Leben mit Wölfen in Niedersachsen

Wölfe sind wieder in Deutschland präsent. Die einen freuen sich, die anderen fürchten sich. Doch was bedeutet die Rückkehr der Wölfe wirklich für uns? Wer einen Einblick in das Leben der Wölfe bekommen möchte, ist im Wisentgehge Springe genau richtig: Hier leben Birgit und Matthias Vogelsang zusammen mit zwei Wolfsrudeln. Ihr Ziel: Aufklärung schaffen!

Birgit und Matthias sind feste Bestandteile beider Rudel. Insgesamt kümmern sie sich hier um neun Wölfe: Vier Timberwölfe und fünf Polarwölfe. Als „Botschafter für den freilebenden Wolf“ haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Missstände aufzudecken und richtigzustellen.

Zweimal täglich finden die Wolfspräsentationen statt, die den Besuchern einen Einblick in die Lebensweise der Wölfe geben:

Fotos: Erste Reihe: Birgit Vogelsang

Zweite und dritte Reihe: Lisa Eimermacher

Können Sie sich spontan an ein Märchen erinnern, in dem der Wolf positiv dargestellt wird? Als besonders bösartige Kreatur wird er in den Märchen der Gebrüder Grimm gefürchtet. Wölfe sind allerdings sehr scheue Tiere, die nicht daran interessiert sind, mit uns Kontakt zu knüpfen. Die Chance einem Wolf zu begegnen ist sehr gering, sagt Birgit. Problematisch wird es dann, wenn man die Wölfe anfüttert und sie dadurch ihre natürliche Angst vor dem Menschen verlieren. Ein ausgewachsener Wolf frisst täglich drei bis vier Kilogramm Fleisch. Menschen fallen aber nicht in sein Beuteschema 😉 .

Einst war der Wolf das weitverbreitetste Raubtier Deutschlands – bis er um 1850 ausgerottet wurde. Seit der Wiedervereinigung steht er bei uns unter gesetzlichem Schutz. Das erste neuangesiedelte Wolfspaar gelangte im Jahr 2000 aus Polen nach Deutschland. Nachdem die ersten Welpen geboren wurden, breiteten sich die Wölfe weiter in Deutschland aus.

Eine Wolfsfamilie besteht aus einem Wolfspaar, den sogenannten Alphawölfen und deren Nachwuchs. Mit circa 22 Monaten verlassen die Welpen ihre Eltern, um ein eigenes Rudel zu gründen. Auch in Niedersachsen häufen sich die Wolfssichtungen: Schätzungen zufolge sind circa 14 Rudel bei uns beheimatet. Da Wölfe sehr anpassungsfähig sind, können sie fast überall leben. Die einzigen Voraussetzungen sind genügend Beutetiere und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.

Einigen Jägern ist der Wolf ein Dorn im Auge. Dabei sind die Räuber- und Beutepopulationen voneinander abhängig: Gibt es viele Wölfe, werden viele Beutetiere gefressen. Der Bestand reduziert sich. Der Wolf findet weniger Nahrung und zeugt weniger Nachwuchs. Die Anzahl der Wölfe nimmt wieder ab und der Wildtierbestand erholt sich. „Es besteht keine Gefahr, dass der Wildbestand ausgerottet wird“, erklärt Birgit. 

Fun Fact: Wölfe werden als „Gesundheitspolizei des Waldes“ bezeichnet, weil sie vorwiegend kranke und alte Beutetiere jagen.

Auch bei einigen Nutztierhaltern kommt der Wolf nicht gut an: Mit sogenannten „Mahnfeuern“ protestieren immer mehr Landwirte gegen den Wolf. Zu groß ist die Angst vor Wolfsrissen. Der ehemalige Umweltminister Niedersachsens Stefan Wenzel äußert sich zur „Wolfsproblematik“:

"Wenn ein Schaf nicht richtig eingezäunt ist, dann präsentieren wir ihm die Nahrung auf einem Silbertablett." Birgit Vogelsang

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Wahrscheinlich wird der Wolf auch weiterhin die Meinungen spalten. Und das, obwohl ein friedliches Miteinander möglich ist. Für die Zukunft wünscht sich Birgit, dass sich die Leute ausreichend über den Wolf informieren, bevor diese ihr Urteil fällen:

Foto: Lisa Eimermacher

 

*Gemeinsam mit meiner Kommilitonin Lisa Eimermacher ist zum Thema Wolf auch unser gemeinsamer Abschlussfilm im Bereich Fernsehjournalismus entstanden:

**Weitere Infos rund um die Rückkehr der Wölfe findet ihr auch beim NABU!

[ssba]