Lidl und seine (sexistischen) Eskapaden

Lidls Marketing ist seit Jahren bekannt für seine pfiffige Werbung und seine humorvollen Beiträge auf den Social Media Kanälen. Nichts desto trotz muss der Discounter-Riese immer wieder Kritik für sexistische oder diffamierende Produkte einstecken, die in ihren Läden erhältlich sind – nicht zuletzt wegen eines rosa Schlafanzuges.

„Daddy is my hero“ deklarierte der pinkfarbene „Lupilu“-Schlafanzug noch vor ein paar Wochen auf der Lidl-Website. Daraufhin musste die Discounter-Kette sich einem ordentlichen Shitstorm aussetzen. Denn für viele Eltern war das nicht gendergerecht, zierte doch der blaue Schlafanzug – ausgezeichnet als „Jungen Schlafanzug“ – den Schriftsatz „Be your own superhero“.

Ja, ist es denn plötzlich wieder 1950? Müssen Mädchen sich nun immer noch ihren „Daddy“ als Vorbild nehmen, während Jungen ihre eigenen Helden sein dürfen? Vielen Eltern war das zu viel. „So was Kindern zu vermitteln, finde ich schon problematisch …“, twitterte eine Userin darauf hin. Andere kritisierten, dass die Slogans der Schlafanzüge das eigene Selbstbild der Kinder verzerren könnten. Lidl, die sonst so marketingtechnisch sichere Kette, vermittelte plötzlich ein überholtes Geschlechterbild.

Blogger-Seiten degradierten sogar Eltern, die die Pyjamas für 4,99 Euro erwarben. „Nur bekloppte Eltern kaufen bei Lidl diese neuen Schlafanzüge“ betitelten Seiten wie „gentside“ und „ohmymag“ den Mini-Skandal. Dabei sahen einige Eltern das Dilemma gar nicht s groß: „Dann kaufe ich für meine Tochter eben den blauen Schlafanzug“, gab eine Mutter auf Facebook preis.

Doch Lidl – die stolz von sich behaupten, Angestellte aus über 120 Nationen zu haben – zieht nicht das erst mal den Zorn der Kunden auf sich. Bereits vor drei Jahren musste der Discounter Spott über sich ergehen lassen, als ein Bierfass mit sexistischem Motiv und der Aufschrift „Fass mich an“ zum Kauf anbot. Und vor einigen Monaten erst waren zum Fastenmonat Ramadan orientalische Produkte bei Lidl erhältlich, in denen ausgerechnet Schweinefett verwendet wurde.

Die Schlafanzüge sind mittlerweile nicht mehr im Online-Shop erhältlich. Bleibt zu hoffen, dass Lidls Produktabteilung das nächste Mal ein genderfreundlicheres Auge hat, wenn es um die Prints ihrer Kleidung geht.

Von Madeleine Buck

Bild: Lidl/Screenshot

[ssba]