„Leidenschaft geht vor Kasse“

Arne Böwig ist 21 Jahre alt und studiert im 2. Semester Journalistik an der Hochschule Hannover. In einem Interview mit Interact erzählt er warum er Journalistik studiert und was er da später mit vorhat.

Viele zukünftige Journalisten ziehen ein Fachstudium vor, wie z. B. Politik-, Wirtschafts- oder Kulturwissenschaften. Warum hast du dich für ein direktes Journalistik-Studium entschieden?

Ich habe mich für dafür entschieden, weil Journalismus auch eine Wissenschaft ist und ich mich nicht von Anfang an direkt auf ein Fach festlegen möchte. Wenn ich mich aber jetzt auf eine Fachrichtung festlegen müsste, würde ich in die Kulturwissenschaft gehen. Aber da kann man sich im Nachhinein immer noch spezialisieren. Von daher wollte ich jetzt zu Anfang erstmal den Weg offen halten.

Was ist dein Ziel nach dem Studium?

Ich hoffe natürlich, dass ich mit meiner Passion über Musik zu schreiben über die Runden kommen kann. Da habe ich keine hohen Erwartungen dran. Ich habe nicht die Hoffnung oder Erwartung damit reich zu werden. Das hat keiner. Aber man erlebt da so viel. Es kann mir soviel mehr geben, als Geld. Leidenschaft geht vor Kasse.

Was tust du schon während des Studiums dafür?

Ich schreibe seit April 2013 als freier Mitarbeiter für ein vergleichsweise renommiertes Online-Musikmagazin. Mein Themenfeld umfasst dort Plattenkritiken zu Neuerscheinungen, Live-Berichte von Konzerten und Festivals und Interviews. Damit kann man gut erste Kontakte knüpfen. Seinen Namen sozusagen in den Ring schmeißen. Das mache ich ehrenamtlich, leider ist die Mentalität der Leute heutzutage so, dass sie online alles kostenlos haben wollen. Aber es geht ja jetzt am Anfang erstmal nur darum sich einen Namen zu machen. Dafür ist das, denke ich, hilfreich.

Wie schätzt du deine Chancen ein?

Wenn wir jetzt den Online-Musikjournalismus betrachten: Natürlich kennt jeder einen, der das technisches Know-How hat, sich eine eigene Website zu bauen und das kann er dann Musikmagazin nennen. Weil es da so viele gibt, gibt es natürlich auch viel Mist. Da trennt sich aber ganz schnell die Spreu vom Weizen. Und wenn man beim Weizen anfängt zu arbeiten und nicht zur Spreu absteigt, dann sollte das keine Schwierigkeit darstellen. Es kommt natürlich immer auf die eigenen finanziellen Ansprüche an. Die darf  man nicht zu hoch ansetzen. Das ist am Anfang der falsche Weg da pessimistisch ranzugehen.

Hast du während des Studiums vor für jemand anderen zu schreiben?

Vor dem Studium war ich anderthalb Jahre bei Radio LeineHertz und habe über diesen Wege natürlich Kontakte zu Leuten knüpfen können, die im kulturschaffenden Bereich tätig sind. Ich denke da wird mir, vor allem fürs Praxissemester, eine Tür offen stehen.

Kannst du dir vorstellen auch im Ausland tätig zu sein?

Man soll nie „nie“ sagen, aber das ist jetzt hier und heute keines meiner größeren Ziele. Aber mal sehen, wo es mich hintreibt.

Welche 3 Eigenschaften sollten Journalisten mitbringen und warum?

Mut zur eigenen Meinung, weil es sehr leicht ist sich von der öffentlichen Meinung mitziehen zu lassen. Das ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Kritisch zu denken, um natürlich von dem was einem vorgesetzt wird, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und man sollte versuchen sich im Alltagstrott des Tagesgeschäfts die Fähigkeit zu erhalten sich weiterhin für die schönen Seiten des Jobs begeistern zu können.

Wie stehst du zur PR?

 Wenn man ein wacher Geist ist, ist es gut. Dann weiß man ja von wem es kommt. Den einzelnen PR-ler kann ich insofern schlecht kritisieren, weil er genau wie wir Journalisten auch nur seinen Job macht. Er muss das verkaufen, was ihm an die Hand gegeben wird. Ich finde es aber schwierig, wenn jemand versucht eine Sache zu verkaufen, von der er selbst nicht überzeugt ist. Dann merkt man schnell, dass irgendwo Sand im Getriebe ist.

Wie war deine Deutschnote im Abitur?

Ich hatte 12 Punkte in meinem Fachabitur.

Als Journalist hat man unbeliebte Arbeitszeiten. Wie bringst du diese mit deinem Privatleben in Einklang?

Wenn wir jetzt einfach mal davon ausgehen, dass ich weiter über Musik schreiben werde, dann kann ich mein Arbeitsleben mit meinem Privatleben verbinden. Wenn man produktiv ist, kann man Freizeit oder Arbeitszeit nicht klar voneinander trennen. Von daher wäre es jetzt nicht das Problem bei der Sache.

Wie siehst du die Zukunftschancen einer Printzeitung?

Man muss klar definieren, ob es sich um eine Zeitschrift für die breite Masse oder um eine Fachzeitung handelt. Bei den Zeitschriften für die breite Masse und den Zeitungen ist es schwierig, weil sie die breite Masse ansprechen. Hier ist die bereits angesprochene „alles für umsonst haben wollen“-Mentalität bereits verankert.

Das Publikum der Fachzeitung splittet sich zwar auch in diese beiden Teile, aber ich halte das Verhältnis für ausgeglichener. Hier gibt es mehr Menschen, die noch das Erlebnis haben wollen etwas in der Hand zu halten und den Konsum der Zeitung sozusagen zelebrieren. Dieser Anteil dieser Leute wird auch bei oder gerade bei Fachzeitungen so hoch sein, dass es sich für diese Zielgruppe noch lohnen wird zu produzieren.

Von Jessica Preuss

Foto: Sonja Höfter

[ssba]