Individualität versus Beziehungserfolg

– Die Zukunft des Online-Datings –

Das Liebesglück im Netz suchen – das ist für viele Singles nichts Ungewöhnliches mehr. Allein die Online-Plattform „Hannover-Singles“ zählt derzeit etwa 30.000 Mitglieder aus der Region. Heute hoffen viele Nutzer ihren Traumpartner durch ein möglichst aussagekräftiges Profil zu finden. Doch verliert die Individualität in Dating-Plattformen der Zukunft an Bedeutung?

Stephan Nikolaus ist Geschäftsführer der NIWA GmbH, die Online-Dating-Angebote wie „Hannover-Singles“ betreibt. Er erwartet zukünftig eine Veränderung der Kommunikation zwischen Alleinstehenden über Singlebörsen: „Der Trend geht dahin, weniger Individualisiertes von sich Preis zu geben und leider mehr Vorgegebenes auszuwählen.“ Statt sich also in frei geschriebenen Texten vorzustellen, werden lediglich Häkchen im vorgegeben Kriterienkatalog gesetzt.

Der Online-Dating-Experte sieht darin eine Gefahr für die Individualität der Nutzer: „Da muss man natürlich aufpassen, dass man am Ende nicht eine Einheitssoße in seiner Singlebörse hat.“ Um sich von den vielen anderen Singles abzuheben, sei der Charakter erst einmal Nebensache, denn das, was den Unterschied mache, seien die Fotos: „Die sind extrem wichtig.“

Die Entwicklung hin zum Kriterienkatalog führt auch zu einer strukturellen Veränderung des Online-Datings. Virtuelle Kontakte würden nicht mehr über Webseiten geknüpft, sondern noch schneller und einfacher direkt über das Smartphone: „Wir werden vielleicht eine App haben, in der wir nur noch zehn Kriterien und natürlich das Foto über uns angeben“, so Nikolaus.

Die eingeschränkte Individualität findet Prof. Dr. Helmut Scherer unproblematisch. Er lehrt am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und sieht im kriterienorientierten Online-Dating der Zukunft eher einen Vorteil: „Möglicherweise erhöht das die Beziehungschancen. Die Vorgaben werden ausgefeilter und das macht es für die Agenturen leichter, das Matching-Verfahren einzusetzen.“ Außerdem mache eine solche Entwicklung die Profilerstellung für die meisten Nutzer einfacher, da das Freitextschreiben, laut Scherer, eher unbeliebt sei: „Natürlich gibt es einem Freiräume aber für den Einzelnen ist es eine Belastung, weil er sich schriftlich ausdrücken muss.“

Wie sich das Online-Dating eines Tages weiter entwickeln wird, bleibt also spannend. Heute klingt es so, als müssten sich Nutzer in Zukunft entscheiden: Individualität oder Beziehungserfolg?

Von Katharina Meyer

[ssba]