Hippes Essen auf Rädern

Schlemmen zwischen Galerie und Orangerie – das konnten die Besucher beim ersten Food Truck Festival in Herrenhausen. Vom 30. April bis zum 1. Mai brutzelte und duftete es vor dem Großen Garten. Zwölf rollende Gourmet-Küchen warteten mit ihren liebevoll gestalteten Wagen auf die hungrigen Besucher. Unsere Autorin Milena Schwoge war vor Ort und hat sich drei von ihnen genauer angeschaut.  

„Nummer 46!“, tönt es aus der kleinen viereckigen Fensteröffnung an der Seite. Ein zierlicher Kopf ragt samt Pferdeschwanz durch die Luke und schaut erwartungsvoll in die Runde. Auf einmal ist es still. Die Gespräche werden für einen Moment eingestellt. „Das ist meiner“, ruft es freudig aus der Menge zurück. Ein junger Mann hebt einen kleinen weißen Zettel in die Luft und schickt den vor ihm wartenden Menschen auffordernde Blicke zu. Sie sollen doch bitte zurücktreten und den Platz frei machen. Hinterm Fenster der Essensausgabe raschelt es derweil. Zwischen Küche und Kasse schiebt die Verkäuferin einen in Papier gewickelten Burger durch das Fenster. Saftiges und mit Butter verfeinertes Fleisch von Freilandrindern auf Original Buns mit Toppings nach Wahl: das ist das Erfolgsrezept des Hamburger Big Ben Trucks.

Der Oldtimer-Doppeldecker-Londonbus aus dem Jahr 1949 ist auf dem Food Truck Festival in den Herrenhäuser Gärten ein echter Hingucker.  Nicht nur wegen seiner knallroten Farbe, sondern auch wegen seiner buseigenen Dachterasse mit Steh- und Sitzplätzen für bis zu 24 Personen. „Unsere alte Lady Big Ben“, so lautet der Spitzname, den Inhaber Stephan Rashidi Azar seinem Restaurant auf Rädern gegeben hat. Die Idee für den Foodtruck hatte der gelernte Beschaffungsdisponent schon vor vielen Jahren nach einem Besuch der legendären Burger Bar in Amsterdam wie er in einem Interview auf der offiziellen Foodtrucks-Deutschland Homepage erklärte. „Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für das mobile Burger-Restaurant mit dem gewissen Etwas bin ich auf den Big Ben gestoßen“,  sagt er.  Azar steht inmitten der kleinen Profiküche des Busses, die er nachträglich einbauen lassen hat.  Er wirkt leicht gestresst, dreht sich im Kreis zwischen den im Minutentakt eintreffenden Bestellungen und den brutzelnden Burgern auf dem Herd.

Es ist Food Truck Festival in den Herrenhäuser Gärten. Auch fernab des Big Ben Trucks tummeln sich die Scharen von hungrigen Menschen. Junge Mütter schieben ihre Kinderwagen, Studenten entspannen sich auf den Liegen inmitten der grünen Wiese und  Senioren treffen sich zum kulinarischen Sonntagsspaziergang.

Während die Schlange der wartenden Besucher am Hackbaron Foodtruck noch die Entscheidung zwischen New York Cheesburger und Fighting Irish Burger trifft,  halten andere bereits ihre frisch zubereitete Speisen in den Händen.  Hier und da wird vor dem ersten Bissen noch schnell das Smartphone gezückt, um die Errungenschaft mit Freunden in den sozialen Netzwerken zu teilen.  Von deftigen Fleischspießen über herzhafte Tapioca aus der brasilianischen Küche bin hin zu würzigen Leibspeisen aus Indien:  Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wer statt Hunger doch eher Durst hat, hat die Wahl zwischen Bionade, diversen Weinsorten, frisch gemixten tropischen Cocktails von der karibischen Bambusbar oder gar Prosecco. Rechts und links der unterschiedlich großen mobilen Imbisswagen füllen sich im Laufe der Mittagszeit die Tische und Stühle. Kinder beißen freudig in die Burger, die in ihren kleinen zierlichen Händen riesig wirken.

