Modern Dance: „Eine Mischung aus Mathe und Poesie“

Wie fühlt es sich eigentlich an als Fußballer beim Modern Dance – einer Mischung aus Ballett, Ausdruckstanz und Fitness? Moritz Muschik hat beim Modern Dance einfach mal mitgemacht.

Ich gebe Lenny einen Impuls an der rechten Schulter. Er nimmt die Bewegung meiner Hand auf, sein Oberkörper weicht elegant zurück. Es wirkt wie eine fließende Bewegung – wie Tanz. Wie das, was man sonst nur aus Musikvideos von Chris Brown, Rihanna und Co. kennt. Lennys Blick ist überzeugt und ausdrucksstark. Er kann das, hat er mir vorher erzählt. Schließlich war er vor ein paar Jahren noch beim Showdance. Er geht aufrecht, gibt mir einen Stoß auf den Brustkorb. Ich versuche, ebenso leichtfüßig zurückzuweichen. Aber irgendwie bleibt das Gefühl, dass meine Bewegungen längst nicht so gut sind wie die von Lenny, meinem Tanzpartner für diesen Moment.

Ich stehe im Gymnastikraum des Zentrums für Hochschulsport in Hannover. Als einer von drei jungen Männern, die heute beim Modern Dance dabei sind. Modern Dance, stelle ich nach und nach mehr fest, ist fast eine Mischung aus Ballett, Ausdruckstanz und Fitness. In der Kombination also genau das, was meinem eigentlichen Hobby widerspricht – dem Fußball. Seit vielen Jahren bin ich Torwart. Das hat die Beweglichkeit nicht gerade gefördert. Das wird mir spätestens bei den Dehnübungen gleich zu Beginn schmerzhaft bewusst. Auf dem Boden liegend sollen wir das rechte Bein angewinkelt in die Höhe strecken, gleichzeitig mit einer Hand den rechten Fuß halten. Bei mir reicht die Hand bis zum Knie – dann ist Schluss.

Ein Wechselspiel von Spannung und Entspannung

Wir sind 18 Mädels, drei Jungs – und Tanzlehrerin Yvonne. Sie vertritt heute Daniela, die den Kurs eigentlich leitet. Yvonne ist ganz in schwarz gekleidet, trägt leichte Ballettschuhe und einen Dutt. Es wirkt überzeugend, wenn sie die Bewegungen vortanzt. Für sie ist Modern Dance „eine Mischung aus Mathe und Poesie.“ Na gut, weder Rechnen noch Gedichte schreiben ist wirklich mein Ding. Aber ich versuche, mich auf das Wechselspiel von Spannung und Entspannung einzulassen. So wird die Sportart zumindest auf der Website vom Hochschulsport beschrieben. Ich hatte mir unter Modern Dance vor Kursbeginn vorgestellt, dass wir auf Discofox, Cha-Cha-Cha und die anderen Standardtänze aufbauen. Doch auch wenn sich einige Elemente daraus wiederfinden: Das Tanzen im Gymnastikraum ist für einen Laien wie mich durchaus anspruchsvoller als noch im Tanzkurs damals in der Schulzeit. Und auch das ist mittlerweile schon fünf Jahre her…

Von außen wirkt die Sportart vielleicht einfach, aber ich komme während der 90 Minuten ganz schön ins Schwitzen. Zur Musik sollen wir unsere Beine anwinkeln und auf eine Seite des Hallenbodens legen. Dabei bleiben die Schultern – wenn möglich – auf dem Boden. Dann gilt es, den Oberkörper nach oben zu bewegen. Ziemlich anstrengend, die Fitness-Übungen. Jetzt weiß ich übrigens auch, was ein Plié ist und wie das funktioniert. Man steht aufrecht, die Füße zeigen nach außen. Dann geht’s in die Knie. Hatte ich vorher zwar schon mal gehört, aber nie selbst ausprobiert.

Immerhin in die richtige Richtung getanzt

Lenny legt seine linke Hand auf meine Schulter, ich soll mein Gewicht dahin verlagern. So sollen wir lernen, „die Körperachse des anderen zu spüren“, erklärt Yvonne. Später lehnen wir uns mit dem gesamten Körper aneinander und verlagern das Gewicht in verschiedene Richtungen. Es hilft mir wirklich, die Achse meines Körpers zu verorten.

Beim Aufwärmen und den Partnerübungen läuft durchgängig Musik. Sie ist rhythmisch, wirkt fast wie beim Latin Dance. Zu einem Song hat die Gruppe in den letzten Wochen schon eine Choreographie eingeübt. Da sollen wir jetzt einfach versuchen, mitzumachen. Denn zum Glück bin ich nicht der Einzige, der heute zum ersten Mal dabei ist. Yvonne tanzt die Abläufe vor – alles vor dem großen Spiegel im Gymnastikraum. Dann geht’s los. Sprünge wechseln sich mit Drehungen auf dem Boden und Tanzschritten ab. Ich probiere, halbwegs im Tempo zu bleiben und die Elemente irgendwie zu imitieren. Imitieren ist wohl das richtige Wort. Denn so wirklich einen Plan von den Bewegungsabläufen habe ich nicht. Ich versuche, irgendwie mitzutanzen. Das dürfte von außen wohl teilweise amüsant aussehen. Ich bin erleichtert als die „Choreo“ vorbei ist – und ich zumindest immer in die richtige Richtung mitgetanzt habe.

Mein Fazit: Wer seinen Körper auf eine neue Art kennenlernen möchte und Spaß am Tanzen hat, ist beim Modern Dance genau richtig. Eine motivierte Gruppe mit einer motivierenden Leiterin vermittelt Spaß am Sport. Ich selbst bin als Fußballer an meine Grenzen gekommen – gerade was die Beweglichkeit angeht. So oder so: Spaß gemacht hat’s trotzdem.

 

Info: Der Kurs Modern Dance für Anfänger/innen findet jeden Dienstag von 17.30 bis 19 Uhr im Gymnastikraum des Zentrums für Hochschulsport Hannover statt. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, dafür aber die digitale Semesterkarte und die Buchung des Basisangebots. Es gibt auch einen Kurs für Fortgeschrittene (35 Euro), immer freitags von 10.30 bis 12 Uhr im Tanzraum des Sport-Campus.

Von Moritz Muschik

[ssba]