Nackt kämpft es sich besser?

Sexismus in der Videospielbranche:

Ob es der weibliche Spielcharakter mit deutlich zu wenig Rüstung am Körper, die Kellnerin auf einem Gaming-Event mit erotischen Outfits oder die fast ausschließlich an Männer gerichtete Werbung ist – schnell wird deutlich, dass Sexismus in der Videospielbranche nicht mehr von der Hand zu weisen ist.

Zwar hat sich seit den 90er Jahren viel getan und Videospiele werden nicht mehr ausschließlich an ein männliches Klientel gerichtet, dennoch ist vor allem in der Werbung und in Rollenspielen die alte Struktur noch gut zu erkennen.

Statistisch gesehen ergibt solche Werbung einen gewissen Sinn. Es spielen mehr Männer als Frauen Videospiele am PC oder Konsolen. Somit sollte sich die Werbung und auch die Spiele an ein eher männliches Publikum richten. Dennoch gehen hierbei viele Spiele deutlich zu weit und beschränken sich durch die teilweise sexistische Werbung und fragliches Spiele-Design auf ein fast ausschließlich männliches Publikum, was auch aus der Marketingperspektive nicht wirklich gut sein kann.

Ein gutes Beispiel sind vermutlich der Großteil aller Online Fantasy Rollenspiele. Während männliche Charakter in massiven Rüstungen in die Schlacht ziehen und teilweise wortwörtlich Jungfrauen aus Nöten retten müssen, tragen weibliche Charaktere in einigen Spielen nur Unterwäsche aus Metall, um sich vor Pfeilen, Schwerthieben und magischen Geschossen zu verteidigen. Auf die Spitze trieb es hierbei wohl das Rollenspiel Scarlet Blade. Hier hatte der Spieler die Kontrolle über einen Charakter in einer fantastischen Welt – nur, dass alle Charaktere weiblich waren und ausschließlich Reizwäsche als Rüstungen tragen konnten. Dieses wurde 2016 zwar eingestellt und die Server abgeschaltet, allerdings nicht wegen der extrem sexistischen Darstellung weiblicher Charaktere, sondern wegen technischer Probleme in der Lieferung neuer Spielinhalte.

Eine solche Darstellung des weiblichen Körpers und der absolut unrealistischen Rüstungen gilt es mehr als kritisch zu hinterfragen. Die Gamingbranche hat hier noch immer ein klares Problem, mit dem sie endlich fertig werden muss. Egal ob im Spiel, in der Werbung oder auf Messen – Videospiele sollten sich nicht länger nur an Männer oder nur an Frauen richten, sondern allen gleichermaßen Spaß und Freude bereiten können. Es wirft ein trauriges Bild auf männliche Fans der Videospielindustrie, dass Frauen so dargestellt werden und sich diese Inhalte auch noch verkaufen.

Von Tilman Kortenhaus

[ssba]