Itchy Who?

Itchy Poopzkid haben die 60er-Jahre Halle des Kulturzentrums Faust gewaltig aufgeheizt. Eine Rezension.

Pressefoto

Nach zwei Jahren endlich wieder in Hannover: Itchy Poopzkid

It’s A Long Way To The Top If You Wanna Rock ’n‘ Roll“

Die deutsche Punk-Rock-Band Itchy Poopzkid kommt aus Eislingen an der Fils, wurde 2001 gegründet und besteht aus Gitarrist und Sänger Sibbi (Sebastian Hafner), Bassist und Sänger Panzer (Daniel Friedl) sowie Schlagzeuger Max (Max Zimmer). Letzterer sitzt erst seit zwei Jahren hinter dem Schlagzeug, zuvor war er hinter der Bühne tätig. Itchy Poopzkid hatten es in der Vergangenheit nicht immer leicht, denn als ehemalige Schülerband bekannt zu werden, ist nicht selbstverständlich. Doch mit unermüdlichem Einsatz und ihren Auftritten auf unzähligen Festivals haben sie sich mittlerweile eine riesige Fangemeinde erspielt. Auch bei dieser Band gilt: „It’s a long way to the top, if you wanna rock ’n‘ roll“. Jetzt füllen die drei Punk-Rocker ohne Zweifel die Konzerthallen. Mit ihrem aktuellen Album “Ports & Chords” toppte die Band nicht nur ihr Vorgänger-Album “Lights Out London” aus dem Jahr 2011, sondern auch sich selbst. Nach der Tour im Frühling dieses Jahres folgt nun passend zum Jahresende eine zweite Tour, und ich freue mich auf das Gastspiel der drei Schwaben in Hannover.

Warten ist angesagt: Der Eingang der 60er-Jahre Halle

Warten ist angesagt: Der Eingang der 60er-Jahre Halle

Türchen öffne dich

Es ist 18 Uhr. Vor der roten Eingangstür der 60er-Jahre Halle des Kulturzentrums Faust tummeln sich schon die ersten Fans. Bereits eineinhalb Stunden vor Einlass quetschen sie sich so dicht an die Tür, dass ja keiner auf den Gedanken kommt, sich vorzudrängeln. Die Plätze in der ersten Reihe sind natürlich sehr begehrt und werden mit allen Mitteln verteidigt. Nach und nach gesellen sich weitere Itchy Poopzkid-Anhänger dazu. Auf einmal hat sich eine meterlange Schlange vor der Konzerthalle gebildet. Plötzlich ertönen Geräusche aus dem Inneren des Gebäudes – der Soundcheck! Die Vorfreude steigt. Endlich öffnet sich die Tür und das Gedränge beginnt. Alle stürmen in den Saal und sichern sich ihre Plätze. In die erste Reihe, etwas weiter links vor mir, schaffen es natürlich die Fans, die zuvor die rote Eingangstür bewacht haben.

The Final Countdown

Nach einer erneuten Wartezeit betritt der Support-Act Mega! Mega! die Bühne. Die Berliner Indie-Rock-Band versucht, mit ihren deutschen Texten und energischen Songs die Itchy Poopzkid-Fans zu animieren und ihnen einzuheizen. Und dies wäre bestimmt auch gutgegangen, hätten Itchy Poopzkid nicht die Trinkflaschen ihrer Vorgruppe versalzen und über ein Mikrofon aus dem Backstage-Bereich über ein Mikro lustige Sprüche in den Saal gerufen. All dies brachte Mega! Mega! ein wenig aus dem Konzept. Die Band gab jedoch ihr Bestes und brachte das Publikum in Bewegung.

Wie eine Einheit: Panzer und sein Bass

Wie eine Einheit: Panzer und sein Bass

Zweieinhalb Stunden Punk-Rock-Party

Es ist 21.30 Uhr, die Ungeduld hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Lichter gehen aus, und Drummer Max nimmt an seinem Schlagzeug Platz. Dann kommen auch die anderen Itchy Poopzkid-Bandmitglieder auf die Bühne. Die Fans sind außer Rand und Band. Es wird gejubelt, gepfiffen und applaudiert, bis der erste Akkord erklingt. Die Band spielt den zweiten Song des aktuellen Albums, “The Pirate Song”. Wie Piraten haben auch Itchy Poopzkid ihre Bühne erobert. Die Fans glänzen beim Mitsingen mit ihrer Textsicherheit, und die drei schwäbischen Punk-Rocker scheinen richtig viel Lust auf die vorletzte Show des Jahres zu haben. Das Konzert beinhaltet eine gute Mischung aus alten und neuen Liedern. Neben lauten Tönen und energischen Songs wie “The Enemy” und “It’s Tricky” werden beispielsweise auch die ruhigen Balladen “Things I Would Love To Have Said” und “I Believe” performt.

Gitarrist Sibbi ist in seinem Element

Gitarrist Sibbi ist in seinem Element

Eigentlich hätten Itchy Poopzkid das Publikum an diesem Abend sogar alleine singen lassen können, so gut ist die Stimmung. Von der enormen Textsicherheit der Masse vor der Bühne ist die Band sichtlich überwältigt. Besonders bemerkbar macht sich dies während des Songs “Down Down Down”, bei dem die Fans gar nicht mehr gestoppt werden können. Für eine besondere Art der Unterhaltung sorgt Max, der zwischendurch immer mal wieder über eine Anlage neben seinem Schlagzeug Schlager-Songs abspielt. Überraschenderweise stört dies die Zuschauer wenig und kommt sogar auf einem Punk-Rock-Konzert erstaunlich gut an. Wer hätte das gedacht.

Dieser Mann gibt den Rhythmus an: Drummer Max und sein Schlagzeug

Dieser Mann gibt den Rhythmus an: Drummer Max und sein Schlagzeug

„Wir verneigen uns hochachtungsvoll vor Hannover“

Die eingeschworenen Fans folgen den drei Schwaben jedenfalls aufs Wort. Am Ende sind sowohl die Band als auch ihr Publikum durchgeschwitzt, aber glücklich. Itchy Poopzkid verneigen sich “hochachtungsvoll” vor Hannover. Fazit: Das war wirklich ein rundum gelungener Abend mit einem tollen Konzert von drei lustigen und humorvollen Schwaben, die wissen, was Punk-Rock ist, und für die es sich lohnt, ein Konzert-Ticket zu kaufen. Ein Itchy Poopzkid-Konzert vergisst man so schnell nicht.

 

 Von Lara Sagen

[ssba]