Single no more

Alle Jahre wieder – sitzt man als einziger Single bei der Weihnachtsfeier der Familie. Doch das muss nicht sein. Wir haben Beziehungscoach Olaf Schwantes gefragt, warum jemand eigentlich ungewollter Single ist und vor allem, was man dagegen tun kann.

Die Weihnachtszeit ist ja bekanntlich die schönste Zeit des Jahres. Ob das auch für Singles gilt, ist allerdings fraglich. Egal, ob auf dem städtischen Weihnachtsmarkt, beim Einkaufsbummel oder in den sozialen Netzwerken: Überall springen einem verliebten Pärchen wie Reklameschilder entgegen. Auch das sonntägliche Faulenzen kommt dem Single-Menschen in dieser Jahreszeit nur noch deprimierend vor. Wäre es doch so viel schöner, hätte man jemanden an seiner Seite liegen.

Auch, wenn statistisch gesehen jeder zweite Haushalt eine Single-Wohnung ist, kommt man sich gerade während der Feiertage vor wie der letzte Junggeselle auf Erden. Vor allem, wenn Oma ihre alljährliche Frage stellt, ob man nicht langsam über eine Familie nachdenken möchte. Als wäre das Single-Sein immer eine freie Entscheidung.

„Du musst da auch mal Kompromisse eingehen!“ – Muss ich?

Doch teilweise ist es im entferntesten Sinne tatsächlich unsere Entscheidung. Denn wird immer der gleiche Typ Mensch begehrt, mit dem es einfach nicht funktionieren will, ist es durchaus sinnvoll, sich einmal Gedanken über sein Beuteschema zu machen.

So schlägt Beziehungscoach und Therapeut Olaf Schwantes vor, eine Liste niederzuschreiben, auf der man festhält wie eine Beziehung aussehen oder was ein Partner mitbringen soll, was einem persönlich wichtig ist und worauf man auf keinen Fall verzichten will.

Mit einem neuen Partner sollte man sich später zusammensetzen und die gemeinsamen Ziele durchgehen. „Hier sieht man, ob man zu viele Kompromisse eingeht oder ob man möglicherweise was Anderes, Besseres dafür bekommt“, so Schwantes. Gingen die Kompromisse allerdings an die eigene Substanz, sei es Zeit einen Schlussstrich zu ziehen, denn so habe die Beziehung auf Dauer keine Stabilität, sagt der Beziehungscoach weiter.

Love me, Tinder!

Auch von Dating-Apps wie „Lovoo“ oder „Tinder“ sollte man nach Meinung des Experten lieber die Finger lassen. Zwar ist die Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht wesentlich leichter und auch eine Abfuhr tut weniger weh, aber für die Suche nach einer ernsthaften Beziehung oder gar dem Traummann beziehungsweise der Traumfrau sei die App laut Schwantes in den meisten Fällen nicht geeignet.

Rezept gegen das Single-Dasein

Doch nur weil man notorischer Dauersingle ist, gibt es keinen Grund, gleich die Tür des nächstbesten Therapeuten einzurennen und ihm sein Innerstes offen zu legen. Denn sobald man sich ein wenig Zeit nimmt und sich mit sich selbst, seinen Erwartungen, Wünschen und Zielen auseinandersetzt, fällt es einem nach und nach wie Schuppen von den Augen, was man ändern muss, um endlich nicht mehr allein zu sein.

Der wichtigste Tipp, den Olaf Schwantes für alle Suchenden hat, ist in jedem Falle, auf sein Herz zu hören und sich bewusst zu sein was man will.

Mit diesen kleinen Ratgeber und einem Quäntchen Glück ist die gemütliche Weihnachtszeit zu zweit vielleicht gar nicht mehr fern.

Von Madeleine Buck

Foto: Lara Sagen

[ssba]