Persönlicher Marktwert

Die Objektivierung des Menschen. Besonders in den letzten 20 Jahren hat der Trend, Menschen mit wirtschaftlichen Attributen zu klassifizieren, zugenommen. Das zentrale Schlüsselwort in diesem Themenfeld lautet „Persönlicher Marktwert“. Also eine Art „Kosten-Nutzen-Analyse“ an dessen Ende der individuelle Wert eines Menschen für ein bestimmtes Gebiet steht. Klassische Objektivierung eben.

Grüße aus dem Unterbewusstsein

Personalmanager haben ganze Bögen mit Kriterien für Bewerber und Angestellte, um ihren Wert für die Firma zu bestimmen und sie auf ihre Qualität zu prüfen. Es gleicht dem Schubladenprinzip, welches jeder Mensch unterbewusst nutzt. Diese Schubladen sind psychologische Instrumente, um seinen Gegenüber aufgrund seiner Äußerungen oder seines Verhaltens vorerst einordnen zu können. Somit soll ein schnellerer Zugriff auf eventuelle Gesprächsthemen oder Reaktionserwartungen gewährleistet werden. Dabei ist diese Art von Verhalten älter als die offizielle Personalstrategie. Die Menschen neigen also schon von allein zu berechnendem Verhalten und vermeintlich objektiver Bobachtung mit anschließender Zuordnung.

Psychologie vs. Unternehmensstrategie

Was war nun offiziell zuerst da? Der Begriff psychologischer Sortierung oder die Klassifizierungsstrategie cleverer Personalmanager? Die Problematik, ganz nach Vorbild der Huhn-Ei-Kontroverse, ist in klares Thema für sich. Interessant wird es an dem Punkt, der die Menschen sich fragen lässt: „Reicht mir der oberflächliche Eindruck für eine vertretbare Entscheidung über meinen Gegenüber?“. Wo im Feld der Wirtschaft und des Arbeitnehmerverhältnisses noch ein gewisser formaler Ansatz der Daten herrscht, kann nicht getrost mit NEIN geantwortet werden. Konventionen sind, egal ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich, einfach entstanden und Betriebe haben heutzutage nicht mehr unendlich Zeit, sich mit jedem Bewerber ellenlang auseinanderzusetzen.

„Social Selection“ im Alltag

Und wie sieht es auf der Seite von persönlichen Kontakten aus?
In der „Generation Smartphone“ wird täglich getextet ohne Ende. Menschen, die sich in manchen Fällen niemals persönlich begegnen werden, tauschen intimste Informationen, Bilder und Videos aus. Kommt dann doch einmal ein Treffen zustande, ist jeder Part schnell überfordert. Dinge, wie Augenkontakt, Stimmlage und Körpersprache sind ganz neue Erfahrungen – zu viel für den notorischen Texter. Die gesamten Schubladen werden einmal herausgezogen und ausgekippt. Das erneute Sortieren kann dabei dann positiv oder negativ für den weiteren Kontakt ausfallen.
Wo und wie sich ein jeder positionieren will, um seinen eigenen Marktwert zu definieren, ist diversen Faktoren geschuldet. Zentrales Argument bleibt aber wie so oft der Charakter einer Person. Überzeugen ohne sich zu verstellen – das scheint das optimale Ergebnis. Die wenigsten bekommen es hin, egal ob im Job oder sozialen Gefüge. Oberste Regel für beide Bereiche lautet daher: System verstehen heißt System kontrollieren.

Von Dennis Schmitt

 

[ssba]