NOFX And Friends Festival auf der Faust Wiese 

Wenn die Band NOFX Hannover einen Besuch abstattet und ihre kalifornischen Bandkollegen von Pennywise und Good Riddance im Schlepptau hat, sind Pogotanz und Heiserkeit garantiert. Die Veranstaltung von NOFX und Freunden war das bislang erste Festival auf der Wiese hinter dem legendären Faust-Gelände und innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft. 

Ein korpulenter Mann mit knallorangem Mohawk und Tattoos auf den Armen betritt die Bühne. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit einem Aufdruck des klassischen Jesus-Portaits und dem Schriftzug „Pick Your King“, dazu schwarze Lederarmstulpen, ein Umhängeschloss an einer großen, silbernen Kette um den Hals, Boots und einen knielangen schwarzen Lederrock.

Rotzfrech wie immer begrüßt er die Hannoversche Punkgemeinde, die an diesem lauen Sommerabend die Faust-Wiese in Grund und Boden stampfen wird. Das Bier fließt unermüdlich die durstigen Kehlen hinab, bis der letzte Zapfhahn keinen einzigen Tropfen mehr ausspuckt.

Obwohl er laut eigenen Angaben seit ungefähr einem Monat auf Drogen verzichtet, dreht Fat Mike immer noch heftig auf. Gitarrist Eric Melvin schwingt seine schwarz-blaue Dreadmähne voller Anmut und springt noch genauso hoch wie in den 90ern. Drummer Smelly hält sich wie immer dezent im Hintergrund, sorgt zum Ausgleich dennoch für scheppernde Beats. Das Multi-Talent El Hefe spielt nicht nur in NOFX E-Gitarre, Trompete und singt (manchmal sogar auf Spanisch), sondern ist auch noch Sidestage bei den Vorbands Good Riddance und Pennywise dabei zu sehen wie er leidenschaftlich Luftgitarre spielt.

Daran könnten sich so manche Jugendliche mal eine Scheibe abschneiden. Nicht jede Note muss sauber gespielt werden, um den richtigen Ton zu treffen. Schlechte Manieren, schmutzige Witze, umso schmutzigere Stiefel und melodische Schroffheit geben den Ton an.

Zum Abschied holt Melvin noch das alte Schifferklavier raus und spielt den „Theme From A NOFX Album“, was gar kein Ende zu nehmen scheint. Nachdem man ihn von der Bühne schiebt, kehrt er jedes Mal noch enthusiastischer zurück und spielt einfach weiter auf seiner Quetschkommode. Die Comedynummer ist perfekt.

Dass es zwischendurch regnet, juckt niemanden. Schließlich ist man ja nicht aus Zucker und so eine Dusche ist im Sommer auch mal ganz erfrischend.

Neben Klassikern wie „Don’t Call Me White“, „Murder The Government“ und „Franco Un-American“ spielen sie auch vergleichsweise neuere Songs wie „I Believe In Goddess“. Das Lied „Idiots Are Taking Over“ ist bei der derzeitigen politischen Lage immer noch aktuell, erinnert Fat Mike und erwähnt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Außerdem kommt das Publikum auf den Geschmack des neuesten Songs „Six Years On Dope“, in dem es um die jahrelangen Drogenprobleme der Bandmitglieder geht.

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Good Riddance machen den Anfang. Sänger Russ Rankin trägt ein T-Shirt mit spanischer Aufschrift, der für Tierschutz appeliert („Los animales no son nuestros para usar…“) und singt voller Gefühl und Inbrunst. Gitarrist Luke Pabich und Bassist Chuck Platt übernehmen die Backing Vocals. Mit ihrem melodischen Hardcore passen sie perfekt in das Line-Up. Sie haben sichtlich Spaß.

Bei Pennywises Klassikern wie „Bro Hymn“ und „Fuck Authority“ kann so gut wie jeder mitsingen. Jim Lindberg fragt mich, ob er sich mal kurz meine Kamera ausleihen kann, um das Publikum zu fotografieren – definitiv ein Highlight und die Tatsache, dass das Foto etwas unscharf ist, verschärft nur den Charme der Momentaufnahme.

Am Ende wird Gitarrist Fletcher Dragge ernst und gibt den Besuchern folgende Worte mit auf den Weg: „You only get one shot in this life, people. You could be gone in five fucking minutes. So you better live your life that way.“ Recht hat er und wie im Flug vergeht auch der Abend. Wie es sich gehört, verabschiedet sich das Publikum von Pennywise mit einem Gröhl-Chor, der sich bei dem Song „Bro Hymn“ ja auch anbietet.

Für Ralf aus dem Publikum ist ein Kindheitstraum wahr geworden, doch wie wohl fast alle hätte auch er sich früheren Einlass gewünscht.

Von den Festivalbesuchern ernten die Veranstalter des Mini-Punkrock-Festivals im Nachhinein deftige Kritik: aufgrund des unorganisierter Einlasses verpassten Viele die Vorband Good Riddance, manche sogar Pennywise. Zugegeben, es gab deutlich zu wenig Kontrolleure, was den Einlass hinausgezögert hat. Zu wenig Bier gab es für die durstigen Punker auch. Für all das folgt eine ausführliche Facebook-Entschuldigung der Veranstalter.

Von der Power der Mitt-Vierziger Punkrocker kann ich an einem Montag nur träumen.

Sowas kann man ruhig mal öfter machen.

 Punkrockfreunde können sich auf neues Material freuen: Am 7. Oktober wird NOFX’s neues Album „First Ditch Effort“ auf Fat Wreck Chords erscheinen. 

Von Lisa Eimermacher

[ssba]