Hintergrundgedudel oder Stimmungslenkung: Wie viel Einfluss hat Musik in Computerspielen?

Stefan Randelshofer ist der Cheftongestalter im Entwicklerstudio Ubisoft Blue Byte. Im Interview erläutert er die Wichtigkeit von Musik und Ton  in Videospielen und Filmen.

Wer komponiert eigentlich die Musik für Filme und Videospiele?
Vom kleinen Solo-Anbieter über studierende Komponisten und Ex-Bandmitgliedern bis hin zu Hans Zimmer, der auch Videospielmusik gemacht hat, zum Beispiel für Call of Duty. Es mischen also sehr viele Leute mit.

Was ist die Hauptfunktion von Musik in Videospielen?
Es gibt unzählige, aber hervorzuheben ist natürlich die Atmosphäre, welche man dadurch etabliert. Bei dem Spiel  Settlers Kingdom of Anteria, an dem ich gerade arbeite, gibt es zum Beispiel Spielstandorte in der Wüste und welche, die in eisigen Landschaften liegen. Bei beiden kann ich nicht dieselbe Musik nehmen. In der Wüste hat man einen orientalischen Touch, im Norden spielen skandinavische Instrumente. Musik hat auch informativen Charakter. Habe ich etwas gewonnen oder erreicht, dann erklingt eine bestimmte Musik. Höre ich sie später wieder, weiß ich auch ohne Pop-up-Fenster, dass ich gewonnen habe.

Wie ist die Gewichtung zwischen Bild und Ton?
Bei Filmen und Videospielen sind Musik und Audio fünfzig Prozent der Unterhaltung. Ich persönlich finde den auditiven und visuellen Bereich definitiv gleich wichtig. Das wird in der Spielbranche Deutschlands manchmal noch sehr stiefmütterlich behandelt, Audio ist dann nur ein Nebenprodukt. Wir bei Blue Byte schreiben uns auf die Fahne, dass wir mehr auf das Auditive achten.

Ein Spiel auditiv mitzugestalten und es selbst nicht durchzuspielen wäre…?
… als ob ich einen Film vertone und niemals auf die Play-Taste drücken würde, sondern die Musikdateien im Schnittprogramm alle hintereinander hinlege und hoffe, dass alles passt. So geht das nicht. Einmal wöchentlich treffe ich mich mit den Teammitgliedern. Einer spielt am großen Monitor und alle hören und schauen zu. Danach tauschen wir uns aus, was verbessert werden kann.

Wie bist Du selbst zu diesem Beruf gekommen?
Ich habe mir schon in jungen Jahren das Lebensziel festgelegt, mein Hobby zum Beruf zu machen. Mit sechzehn habe ich angefangen Live-Konzerte zu mischen. Später habe ich in Salzburg studiert und dort meine Magister in Audio bei MultiMediaArt gemacht. Danach habe ich mich auf Tongestaltung bei Spielen und Musik spezialisiert.

Von Katrin Janke

Foto: Ellen Hartmann

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