Rassismus, Sexismus und Stereotype für 6-Jährige

Fördern Kinderbücher und -Hörspiele die Bildung von Stereotypen in den Köpfen deutscher Kinder? Oder ist das alles nur Panikmache politisch viel zu korrekter Helikopter-Muttis?

Vor nicht allzu langer Zeit stieß ich auf der Website der Huffington Post auf einen Artikel von Sohra Behmanesh (Sie bezeichnet sich selbst als Bloggerin, Mama, Veganerin) mit dem Titel „Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderbüchern: Warum ich meinem Kind nichts vorlese“.

Was für mich im ersten Augenblick nach purer Übertreibung und unnötiger Anklage klingt (man kennt das ja von so manchen Tiger-Mamas), konnte ich dann in Sohras Bericht sogar teilweise nachvollziehen.

Zu Beginn muss man natürlich sagen: Sohra ließt ihren Kindern natürlich doch vor. Allerdings schaut sie sich den Inhalt vorher genau an. Die von ihr aufgeführten negativen Beispiele sind allesamt Klassiker der Kinderliteratur, die wohl jeder von uns mal vorgelesen bekommen hat. Da ist zum Beispiel „Mehr von uns Kindern aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. In einem Ausschnitt sagt Lasse ganz nebenbei über seinen Hund: „Obgleich Swipp fast so klug ist wie ein Mensch und viel klüger als ein Mädchen“.

Solch offensichtlich diskriminierenden Aussagen überraschten mich doch sehr. Und ich finde den Gedanken interessant, dass solche anscheinend nebensächlichen Äußerungen vielleicht von Kindern falsch aufgefasst werden könnten oder sich m Unterbewusstsein verankern. Auch wenn die Autorin damit vielleicht nur sagen wollte, dass Lasse Mädchen für doof hält, nicht dass sie es auch wirklich sind.

Also begann ich mich in das Thema einzulesen. Passend dazu fand ich Untersuchungen der Universität Kassel, welche die Hörspiele von Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und Pippi Langstrumpf auf Stereotype untersucht haben. Dabei analysierte man: Bibi Blocksberg ist verdammt spießig, TKKG enthält oft rassistische Vorurteile (Die Verbrecher haben relativ häufig einen ausländischen Akzent)  und Benjamin Blümchen hat Eigenschaften eines klassischen Wutbürgers.

Begründet wird das damit, dass Bibi Blocksberg und ihre Mutter, obwohl sie als Hexen eine starke Persönlichkeit haben könnten, die klassischen Frauenrollen erfüllen. Der Vater ist der Chef im Haus. Im Kontrast dazu stände (wer auch sonst) Pippi Langstrumpf, die sich gerne widersetzt und ihren Kopf durchsetzt. Und sich nicht dem anpasst, was andere (Zum Beispiel die Nachbarsfamilie) von ihr erwarten. Pippi wird allerdings eher als Ausnahme genannt.

Fast schon amüsant klingt der Vergleich Benjamin Blümchens mit dem Wutbürger. Doch der hat Hand und Fuß: Benjamin organisiert Sitzstreiks, damit Straßen nicht gebaut werden oder der Baum nicht gefällt wird. Er organisiert Demonstrationen mit den Waldbewohnern. Hier wird ein kritisches Bild gegenüber der Politik vermittelt.

Natürlich haben die Stereotype, die in diesen Kindergeschichten vermittelt werden, auch etwas damit zu tun, von wem und vor allem wann die Geschichte geschrieben wurde.

Dennoch ist der Gedanke interessant, dass Kinder beim Konsum solcher Klassiker sich vielleicht so stark beeinflussen lassen, dass sie die Stereotype ihrer Helden als die einzig richtigen Aussagen auffassen. Und dies kann auch ihre spätere Entwicklung und vielleicht ihr politisches Meinung oder die Haushaltsführung beeinflussen. Vielleichtgeht ein Mädchen, dass nur mit Pippi Langstrumpf aufgewachsen ist, offener durchs Leben und ergreift einen typischen „Männerberuf“. Vielleicht bekommt das Bibi Blocksberg Mädchen die klassischen zwei Kinder und wird Hausfrau.

Vielleicht aber auch nicht.

Der Link zu besagtem Artikel

Nina Räbiger

[ssba]