Klein aber fein – Es muss nicht immer das große Theater sein

„Es kommt nicht auf die Größe an“ – ein Satz, der auch in der Welt des Theaters Anwendung findet. Oliver Geilhardt (38), Schauspieler und Regisseur am Neuen Theater in Hannover, erklärt die Vorzüge der eher kleineren Bühnen.

Oliver, wolltest Du von Anfang an auf solchen Bühnen wie im Neuen Theater stehen oder hattest Du erst den Wunsch nach richtig großen Bühnen?

Das würde ja implizieren, dass der Wunsch weg wäre (lacht). Mein erklärtes Ziel war es zuallererst, überhaupt das Schauspielen als Beruf auszuüben – die Größe war da gar nicht so wichtig. Ich hab ja auch nicht immer auf kleinen Bühnen gespielt, sondern bis heute auch auf größeren Bühnen. Das Neue Theater ist halt mittlerweilewie ein kleines Wohnzimmer geworden, weil ich da seit acht Jahren spiele. Die Größe ist schön.

Im Neuen Theater stehst du vor „nur“ knapp 160 Leuten. Was ist das Besondere daran?

Das Schöne am Theaterspielen ist ja, dass man direkte Rückmeldung vom Publikum bekommt. Es gibt Stücke, da ist das Publikum leiser, es gibt Stücke, da ist das Publikum lauter – das hat oft ein bisschen mit dem Genre zu tun. Im Neuen Theater kriegt man neben der Lautstärke der Zuschauer auch wirklich was von der Energie im Publikum mit. Man spürt ganz doll, wer da sitzt, wie der zuhört und wie der dabei ist. Das ist halt etwas, was ich am Neuen Theater sehr mag, diese direkte Rückmeldung vom Publikum. Man hört wirklich auch kleinste Dinge bis in die hintersten Reihen.

Blick ins Wohnzimmer: Oliver Geilhardt vor dem Neuen Theater.

Blick ins Wohnzimmer: Oliver Geilhardt vor dem Neuen Theater.

Was magst du persönlich lieber – kleine oder große Theater?

Schwer zu sagen. Das hat eher damit zu tun, wie das Theater gebaut ist. Es kann auch große Theater geben, die relativ klein wirken, und kleine, die relativ groß wirken. Wenn man jetzt das Neue Theater nimmt, was ja wirklich sehr klein ist: Dort herrscht schon eine ganz andere Intensität. Also ich spiele sehr gerne in kleinen Theatern – sagen wir´s mal so.

Gefällt dir das Publikum in großen oder in kleinen Häusern besser?

Mir gefällt ein gutes Publikum. Ich hab lieber wenig Leute, die es toll finden, toll mitgehen und mir nachher sagen, dass es super war, als viele Leute, von denen ich nichts mitkriege. Aber das kann man nicht auf die Theatergöße beziehen. Es gibt Stücke, die habe ich hier in Hannover am Neuen Theater, aber auch in Dresden vor 700 Zuschauern gespielt, wie „Landeier“. Und da könnte ich jetzt nicht sagen: Das eine ist besser als das andere. Das eine ist halt lauter und das andere ist leiser. Und in diesem Fall ist das Kleine lauter als das Große, aber ich glaube, denen im Großen hat es nicht minder gefallen. Als Schauspieler geht’s mehr um das Gesamtpaket. Es kann ein kleines Theater sein, was super ist, und ein Großes, was doof ist, aber auch andersrum.

Von Sascha Neue

Fotos von Elna Ahrenhold

[ssba]