Morgenröte

Wenn der Tag sich dem Ende zuneigt und die Angst vor der Nacht und deren Leiden erwacht – Franca Lentz präsentiert auf InterAct ihr erstes Gedicht.

Im Angesicht der Morgenröte,
Zeig mir, was den Schmerz rasch töte.
Und wird der Mond nun untergehn’,
Soll er das Leid gleich mit sich nehm’.

Jahr um Jahr und Tag um Stund’,
Hat der Morgen Gold im Mund.
Stunden gehn’ und Schmerzen bleiben,
Nie verändert sich das Leiden.

Wer gespürt hat, wie es ist,
Ohne Sonne, ohne Licht,
Der wird sich sehnen nach der Sonne,
Welch ein Traum, des Morgens Wonne.

Verdunkelt sich des Himmels Farbe,
Duster, schwarz, so wie der Rabe,
So krabbelt es den Rücken rauf,
In den Kopf und in den Bauch.

Das Herz wird schwer, die Glieder träge,
Als wenn es keinen Tag mehr gäbe,
An dem die Sonne wieder scheint,
Die Nacht, sie macht sich mir zum Feind.

Gedanken kreisen wild umher,
Als gäb’s kein andres Thema mehr,
Zerfällt mein Kopf in tausend Stücke,
Der Liebe Wucht, des Liebens Tücke.

Zurück bleibt eine leere Hülle,
Ein schweres Herz, der Schmerz in Fülle.
Und wieder rückt das Morgenlicht,
Heran und bringt die Zuversicht.

Auf helle Tage, auf Neubeginn,
Das Herz dürstet nach einem Sinn,
Der jede so verlor’ne Nacht,
Zu einer nicht verlor’nen macht.

Hier sitz’ ich nun mit matten Augen,
Bereit, das Licht hineinzusaugen,
Die Hoffnung stirbt an andren Tagen,
Das Leid ist nicht mehr zu ertragen.

Im Angesicht der Morgenröte,
Zeig mir, was den Schmerz rasch töte.
Und wird der Mond nun untergehn’,
Soll er das Leid gleich mit sich nehm’.

Von Franca Lentz

[ssba]