Ist die Leidenschaft wichtiger als der Lebenslauf?

„Früher oder später steht jeder einmal vor der Entscheidung, wie es nach dem abgeschlossenen Studium weitergehen soll“, erklärt Loreen Abedi, Vorsitzende des PRSH (Public Relations Studierende Hannover e. V.). Und so trafen sich unter dem Motto “Are you ready for the next level?” etwa 90 Studenten am Freitag im Planet MID zum zweiten PRSH-Karrieretag. Gemeinsam mit Vertretern aus Agenturen, Unternehmen und der Hochschule Hannover sprachen sie über ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Aus Hannover, Münster und Leipzig an die Expo Plaza angereist, erwartete die Studenten drei Podiumsdiskussionen mit den Vertretern aus Agenturen und Unternehmen. Außerdem bestand auch die Möglichkeit gratis Businessfotos für die nächste Bewerbung zu machen oder in der Jobbörse nach Praktikums-, oder auch Juniorstellen zu suchen. Highlight dieser Veranstaltung war die „Tweetwall“, die auf dem großen Kinomonitor im Medienhörsaal eingeblendet war. So konnten die Gäste alle Tweets zum Tageshashtag #PRKarriere auf der großen Leinwand beobachten. Nach den Diskussionen bat sich außerdem die Gelegenheit, Personen aus Praxis und Wissenschaft im Rahmen eines „PR-Get-Together“ näher kennenzulernen.

„Karriere hat auch was mit Scheitern zu tun“

Die Eröffnungsrede hielt Thomas Lüdecke, Geschäftsführer der PRCC Personalberatung und PR Career Center, zum Thema „Berufseinstieg in die PR-Branche“. Als Recuiter und Personaldienstleister berichtete er von möglichen Anfängen in den Berufsstand. „Es gibt wohl kaum eine Branche, die sich in den letzten Jahren so kreative Job-Titel hat einfallen lassen, wie die Kommunikation“, beginnt er und stellt kreative Jobtitel vor, die er in aktuellen Stellenanzeigen gefunden hat. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sich diese Branche immer noch ständig in Bewegung befindet. Es sei kein Problem sich auszuprobieren und später die Fachrichtung zu wechseln. „Karriere hat auch was mit Scheitern zu tun“, so der studierte Medienwirt.

 

Ohne Master keine Chance

In dem ersten Panel ging es um „Next Communication – Anforderungen an den PR-Nachwuchs von morgen!“ Dr. Annika Schach zeigte Improvisationstalent, indem sie kurzfristig für die verhinderte Prof. Dr. Ulrike Buchholz einsprang und die Podiumsdiskussion moderierte. So begrüßte sie Frank Schönrock (Grayling Deutschland), Daniel J. Hanke (Klenk & Hoursch AG) Andreas Fischer Swiss Life) und Wolfgang Kossert (Deutsche Messe AG) und ließ über zukünftige Anforderungen an Kommunikationsprofis diskutieren.

Schönrock erklärte, dass es nicht darauf ankommt, dass man sich in einem Fachbereich perfekt auskenne, es sei allerdings sehr wichtig, dass man sich für ein Thema begeistern könne. Man müsse komplexe Zusammenhänge so darstellen können, dass sie jeder versteht. Da geht Leidenschaft ganz klar vor Lebenslauf. Dem widerspricht, dass sich Grayling generell sehr schwer tut mit Bachelorabsolventen, Masterabsolventen seien einfach erfahrener. Was genau er unter „erfahrener“ definiert, ließ er leider offen. Hanke sieht ebenfalls schlechte Chancen für Bewerber mit einem Bachelorabschluss „Bei uns bewerben sich eigentlich nur Masterabsolventen.“ In der abschließenden Fragerunde wurde den Fragen der Studenten wie „Sind Erfahrungen in der Praxis nicht viel wichtiger?“ oder auch „Wie sollen wir Erfahrungen sammeln, wenn Sie uns vor dem Masterabschluss keine Chance geben?“ versucht auszuweichen. Eine andere Antwort als „Die sind dann ja mit Masterabschluss 24 bis 25 Jahre alt. Dann können wir mehr mit denen anfangen“ gab es offenbar nicht. Das einige der Gäste erst in dem Alter ihr Bachelorstudium aufgenommen haben, da sie vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt haben, war den Diskutanten offenbar unbekannt.

