Journalism Festival 2018: Literatur in Eile

Das International Journalism Festival ist die Zusammenkunft von Journalisten aus aller Welt. Wir haben vor Ort einige Panelspeaker gesprochen und eine kleine Zusammenfassung für euch verfasst. Ein Bericht von Julia Anders, Nina Räbiger & Friederike Reckow.

Köpfe ducken sich hinter Laptops, die Gesichter sind konzentriert und vom Bildschirm beleuchtet. Alle Steckdosen sind belegt, WLAN-Zugang und Koffein sind unerlässlich. Was sich im ersten Moment nach einer LAN-Party anhört, spielt sich in Wirklichkeit auf dem International Journalism Festival (IJF) 2018 in Perugia ab. In prunkvollen, alten italienischen Pallazos diskutieren Medienmacher aus aller Welt fünf Tage lang über globale Vernetzung, neue Techniken und die brancheneigenen Probleme.

Foto: Thorben Friedrich

Audio: Julia Anders

Wie kann man Fake News und Falschinformationen global bekämpfen? Wie wichtig wird Datenjournalismus werden? Wie sieht die ideale „Local/Global-Balance“ aus? 710 Sprecher teilen in 301 Veranstaltungen ihre Erfahrungen und tauschen sich über globale Lösungen und Trends aus.

Die Medienbranche trifft sich im italienischen Perugia zum Austausch und zeichnet transparent alle ihre Vorträge auf. Wir haben einige der für die Auswirkungen und Veränderungen im global agierenden Journalismus interessantesten Beiträge angeschaut.

„Fighting misinformation for decades not only the past 18 months” – Fergus Bell

Donnerstag, 10:45 Palazzo Sorbello. Das Schlagwort Fake News allein zeigt das wachsende Misstrauen in Journalisten und ihre Arbeit. Rund um die Welt werden vermehrt Initiativen und Organisationen gegründet um falschen Informationen Herr zu werden. Das Global Council to Restore Trust in Median und Fight Misinformation will alle Organisationen dieser Art zu einem Netzwerk verbinden und ihre Zusammenarbeit stärken – und so ihre Effektivität steigern. Gegründet wurde die Organisation vom Ethical Journalism Network, der European Broadcasting Union, dem Global Editors Network, dem Global Forum for Media Development, der Online News Association und der World Association of Newspapers. Im Panel auf dem IJF stellten sich einige der Gründerorganisationen vor und sprachen über die gemeinsame Mission: Eine globale Lösung für ein globales Problem.

„It’s all about the people!“ Federica Cherubini

Foto: Thorben Friedrich

Freitag, 15:00, Sala San Francesco. Welche fatalen Fehler man begehen kann, wenn es darum geht ein erfolgreiches Medienunternehmen global zu etablieren, erklären Vertreter von LinkedIn, Condé Nast International und BBC. Und sie erklären wie es richtig geht: Den Teamleiter zuerst einstellen und ihn in die Folgeentscheidungen einbeziehen, an die Zeit nach dem Launch denken und die Mitarbeiter ihren Job machen lassen. Das klingt vielleicht einleuchtend, tritt aber schnell in den Hintergrund, wenn es darum geht ein Produkt auf den Markt zu bringen.

Foto: Thorben Friedrich

Federica Cherubini erklärt, wie man bei Condé Nast International vorgeht: „Bring alle nationalen Redakteure zusammen und hilf Ihnen dabei, ihre Ziele zu erreichen und lass sie ihre Arbeit tun.“ Dmitrys Shishkin, Digital Development Editor von BBC World Service ergänzt: „Stellen Sie Ihren Fachleuten die Nachrichten und Ansichten zur Verfügung, die sie brauchen, um über Dinge zu sprechen, die wichtig sind – aber das können sie nicht nur auf Englisch tun.“

Englisch ist wichtig, aber seine Rolle als Weltsprache ist nach Ansicht Sishkins überholt. Bei der Verbreitung neuer Apps beispielsweise sei es nützlich die jeweilige Landessprache zu beherrschen, um die App den Bedürfnissen der User anzupassen und Fehler ausbessern zu können. Aus diesem Grund werden laut Isabelle Roughol bei LinkedIn alle Mitarbeiter angehalten, die App in ihrer Muttersprache zu verwenden. Eine ausgewogene Local-Global-Balance ist unerlässlich.

Regional oder National? Die Ausrichtung deutscher Tageszeitungen und wie das Prinzip im Ausland gesehen wird

Donnerstag, 15:15 Uhr im Palazzo Sorbello. Nicht lokale und globale Faktoren, sondern das Verhältnis von nationalen und regionalen News steht in Deutschland im Fokus. Vier Chefredakteure und Medienkorrespondenten erklären dem internationalen Publikum das Mantelteil-Prinzip, das sich hierzulande etabliert hat. Das sorgt beim Publikum für Interesse, aber auch für Kritik: Wie kann so denn eine vielfältige politische Berichterstattung gewährleistet werden? Auch die Frage nach Paywalls im Online-Angebot steht im Raum. Die Madsack Mediengruppe vermeidet diese bei der regionalen Berichterstattung, Funke überlasst hier die Wahl den einzelnen regionalen Chefs. Es zeigt sich: Auch Deutschland kann international Wissen weitergeben, denn die sogenannten Newsrooms mit regionalem Schwerpunkt sind in Ausland noch nicht verbreitet.

Audio: Nina Räbiger

„Talking to people never goes out of style!“ Craig Silverman

Freitag, 9:45, Sala del Colonne, Palazzo Graziani. Craig Silverman erklärt in seinem Workshop „Investigating the Internet: Using Data from Social Media and the web to find and tell stories” die Möglichkeiten guter und gründlicher Online-Recherche und Verifikation: Wie erkenne ich Fake-Accounts, wie finde ich die originale Quelle eines Fotos und wann wurde dieses Foto von wem aufgenommen? Er nutzt die Transparenz des Web aus, um an Informationen zu gelangen. Aus seiner Sicht gelangen Journalisten so in einen Konflikt: „We say: remember to protect your privacy but oh I hope everyone shares everything as public.“
Silvermans wichtigste Feststellung: Mit den Menschen zu reden, ist immer wichtig! Denn trotz allen technischen Möglichkeiten stehen selbst Journalisten am Ende vor dem Nichts, wenn sie nicht mit der Ursprungsquelle in Kontakt treten und persönlich nachfragen.

Video: Nina Räbiger

„Always be nice to people, offer your help and they give you everything you need.“ Lam Thuy Vo

Lam Thuy Vo ist Reporterin und erzählt mit Worten, Grafiken und audiovisuellen Medien Geschichten über Wirtschaft, soziale Fragen und unsere Webkultur. Während des Panels „Data-driven investigations are the new norm“ erzählt sie von Problemen, an Daten über sexuellen Missbrauch während der #metoo Debatte zu kommen und gibt Tipps, wie man durch Freundlichkeit an alles kommt, was man will.

Nützliche Tipps

Hier findet ihr einen Link zur Website des Festivals, auf der sowohl Videos von den Veranstaltungen als auch praktische Zusammenfassungen der Vorträge zu finden sind.

  • https://www.journalismfestival.com/
  • https://www.journalismfestival.com/pressreleases-2018/

Und auch noch der Youtube-Kanal mit allen aufgezeichneten Panels:

  • https://www.youtube.com/channel/UClUtH75j6Bd7_Ty17jHVDPg

Dieses Werk sowie seine Bilder sind lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht komerziell 4.0 International Lizenz.

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