Nerd-Trend, my ass! 

Okay, fassen wir mal zusammen: Ich spiele Videospiele, unterhalte mich am liebsten in Memes, mein Haustier ist ein Kater und mein Lieblingsgetränk ist eisgekühltes Bier. Vertraut man den Ansichten, die so fleißig im Internet verbreitet werden („Wenn deine Frau zockt, heirate sie“, „Frauen, die Bier trinken, sind sexy“ und Ähnliches), müsste ich eigentlich die Königin der Männerwelt sein, richtig? Hahahahahahahahahaha. Nein. 

Denn dummerweise bin ich immer noch seltsam. Ich bin kein „Sexy-Kumpel-komm-wir-stehlen-Pferde-weil-ich-so-ein-cooles-sexy-Gamer-Mädchen-bin“-Typ. Wenn ich einen Witz mache, gucken Leute, die mich nicht gut kennen, nur betreten auf den Boden oder wechseln das Thema. Die meiste Zeit versteht niemand, was ich sage. Ich habe zwar ein Fernsehstar-Look-a-like, aber leider ist es nur das Michelin-Männchen. Also bitte!

Als ich mich in einem Videospiel, ohne die Unterstützung meines Freundes, gut gemacht habe, bekam er schlechte Laune. Von Bier muss ich rülpsen – dass das sexy ist, kann mir keiner erzählen.

Obwohl Serien wie „The Big Band Theory“ das Seltsamsein offenbar zu einem Trend gemacht haben, hat sich für mich eigentlich gar nichts geändert. Ich bin immer noch seltsam, ich bin immer noch nicht heiß und ich bin immer noch kein Männermagnet. Und das, obwohl ich Tauriel in „Der Hobbit“ überflüssig fand. Obwohl ich Star Wars Anspielungen mache, obwohl ich mich auf „Borderlands 3“ freue und obwohl meine Lieblingsdekoration eine Wackelkopf-Figur aus „The Walking Dead“ ist.

Nur weil einige Mädels sich plötzlich durch angebliche „Nerd-Hobbies“ profilieren müssen oder Selfies machen, auf denen sie an einem Controller lutschen, heißt das nicht, dass Leute wie ich plötzlich aufatmen können. Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten: Nerd-Trend, my ass!

Von Leonie Gebhard

Foto: Ellen Hartmann

[ssba]