Informationsvermittlung oder Stigmatisierung?

Unglaublich. Das ist das treffende Wort für die Tat eines 23-jährigen Mannes, der sich im Görlitzer Park in Berlin vergangene Woche an einem Pony vergangenen haben soll. Unglaublich sind jedoch auch die Reaktionen auf den Vorfall, die klar aus der fragwürdigen Medienberichterstattung resultieren. Wo hört die reine Informationsvermittlung auf und wo fängt Stigmatisierung an?

„Mann vergewaltigt Pony im Görlitzer Park“ – so lautete kürzlich die Schlagzeile der Online-Ausgabe eines Boulevard-Magazins. Eine Babysitterin soll einen Mann dabei beobachtet haben, wie dieser sich im Görlitzer Park an einem angebundenen Pony zu schaffen machte – und die Tat mit ihrem Handy festgehalten haben. Aufgrund der Aufnahme konnte der Täter schnell dingfest gemacht werden, der sich eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie Erregung öffentlichen Ärgernisses eingehandelt hat.

Nicht umsonst ist Zoophilie in Deutschland verboten, denn die Tat ist verstörend – unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft. Tatsächlich ist es wichtig, darauf noch einmal explizit hinzuweisen, denn die berichtenden Journalisten schienen einen großen Wert auf die Nennung der Herkunft des Täters zu legen. Im letzten Absatz des besagten Artikels des Boulevard-Magazins wird darauf hingewiesen, dass es sich bei dem 23-jährigen um einen gebürtigen Syrer handele. Doch geht es hier wirklich nur um die reine Weitergabe von bekannten Informationen? In dem Artikel scheint die Nennung der Herkunft eher „erklärend“, fast schon entschuldigend zu wirken – als sollte bei dem Leser ein „Aha-Effekt“ einsetzen.

Der Artikel ist bezüglich der Nennung der Herkunft kein Einzelfall: Gibt man bei Google die Suchbegriffe „Mann vergewaltigt Pony“ ein, lautet gleich die erste Schlagzeile „Berlin: Syrier vergewaltigt Pony im Kinderzoo“.

Ein gezieltes Zurückhalten von Information sollte natürlich nicht im Sinn eines Journalisten liegen und die Bewertung der Fakten obliegt jedem Rezipienten selbst – dennoch sollte in solchen Fällen sorgfältiger abgewogen werden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Tat und bestimmten Informationen über den Täter gibt und diese somit nennenswert sind.

Dass ein solches „anprangern“ des Herkunftslandes, wobei die Tat jedoch nicht mit diesem im Zusammenhang steht, ein gefundenes Fressen für Fremdenfeindlichkeit ist, zeigt der aktuelle Fall. Lässt man sich in der Google-Suche mit den genannten Suchbegriffen die Treffer der vergangenen 24 Stunden (Stand vom 12.11.) anzeigen, so findet man bereits unter den ersten 10 Beiträgen ein zum Vorfall erstelltes Youtubevideo mit dem Titel „Syrer Flüchtling vergewaltigt Pony im Berliner Kinderzoo!! Skandal!!“. Auch ein Blog veröffentlichte einen Artikel mit der Headline „Asylant vergewaltigt Pony im Görlitzer Park – knattern was bei drei nicht auf den Baum kommt, made in syria“, obwohl in den Medien lediglich das Herkunftsland und nicht etwa der Aufenthaltsstatus des Mannes erwähnt wird. Wie dieses Beispiel zeigt sollten die Journalisten sensibler mit Informationen vor allem bezüglich der Herkunft umgehen, sodass Vorurteile nicht angeheizt werden.

Von Brianna Lache

Bildquelle: https://www.google.de/search?source=hp&ei=PJgSWrunIMT3kwWM7oXADA&q=mann+vergewaltigt+pony&oq=mann+vergewaltigt+pony&gs_l=psy-ab.3…1251.5813.0.5910.28.25.3.0.0.0.135.1882.23j2.25.0….0…1.1.64.psy-ab..0.24.1673…0j0i131k1j0i13k1.0.4csxS7vNu0I

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