwalt prüfen lassen. Ich habe eine Infoveranstaltung für alle Verpächter vorgeschlagen, die es dann auch gegeben hat. Da waren alle Grundstückseigentümer und haben sich das angehört.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Betreiber und Verpächtern?

Die funktioniert so, dass sich beide an den Vertrag halten müssen. Der Betreiber verpflichtet sich, nach der Ablaufzeit von 20 Jahren alles wieder zurückzubauen.

Besteht auch die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung?

Ja. Wenn das Windrad dann noch dem Zeitgeist entspricht, kann der Vertrag in Fünf-Jahres-Schritten verlängert werden.

Wie rentabel ist die Zusammenarbeit für den Verpächter?

Wenn das Windrad komplett auf einem Grundstück steht, erhält der Verpächter fünf Prozent von der erzeugten Energie. Das sind bei Vollauslastung 22.000 Euro pro Jahr. Wenn nur das Fundament auf seinem Grundstück steht, bekommt er 30% von den fünf Prozent. Für einen halben Flügelschlag kriegt er von den verbleibenden 70% noch mal die Hälfte, also insgesamt 65%. So würde das bei mir sein, da ein halber Flügelschlag über meinem und ein halber über dem benachbarten Grundstück verläuft.

Die Betreiber der Windparks aus den Nachbargemeinden haben starke Probleme mit der Anwohnerkritik. Schätzen Sie die Reaktionen in Lohra ähnlich ein?

Ich denke, dass viele dagegen sind, weil sie sich ihren Ausblick nicht verschandeln lassen wollen oder keinen Profit daraus schlagen können. Ich kann es aber nicht sagen, weil es in Lohra noch nicht an die Öffentlichkeit gekommen ist.

Wie ist Ihre Meinung zu erneuerbaren Energien?

Positiv, weil wir nicht auf Dauer von Atomkraftwerken oder Kohlekraftwerken leben können. Irgendwo müssen auch die Windräder hin. Wenn sie nicht gerade 1,50 Meter vor der Haustür stehen, kann ich damit leben.

Haben Sie diese Meinung schon länger oder erst seitdem Sie damit in Verbindung gekommen sind?

Nein. Das habe ich schon immer gesagt: Alle schreien nach grünem Strom und keiner will ihn produzieren. Irgendwann müssen wir uns mal ändern.

Von Johanna Stein

Foto: Milena Schwoge

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