Mein Leben als „Nutte“

„Mein Name ist Hagen. Ich bin Anfang 20. Und ich werde einmal Nutte“. So oder so ähnlich dürften einige Selbstgeständnisse vieler zukünftiger Medienmacher heutzutage aussehen. Oft haben diese Menschen alle den gleichen inneren Konflikt auf der Suche nach sich selbst. Geld oder Gewissen? Prunk oder Prinzipien? Sehnsüchte oder Selbstrespekt? Wie man es auch dreht und wendet; am Ende studieren wir, lernen wir und vermarkten uns nur für die Kohle.

Generell nicht verwerflich. Das Modell „Geld gegen Arbeit“ hat sich seit Anbeginn der Zeitrechnung bewährt. Aber noch länger als dieses Prinzip des Humankapitalhandels existiert schon die Gier des Menschen. Viel Ertrag für wenig Aufwand! Wer will das nicht? Ein Gesellschaftsmodell ohne Handel und Arbeitskräfte, undenkbar.

Warum man Nutte wird

Doch wie sieht es in der Generation Medienschaffender von morgen aus? Studenten, Azubis oder Berufsanfänger in der Media-Branche wissen oft nicht, wie sie sich in Zukunft selbst positionieren sollen. Geht es um die persönliche Glaubwürdigkeit und die Etablierung eigener Ideale oder geht es um das Geld, welches mit den „richtigen“ Mitteln nur aufgesammelt werden muss? Wer sich zum Anfang seiner Karriere schon profilieren will, muss wissen, welche Reifen er aufzieht.

Leider zeigt gerade der journalistische Arbeitsmarkt seit Jahren einen eher negativen Trend. Verlage kippen ganze Printformate, die Radiolandschaft kann nur noch mit wenigem überraschen und das Fernsehen ist zwar begehrt, aber nicht ohne persönliche Abstriche betretbar. Und da kommen wir auch schon zum Punkt der ganzen Geschichte: erfolgreich sein, heißt: Nutte sein!

Geschäftsmodell „Prostitution“

„Heute ist morgen und morgen ist noch weit weg“. Eine verbreitete Meinung der zukünftigen Arbeitnehmergesellschaft. Bevor man sich mit Fragen zur eigenen Identität auseinandersetzt, die auch mal die eine oder andere negative Selbsterkenntnis zur Folge hat, lässt man es lieber gleich. Der Wunsch nach finanzieller Mündigkeit nimmt überhand und schon hat man die nächste Nutte, die für Geld alles mitmacht.

Arbeitgeber freuen sich natürlich über solche Leute. Bewerber kommen zur Firma, lassen ihren Charme spielen, um den Chef zu beeindrucken und wenn sie äußerlich passen und zum ausgehandelten Tarif alles mitmachen, steigen sie gleich ein. Eine Szene, wie vom Straßenstrich. Ohne ins Detail gehen zu wollen, erarbeiten sich manche Nutten dann mehr oder weniger hart ihr (bestenfalls) überzogenes Gehalt. Die Drecksarbeit in diesem Sinne kann sich als risikoträchtig oder moralisch verwerflich manifestieren. Die Normen und Grenzen setzt da, zusätzlich zum gesellschaftlichen Konsens, jeder selbst.

PROstitution oder KONservative Arbeitsmoral?

Letztendlich muss jeder Arbeitnehmer selbst wissen, wie er sein Geld verdienen will. Persönliche Ansichten, individuelle Grenzen und eigene Zielsetzung spielen dabei eine zentrale Rolle. Es bleibt die Frage offen, ob Moral ein Verfallsdatum hat. Ob man sich nicht eine Zeit lang verkaufen kann und später auf geläuterten Musterknaben macht. Auch hier setzt sich jeder Mensch seine Limitierungen selbst. Aber egal wie man sich auch entscheidet, am Ende des Monats kommen zweierlei Fragen auf jeden zu: „Wie viel Geld habe ich dieses Mal verdient?“. Und: „Kann ich dieses Geld vor mir und der Gesellschaft rechtfertigen?“.

Von Dennis Schmitt

[ssba]