Schon wieder die Briten: Was ist Englands Energieform der Zukunft?

Am 15. September 2016 genehmigte die britische Regierung den Bau des Atommeilers Hinkley C in Somerset, im Süden Englands. Er soll 2025 ans Netz gehen und ist mit 25 Milliarden Euro Baukosten eines der teuersten Kraftwerke der Welt.

Diese Kosten werden wahrscheinlich die Firmen Électricité de France (EDF) und China General Nuclear Power Group (CGN) tragen. EDF ist eine überwiegend staatliche Firma und CGN gehört komplett dem chinesischen Staat.

Um einen Abnahmepreises über 35 Jahre zu garantieren, subventioniert England den Bau mit insgesamt ca. 108 Milliarden Euro. Denn die britische Regierung plant, bis 2025 alle Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen. Dafür muss sie sich zwangsweise neue Energieproduzenten suchen. Die entstehende Lücke soll mit dem Bau neuer Atomkraftwerke und Gasanlagen gefüllt werden.

Atomkraftwerke besitzen Bedeutung, weil sie kontinuierlich Strom liefern können. Sie sind keinen natürlichen Schwankungen, wie bei Solar- und Windenergie, ausgeliefert. Aus dem Grund lehnt die Regierung jene regenerativen Energien für die Wende ab. Atomkraft ist allerdings nicht die einzige Energieform, die jenen Schwankungen nicht unterliegt. Auch Wasserenergie kann kontinuierlich Strom liefern.

Gezeitenkraftwerke machen sich die Meeresströmungen und Gezeiten innerhalb des Meeres zu Nutze. Sie sehen aus wie umgedrehte Windanlagen unter Wasser. Die Turbinen werden von den Meeresströmungen oder den Wasserbewegungen durch Gezeiten angetrieben. Ebbe und Flut stellen feste, vorhersehbare Größen dar. Der Energiegewinn kann deswegen im Voraus berechnet werden.

Die Kraftwerke können jedoch nicht überall gebaut werden. Die Fließkraft des Wassers durch Gezeiten muss einen hohen Druck erzeugen. Außerdem ist der Bau im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien teuer. Ohne Subventionen könnte diese Energieform wirtschaftlich nicht realisiert werden. Die Baukosten werden jedoch durch eine lange Laufzeit, geringe Kosten bei Wartungsarbeiten der Anlagen und die Reduzierung der CO2-Emmissionen wettgemacht. Anfangs werden die Stromentstehungskosten auf 30 Cent pro kWh geschätzt.  In großen Parks reduzieren sich diese Kosten auf unter zehn Cent pro kWh. Damit ist die Energieform konkurrenzfähig und erzielt ähnliche Strompreise wie off-shore Windanlagen.

Das erste Gezeitenkraftwerk wurde 1967 in Frankreich gebaut. Über die Zeit wurden die Baukosten niedriger und die negativen Auswirkungen auf Flora, Fauna und Mensch eingegrenzt. Einzelne Gezeitenkraftwerke zeigen „nahezu keine negativen Umwelteinflüsse“, laut Dr.-Ing. Albert Ruprecht, zuständig für das Institut für Strömungsmechanik und Hydraulische Strömungsmaschinen an der Universität Stuttgart.

Auch Greenpeace verkündet, dass Wasserkraft im Allgemeinen einen wichtigen Beitrag zur Energiewende beitrage. Besonders die Küste Englands bietet sich für den Bau von Gezeitenkraftwerken an, denn dort herrschen starke Strömungen. Gegenwärtig subventioniert die EU zwei Gezeitenkraftwerke in England mit 40 Millionen Euro. England könnte seine Energiewende aus ökologischer und ökonomischer Perspektive deswegen besser mit Gezeitenkraftwerken gestalten.

Von Chiara Thies

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