Mit der richtigen Mischung auf den EM-Thron

Bundestrainer Joachim Löw setzt bei der EM 2016 auf altbewährte Kräfte und auf vier Neulinge. Eine vielversprechende Mischung.

Zwei Jahre nachdem die deutsche Nationalmannschaft den WM-Titel in Brasilien holte, startet am 10. Juni die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Am Dienstag, 17. Mai 2016 hat Bundestrainer Joachim Löw den vorläufigen Kader für die EM in der französischen Botschaft in Berlin verkündet. Unter den Nominierten sind 14 Weltmeister, aber auch einige Überraschungen.

Joachim Löw ist bekannt dafür, auch jungen Spielern die Chance zu geben, sich bei großen Turnieren zu beweisen. Joshua Kimmich, Julian Brandt, Leroy Sané und Julian Weigl sind die Youngster unter den EM-Nominierungen. Sie haben bisher noch wenig oder sogar gar keine Länderspielerfahrung gesammelt.

Joshua Kimmich: Er absolvierte bisher noch kein Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft. Durch den Ausfall von Ilkay Gündogan im defensiven Mittelfeld könnte er auf der Position des Sechsers zum Einsatz kommen. Gute Leistungen zeigte der 21-jährige aber vor allem in der Champions League, als den Bayern Boateng und Martinez in der Innenverteidigung ausfielen. Einsetzbar ist er nach Löw aber auch als Außenverteidiger.

Julian Brandt: Er absolvierte bisher auch noch kein Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft. Bei seinem Verein Bayer 04 Leverkusen spielte er eine sehr gute Rückrunde und traf in sechs Spielen hintereinander. Löw schätzt an ihm seine Schnelligkeit und Technik. Er wird ihn voraussichtlich auf den offensiven Außenbahnen einsetzen.

Leroy Sané: Er absolvierte bisher ein Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft (14. November 2015 in Frankreich) und spielte vor allem eine überragende Hinrunde beim FC Schalke 04. Joachim Löw bescheinigt ihm „außergewöhnlichen Fähigkeiten“.

Julian Weigl: Der vor der letzten Saison für 2,5 Millionen aus München verpflichtete Dortmunder ist der Shooting-Star der Bundesliga. Er setzte sich gegen namhafte Konkurrenz (Bender, Sahin, Gündogan) im Klub durch und ergatterte einen Stammplatz. Weigl spielte eine starke Saison als zentraler Mittelfeldspieler und besticht durch seine Ball- und Passsicherheit.

Außerdem hält Löw an Lukas Podolski fest. „Er hat noch einen sportlichen Wert für uns, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.“, begründet er seine Nominierung. Nach einer durchschnittlichen Saison bei Galatasaray Istanbul in der mittelklassigen türkischen Süper Lig mit 12 Toren in 29 Liga-Spielen, scheint Podolski eher eine Art Maskottchen zu sein. Denn er kam bereits in den Qualifikationsspielen nur äußerst selten zum Einsatz. Warum Podolski nominiert ist und andere vielversprechende junge Spieler wie Dahoud oder Volland vor dem Fernseher zu schauen müssen, bleibt wohl Löws Geheimnis.

Der Kapitän Bastian Schweinsteiger fährt ebenfalls am 24. Mai 2016 mit ins Trainingslager nach Ascona. Dort soll getestet werden, wie er bis zum 31. Mai trainieren kann. Erst dann wird entschieden, ob er in den endgültigen EM-Kader mit aufgenommen werden kann.

Eine kleine Überraschung ist die Nicht-Nominierung von Ron-Robert Zieler. Stattdessen wird Leverkusens Torhüter Bernd Leno mit in den Kader aufgenommen. Er hat bisher noch kein Spiel für das A-Team absolviert.

Der umstrittene und in den letzten beiden Länderspielen schon aus dem DFB-Kader gestrichene Wolfsburger Max Kruse wurde wie auch die Weltmeister Erik Durm, Christoph Kramer und Matthias Ginter bei der Nominierung nicht berücksichtigt. Vor allem die Anrufe bei den jungen Spielern wie Kramer und Ginter bezeichnete Löw bei der Pressekonferenz am Dienstag als die schwierigsten: „Man stößt auf eine große Enttäuschung.“

Der vorläufige Kader besteht aus 27 Spielern, die am 24. Mai mit ins Trainingslager nach Ascona dürfen. Vier Spieler müssen noch gestrichen werden. Am 31. Mai wird der endgültige EM-Kader, bestehend aus 23 Spielern, der UEFA gemeldet. Davor bestreitet die deutsche Nationalmannschaft noch zwei Testländerspiele, gegen die Slowakei in Augsburg und gegen Ungarn in Mönchengladbach. Das erste Spiel für Deutschland findet am 12. Juni im Grand Stade Metropole Lille in Lille gegen die Ukraine statt.

Das vorläufige DFB-Aufgebot für die EM 2016 (laut DFB):

Tor: Manuel Neuer (Bayern München), André ter Stegen (FC Barcelona), Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen)

Abwehr: Mats Hummels (Borussia Dortmund), Jerome Boateng (Bayern München), Emre Can (FC Liverpool), Jonas Hector (1. FC Köln), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Shkodran Mustafi (FC Valencia), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Antonio Rüdiger (AS Rom)

Mittelfeld: Karim Bellarabi (Bayer 04 Leverkusen), Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), Julian Draxler (VfL Wolfsburg), Sami Khedira (Juventus Turin), Joshua Kimmich (Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Thomas Müller (Bayern München), Mesut Özil (FC Arsenal), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul), Marco Reus (Borussia Dortmund), André Schürrle (VfL Wolfsburg), Bastian Schweinsteiger (Manchester United), Julian Weigl (Borussia Dortmund)

Sturm: Mario Gomez (Besiktas Istanbul), Mario Götze (Bayern München), Leroy Sané (FC Schalke 04)

Von Marie Röthlingshöfer und Jan Jüttner

Foto: Sonja Höfter

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