Mit Musik heilt alles besser

Ein Schlaganfall kann jeden treffen – vom Säugling bis ins greisen Alter. Die Durchblutung des Gehirns wird gestört und Nervenzellen sterben ab. Dadurch kommt es zu Sprachstörungen, Lähmungen und Depressionen. Einen ganzheitlichen Therapieansatz bietet die Musik.

Dr. Eckart Altenmüller ist nicht nur Arzt, er ist auch Musiker. Nicht zuletzt deswegen ist er einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Musiktherapie. An der Hochschule für Musik, Medien und Theater Hannover entwickelte er seine musikunterstützende Trainingstherapie. Hierbei können Schlaganfallpatienten ihre feinmotorischen Fertigkeiten verbessern. Patienten mit leichten bis mittelschweren Bewegungseinschränkungen spielen drei Wochen lang 30 Minuten täglich auf einem elektrischen Schlagzeug oder Klavier. Durch den Klang erhalten die Patienten Rückmeldung, ob der richtige Ton getroffen wurde. Hände und Finger werden beweglicher, geschickter und schneller als bei der Behandlung mit der Standardtherapie, auch sind die Nervenzellen im Gehirn aktiver. „Die Vernetzung zwischen den Hörzentren und den Bewegungszentren stellt sich sehr viel schneller und stärker ein“, erklärt Altenmüller. Durch die Therapie wird außerdem die Kommunikationsfähigkeit verbessert und das Selbstvertrauen gestärkt. Eine Studie des finnischen Forschers Teppo Särkämö bestätigt diese positiven Nebenwirkungen. Bereits tägliches Musikhören wirkt sich demnach positiv auf Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit und Stimmung aus. Vor allem das Sprachgedächtnis und die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu fokussieren, verbessern sich deutlicher als in der Vergleichsgruppe, welche Hörbücher statt ihrer Lieblingsmusik hörten. „Musik spricht Emotionen, Denken und Gedächtnisstrukturen an“, fasst Altenmüller zusammen.

Da Patienten außer einfachen Klanginstrumenten nicht viel brauchen, können sie die heilende Wirkung der Therapie auch zu Hause nutzen. Nach Altenmüller brauche man dazu keinerlei musikalische Vorerfahrung, sondern nur eine gewisse Affinität zur Musik.

„Auf Grund der rundum positiven Effekte müssen wir weiter für die Wertschätzung der Musiktherapie kämpfen“, so Altenmüller. Ziel sei es, die Musiktherapie europaweit an Krankenhäuser zu etablieren. Altenmüller berichtet von Ärzten, welche sich ihre Klinik nicht mehr ohne Musik vorstellen können. Schließlich ändere sich mit der Musik das ganze Klima im Krankenhaus zu einem spielerisch-ästhetischen Genuss.

Von Johanna Lueb

Foto: Lara Sagen

[ssba]