Heißes Hannover – Warum die Erderwärmung auch die Mitte Deutschlands betrifft 

Hannover liegt in der Mitte Deutschlands.  130 km nördlich des Harz-Mittelgebirges, 180 km südlich von Hamburg, 220 km östlich von der Grenze zu den Niederlanden und 280 km westlich von Berlin. In dieser Lage kommen die Naturkatastrophen der Erderwärmung nicht an. Trotzdem wirkt sich die Erderwärmung auch dort auf die Menschen aus. 

Am 12 Dezember 2015 einigten sich die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz mit viel Jubel und einem historischen Hammerschlag von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius auf eine Begrenzung der globalen Erwärmung um 1,5 °C. Die Folgen der Erderwärmung kann man in manchen Teilen der Erde mit bloßem Auge erkennen, kleine Inselstaaten sind schon jetzt von Hochwasser bedroht, während andere Länder extreme Dürreperioden erleiden. In Hannover bekommt man die Auswirkungen noch nicht in diesem Ausmaß mit.

Dabei geht Prof. Dr. G. Groß vom Institut für Meteorologie und Klimatologie an der Leibniz Universität von einer mittleren Temperaturerhöhung von 3°C bis 2100 für Hannover und Region aus. Diese 3°C werden Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Generell wird zwischen direkten und indirekten Auswirkungen unterschieden. Mit direkten Auswirkungen sind unmittelbare Folgen auf den menschlichen Körper wie Hitzewellen, extreme Kälte, Dürren, Stürme, Überschwemmungen, Sturmfluten und so weiter beschrieben. Unter indirekten Auswirkungen versteht man Krankheitsüberträger wie Stechmücken, Zecken oder Nagetiere.

Direkte Auswirkungen auf die Gesundheit werden auch in Hannover zu spüren sein. Die Hitzeperioden werden länger andauern. Heiße Tage mit mehr als 30°C werden von durchschnittlich 9,6 auf 21,9 ansteigen. Gleichzeitig steigen die Tropennächte, das heißt es kühlt nachts nicht auf unter 20°C ab, von durchschnittlich 1,4 auf 9,8 Tage an. Besonders ältere und geschwächte Menschen sowie Kleinkinder sind davon betroffen, denn durch die Tropennächte können sich manche Menschen nachts nicht erholen. Auch viele gesunde Hannoveraner sind nicht an diese Hitze angepasst und reagieren sensibel. Obwohl sie diese Nächte bestimmt mit Freuden auf der Limmerstraße beim Kiosk des Vertrauens oder am Wasser verbringen. Die Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zum Tod führen können.

Obwohl es im Sommer zu mehr Todesfällen kommen kann, führt dies nicht zu einer allgemein erhöhten Sterberate. Denn wenn die Winter milder werden, erfrieren weniger Menschen. Indirekte Folge der Erwärmung ist ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten. Neue Mückenarten, die vorher nicht in Hannover heimisch waren, breiten sich aus. Auch das Risiko für die von Zecken übertragene Blutkrankheit Borreliose nimmt zu.

Wenn es im Sommer zu längeren Trockenphasen kommt, trocknet der Oberboden aus. Es kommt zu mehr Staub, der die Atemwege belasten kann. Auch die Eilenriede und Grünflächen wie die alte Bult, die Friedhöfe, der Vahrenwalder Park oder die Georgengärten können ebenfalls austrocknen. Außerdem kommt es zu höheren Niederschlagsmengen im Winter. Neben dem alljährlichen Hochwasser rund um die Ihme und in Ricklingen, steigt die Gefahr dafür auch an der Leine und Masch entlang. Wenn Naherholungsgebiete im Sommer wegfallen und wenn es im Winter mehr graue Tage und Regen gibt, sind das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Hannoveraner davon betroffen. Auch wenn man die Erderwärmung in Hannover noch nicht unmittelbar spürt und es keine Flutgefahr durch den steigenden Meeresspiegel gibt, wird sie auch hier ihre Spuren hinterlassen. Der 12. Dezember sollte also auch in Hannover ein Grund zum Feiern sein.

Von Chiara Thies

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