Auch am Original American Foodtruck wird die Schlange immer länger.  Aus dem rollenden Restaurant aus Göttingen strömt der intensive Geruch einer bunten Mischung aus würzigem Fleisch, Grillkohle und Fett. Küchenchef Enrico Reinhardt notiert die Bestellungen der Besucher und gibt sie weiter an die Küche, in der das Team unter den wachsamen Augen von Inhaber Florian Wichmann das Essen zubereitet.

Ein Affe lädt zum Burgeressen ein

„Unser Burger ist straight. Ohne viel Schnickschnack. 100 Prozent Rindfleisch, Salat, Tomate, Gurke und fertig“, sagt Reinhardt.  Mit seinem rot blauen Design und zahlreichen Sternchen macht der Original American Foodtruck seinem Namen alle Ehre. Am Steuer des alten UPS-Wagens sitzt das Maskottchen der Crew. Ein kleiner, brauner Affe mit Baseballcap schmückt das Armaturenbrett und blickt erwartungsvoll in die Augen der Besucher, als wolle er sie auf den speziellen Monkey-Burger auf der Menükarte aufmerksam machen.
„Wir haben das Auto in Miami bauen lassen und vor drei Jahren mit dem Schiff nach Bremerhaven bringen lassen“, berichtet Reinhardt stolz. Die Idee für den Food Truck nach amerikanischem Vorbild habe sein Chef gehabt. Dieser habe sich während seinen Auslandsaufenthalten in den Vereinigten Staaten inspirieren lassen und den Entschluss gefasst, das Konzept auch in Deutschland auf seinen Erfolg zu testen. „Wir sind mit unserem Truck hauptsächlich in Göttingen unterwegs. Seit letztem Jahr boomt es bei uns richtig“, freut sich Reinhardt. Dann ist es soweit. Der nächste Kunde wartet und möchte seine Bestellung aufgeben.

Der Weg zurück auf dem Weg Richtung Ausgang führt an den SoupSisters vorbei. Recht unscheinbar steht das kleine ockerfarbene Deli-Mobil am Rande der Food-Truck-Meile. Nach französischem Vorbild wurde es vom Autohersteller Mega angefertigt. „Es ist definitiv ein Eyecatcher und etwas Besonders“, weiß Heike Claarssen vom SoupSisters-Team. Was übersetzt „Suppenschwestern“ bedeutet und ein Geschwisterpaar als Geschäftsleitung vermuten lässt, täuscht. Hinter der Idee verbirgt sich eine Gruppe mit kulinarischen Wurzeln aus Hannover, der Türkei, Dänemark und Bulgarien, Indien und Frankreich. „Wir sind an gutem Essen interessiert. Uns ist es wichtig, dass die Zutaten frisch sind und aus artgerechter Haltung stammen“, betont Claarssen.

In der kleinen Küche des Wagens reicht der Platz immerhin für ein kleines Waschbecken, drei Kühlschränke, mobile Kochplatten, einige Warmehaltemöglichkeiten und Verkäuferin Karo, die den hungrigen Gästen Hot Dogs durchs Fenster reicht. „Wir haben unseren Sitz hier in Hannover. Wir sind jede Woche auf dem Wochenmarkt und haben auch noch zwei Restaurants in Hannover“, berichtet Claarssen. Sie füllt das Glas mit gerösteten Zwiebeln auf der Ablagefläche und stellt es zu Ketchup, Senf und Essiggurken zurück. Dann schaut sie zum ihrem kleinen Food Truck. „Unser Mobil fährt nur maximal 45 km/h. Deswegen bleiben wir in der Region“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Die SoupSisters zeigen: Nicht die Größe ist entscheidend. Egal ob kleiner oder großer Truck, das bunte Angebot an Street Food ist ausschlaggebend und derzeit auch deutschlandweit angesagt. Auch wenn sich die Türen in den Herrenhäuser Gärten nach einem ereignisreichen Wochenende wieder geschlossen haben, geht das Food Truck Festival für  die unterschiedlichen Trucks  und ihre Betreiber weiter. In einer anderen Stadt mit neuen Menschen und kulinarischen Besonderheiten.

Von Milena Schwoge

[ssba]