„Klar, das machen wir“. Und dann sind wir einfach dahin geflogen.

 Julia Dittrich ist 24 Jahre alt und studiert im 2. Semester den Masterstudiengang Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover. In einem Gespräch mit Interact berichtet sie von Dreharbeiten auf der CeBIT und einer Exkursion nach Israel.

Wie bist du auf die Idee gekommen Fernsehjournalistik zu studieren?

Ich habe meinen Bachelor in Medienproduktion gemacht. Dieser Studiengang hat sehr viele Bereiche abgedeckt. Wir hatten die Möglichkeit zu allem – von Grafikdesign bis Kurzfilm. Deswegen habe ich mir schon früh Gedanken darüber gemacht, was ich danach machen kann und bin dann auf diesen Studiengang gestoßen. Das Journalistische hat mir immer am Meisten zugesagt. Ich hab schon beim Bachelor überlegt Journalismus zu studieren. Ich hatte dann aber nicht die Courage, weil es immer hieß, dass das total schwierig ist und man eh nix findet. Deshalb hatte ich mir etwas gesucht, was mehr in den technischen Bereich geht, bin dann aber letztendlich wieder im Journalismus gelandet. Im Fernsehjournalismus kann man das Ganze perfekt miteinander verbinden. Das geht ja auch nur in Hannover, deshalb habe ich mich nach dem Bachelor auch nur hier beworben. Das war meine erste Wahl – und auch meine Einzige.

Welche Eigenschaften sollten Fernsehjournalisten mitbringen und warum?

Oh je, ob ich das so beurteilen kann? Ich bin ja noch keiner. Also ich denke man sollte neugierig sein. Man sollte Lust haben immer neue Leute kennen zu lernen und sich neue Themen anzueignen. Man sollte der Technik nicht abgeneigt sein. Wenn man nur schreiben möchte, dann ist das wahrscheinlich nichts. Und kreativ sollte man sein.

Konntest du diese bei den Dreharbeiten während der CeBIT einsetzen?

Naja, das hatte nicht direkt was mit Journalismus zu tun, aber wir konnten uns trotzdem ein bisschen aussprobieren. Wir haben einen Imagefilm für ein politisches Gremium gedreht, welches dort seinen Stand hatte. Klar, dafür mussten wir neugierig sein. Man muss sich auf das Thema schon einlassen, sich dafür auch begeistern können. Klar, mit Technik arbeitet man immer wenn man dreht. Kreativität ist da wahrscheinlich am Meisten gefordert, weil das ein ziemlich trockenes Thema war. Die wollten einen Film nur über diesen Stand, und nicht über das Gremium allgemein. Das interessant zu machen, war die größte Herausforderung. Ich hoffe das ist uns gelungen.

Ihr habt dort mit hochrangigen Gästen aus Politik und Wirtschaft gesprochen, wie z. B. Annegret Kramp-Karrenbauer, der Ministerpräsidenten von Saarland. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen?

Das sind Leute die oft Interviews geben. Das sind ja Profis. Wenn man ihnen eine Frage stellt, haben sie ja sofort eine Antwort parat. Ich denke schwierig ist es, wenn man ihnen irgendwas entlocken will. Dadurch dass wir einen Imagefilm gemacht haben und da natürlich alles positiv darstellen sollten, war es auch kein Problem positive Statements aus ihnen herauszubekommen. Die finden natürlich auch ihre eigene Arbeit ganz toll – und mehr wollten wir ja auch nicht haben.

Eine Woche später bist du dann mit deinem Studiengang nach Israel geflogen. Was habt ihr dort gemacht?

Wir waren vor allem im palästinensischen Teil, in Ramallah. Dort hatten wir eine Kooperation mit Filmstudenten von der Al-Quds-Universität. Wir haben zusammen mit ihnen Themenfindung gemacht und dann spontan kleine Filme zu verschiedenen Filmen gedreht. Wir z. B. hatten das Thema „Graffiti“. Wir haben uns dann mit einem Graffiti-Künstler getroffen, der auch politische Sachen gesprayt hat und haben den mit der Kamera begleitet. Wir haben zwar in Jerusalem, also Israel, gewohnt, aber wir waren die meiste Zeit in Ramallah unterwegs. Und die letzte kurze Zeit die wir danach noch hatten, haben wir Sightseeing gemacht.

Warum ausgerechnet Israel?

Die Idee kam von unserem Professor Michael Sutor. Der hatte Kontakt zu Dr. Fawzy Naji, einem Dozenten von der Uni Hannover. Fawzy war kurz vorher schon mit einer Gruppe von der Uni Hannover vor Ort und hat auch die Kontakte hergestellt. Da kam dann die Idee, dass man das auch mal mit unserem Studiengang machen könnte. Er hat uns das vorgeschlagen und wir fanden das alle total spannend, dass wir gesagt haben ja „Klar, das machen wir“. Und dann sind wir einfach dahingeflogen.

Das Auswärtige Amt warnt regelmäßig vor Reisen nach Israel und in die palästinensischen Gebiete. Erst ein paar Tage vor eurem Flug kam es zu Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Wie hast du die Atmosphäre dort empfunden?

Ja, die Raketenbeschüsse habe ich mitbekommen. Da haben wir auch hin und hergeschrieben. Michael hat dann mit Fawzy telefoniert, der zu dem Zeitpunkt schon da war.  Es war auch nicht die Region betroffen, wo wir dann hingefahren sind. Die Leute da leben ja auch mit den Angriffen, also sind wir dann trotzdem gefahren. Es gab auch zu dem Zeitpunkt keine strengere Warnung für die Region.

Kannst du dir vorstellen auch im Ausland tätig zu sein?

Ja, vielleicht für kürzere Zeit für etwa ein Jahr oder so was. Ich weiß nicht, ob ich es fertigbringen würde Deutschland zu verlassen, ohne zu wissen ob oder wann ich wiederkomme. Und dann komplett ohne meine Familie zu leben für Jahrzehnte oder so. Ich glaube das würde ich nicht fertigbringen. Aber für eine absehbare Zeit könnte ich mir das schon vorstellen.

Von Jessica Preuss

 

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