Im selben Team?

Ein paar Hundert Fans des FC Bayern München sind vom europäischen Fußballverband UEFA für das Rückspiel des Champions League Viertelfinals ausgeschlossen worden. Der Grund: Einige Fans hatten im Block bei der Begegnung gegen den FC Arsenal ein Banner mit homophobem Inhalt präsentiert. Ebendieser Block bleibt beim Spiel gegen Manchester United geschlossen. Was daran irritiert ist nicht das Strafmaß, sondern vielmehr die mangelnde Verurteilung von Homophobie in einem übergeordneten Fußballverband.

Ein Zeichen gegen Schwulenfeindlichkeit im Fußball zu setzen ist essenziell, um zu signalisieren, dass Diffamierungen wie diese im Stadion ebenso fehl am Platz sind, wie Fremdenhass oder politischer Extremismus. Auch wenn das kollektive Bestrafen von Fans aufgrund von Fehltritten Weniger kontrovers diskutiert werden darf, so positioniert sich die UEFA mit dieser Strafe (zu der auch noch 10 000 Euro Strafzahlung des Vereins kommen) deutlich gegen Homophobie im Stadion. Ein Zeichen, welches sich nicht nur Richtung Vereine und deren Fans richten sollte, sondern genauso auch nach oben: in Richtung Weltfußballverband FIFA.

Genau gesagt: Betrachtet man die Tatsache, dass ein paar Hundert Fans ein Spiel nicht schauen dürfen, weil wenige Halbstarke homophobe Aussagen kundtun, so wirkt dies wie eine Farce verglichen damit, dass Länder große internationale Turniere austragen dürfen, obwohl Homophobie dort von den Regierungen im politischen und gesellschaftlichen Alltag ausgelebt wird. Denn wir erwarten in den Jahren 2018 und 2022 zwei Fußballweltmeisterschaften in Russland und Katar.

Die russische Einstellung zur Homosexualität rückte schon vor Sotschi in den medialen Fokus. Homosexuelle Handlungen sind dort zwar legal, doch hat sich Präsident Putin spätestens durch sein Gesetz zum Verbot von homosexuellen Äußerungen über Medien und Internet deutlich positioniert. In Katar wird Homosexualität unter Strafe gestellt. Dies gilt auch für Ausländer. Das nationale Strafmaß sieht eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft vor. Bei der Vergabe der Austragung wurde darüber nicht nur brav hinweg gesehen, FIFA-Chef Blatter forderte sogar ausländische Fans dazu auf, während des Turniers von homosexuellen Handlungen abzusehen.

Eine Aussage, für die er sich zwar später entschuldigte, dennoch bereit es Kopfschmerzen, dass die internationalen Fußballverbände in Sachen Homophobie in entgegengesetzte Richtungen rudern, anstatt ein einheitliches Bild abzugeben. Während die einen homophobe Aussagen bestrafen, belohnen die anderen diejenigen, die homosexuelle Aussagen und Handlungen bestrafen. Irrsinn. Die FIFA denkt derzeit über eine Neuvergabe des Austragungslandes der WM 2022 nach. Bei diesen Überlegungen sollten nicht nur Klima- und Arbeitsbedingungen in die Entscheidung einfließen, sondern auch die Einstellung der Fußballverbände zur Homophobie. Nur so können FIFA und UEFA zeigen, dass sie im selben Team spielen.

Von Johannes Giewald

Foto: Sonja Höfter

[ssba]