Literatur, die unter die Haut geht 

Sie muss nicht immer der Feder eines großen Schriftstellers entstammen. Manchmal kommt sie auch aus einer Nadel.  

Literatur findet man nicht nur in der Bibliothek von nebenan. Manche Menschen tragen Geschichten auch auf ihrem eigenen Körper. Laut Google besitzt jeder sechste Deutsche ein Tattoo. Einige davon mit Sicherheit auch einen Schriftzug, einen prägnanten Songtext oder ganze Sätze aus Tinte. Literatur, die wortwörtlich unter die Haut geht. Doch was bewegt gerade junge Leute dazu sich Schrift unter der Haut verewigen zu lassen?

„Zeit bleib stehen“ steht auf Philipps Arm. Das Tattoo erinnert den 26-Jährigen an seine aufregende Jugendzeit und daran auch in der Zukunft tolle Momente zu schaffen. Den Körper von Nicolas, 24, ziert der Schriftzug „We are all mad here” aus dem Film Alice im Wunderland und Christopher, 26, hat sich den langen Satz „Of course it is happening inside your head, but why on earth should that mean it is not true?” tätowieren lassen, ein Zitat vom Schulleiter Dumbledore, aus den Harry Potter-Romanen. Diese Zitate haben für alle drei eine ganz besondere und persönliche Bedeutung.

Dass dies meist der Fall ist, wenn junge Leute sich Zitate und Lebensweisheiten stechen lassen, bestätigt auch *Alex, ein renommierter Tätowierer aus Hannover. „Wirklich oft lassen sich die Kunden Namen, Geburtstage und Lebensweisheiten stechen, da sie einen stärkeren Bezug dazu haben. Eine besonders beliebte Stelle für solche Tattoos ist der Unterarm“, erklärt der Tattoostudio-Besitzer. Gedichtszitate und Zeilen aus einem Songtext kämen hingegen eher seltener vor.

Trends gibt es laut ihm immer wieder, zum Beispiel sind eine Zeit lang wöchentlich Menschen ins Tattoostudio gekommen, die ein Unendlichkeitszeichen auf ihrer Haut wollten, mit einem Wort wie „family“ integriert. Doch nerven solche Trends nicht? „Es ist immer wieder spannend, weil jeder Mensch seine eigene Geschichte hat. Nerven tut es nie. Wir sind alle sehr offen in der Tattooszene“, antwortet der Tätowierer. Deswegen ist es ihm auch egal, ob der Kunde einen Text tätowiert haben möchte oder ein Bild, denn jede Aufgabe birgt ihre eigenen Herausforderungen. Rechtschreibfehler von anderen Tätowierern musste er auch schon korrigieren, damit diese erst gar nicht zu Stande kommen, wird in seinem Studio vor dem Stechen mehrmals gefragt, ob das Wort auch korrekt geschrieben ist.

*Name von der Redaktion geändert 

Von Maricia Lange

Foto: Asma Choudhry

[ssba]