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Digitalisierung steht erst am Anfang

Die zweite Diskussionsrunde eröffnete Prof. Dr. Ewald Wessling zum Thema Next Digital Leadership – Kommunikation neu denken!“ In dieser Runde diskutierten Andreas Grafemeyer (Bertelsmann), Danny Schwarze (Edelman), Jens Cornelißen (Lautenbach Sass) und Thomas Lüdeke (PRCC Personalberatung/PR Career Center) welchen Beitrag die Digitalisierung in der Kommunikation darstellt und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Moderator Wessling bat Cornelißen erst einmal den Unterschied zwischen Digitalisierung und digitale Transformation zu definieren, da sich Lautenbach Sass ja speziell auf die digitale Transformation spezialisiert habe. Cornelißen erklärt, dass Digitalisierung bedeutet die neuen Medien zu nutzen. Die digitale Transformation jedoch bewirkt auch, dass sich die komplette Denkweise digital umgestellt hat, sprich transformiert hat. Leider seien die meisten Unternehmen einfach noch nicht so weit. Die Digitalisierung steht noch ganz am Anfang. Erstaunlicherweise hätten die wenigsten Unternehmen bisher eine echte Digitalstrategie. Dies wäre eine sehr spannende und anspruchsvolle Einstiegsmöglichkeit für die Absolventen von morgen.

Schwarze sagte dazu, die Digitalisierung von heute sei in zwei bis drei Jahren schon wieder überholt. Man müsse also in seiner Strategie auch immer zwei Schritte weiterdenken. Allerdings würde es „die klassische Medienarbeit noch viele Jahre geben.“

In der abschließenden Fragerunde stellte Jan Reinholz, stellvertretender Vorsitzender des PRSH, die Frage, ob es für Kommunikationsstudenten überhaupt möglich sei sich aus der Digitalisierung herauszuhalten. Es gäbe einige Kommilitonen, die auch gar nicht in facebook angemeldet seien. Dazu entgegnete Cornelißen, dass seiner Meinung nach kein Kommunikationsstudent sich aus Digitalisierung raushalten kann. Schwarze schloss sich dem an und sagte „no way!“. Thomas Lüdeke jedoch zeigte auf, dass es bis zu einem bestimmten Grad möglich sei. Schließlich halte auch er sich weitestgehend aus facebook und co. heraus.

„Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ist was PR ausmacht“

In der letzten Podiumsdiskussion begrüßte Dr. Annika Schach Absolventen der Kommunikationsstudiengänge Public Relations und Kommunikationsmanagement der Hochschule Hannover. Zum Thema „Next Alumni – Chancen & Perspektiven nach dem Studium?“ diskutierten Ilka Glemit (FleishmanHillard), Attila Söder (JP KOM), Sümeyra Demirci (Blumarble) und Jannik Rust (Robert Bosch Stiftung) über die Frage, welche Möglichkeiten sich auf dem Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger in der Kommunikation bieten.

Rust erklärt, dass sich Jobs häufig außerhalb von Stellenausschreibung und Bewerbungsgespräch ergeben. Es sei daher wichtig sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Attila Söder beruhigt „Die PR-Absolventen müssen bei Abschluss des Studiums noch nicht wissen, in welche Branche sie gehen möchten. Sie müssen aber den Willen zum Lernen mitbringen“. So habe er sich damals auch im Vorstellungsgespräch für seine erste Stelle nach dem Studium argumentiert und es kam gut an. Glemit schmunzelt darauf hin und sagt „Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ist was PR ausmacht“. Jannik Rust sagt man solle sich nicht vom Gehalt abschrecken lassen. „In Marketing steckt einfach mehr Geld, das wird sich auch so schnell nicht ändern“, allerdings lohne es sich dennoch in die PR-Branche zu gehen.

Dr. Annika Schach wird zu Ehrenmitglied ernannt

Am Ende der Veranstaltung gab es noch eine Überraschung: So ernannte Loreen Abedi Dr. Annika Schach zum Ehrenmitglied im Kuratorium des PRSH.

Von Jessica Preuss

Fotos: Sonja Höfter

[ssba]