„Heimat ist für mich die ganze Welt“

Nur mit Backpack, Laptop und Freundin reist Marcus Meurer durch die Welt. Viel mehr braucht der Berliner nicht zum Glück. Seine Arbeit erledigt der 37-Jährige von den exotischsten Orten aus. Als Gründer der digitale Nomaden Konferenz (DNX) erzählt er von seiner Unabhängigkeit und seinem Heimatgefühl.

Du wolltest ortsunabhängig arbeiten und dein eigenes Online-Business führen. Wie kam’s?

Ich habe 2012 meinen Job gekündigt, weil ich keinen Bock mehr auf einen 9-Stunden-Job hatte, 5 Tage die Woche. Nach der Kündigung habe ich mit meiner Freundin Feli eine Asienreise gemacht und dabei gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten. Wir haben die ersten Kunden schon unterwegs gewonnen – das war der erste Schritt in einen ortsunabhängigen Lifestyle.

Beschreib mal Deinen typischen Arbeitsalltag!

Das ist schwierig. Wir versuchen, mehr Routine in unseren Arbeitsalltag zu bringen. Die Projekte werden größer, sodass wir nicht nur an den Laptop gehen können, wenn wir Bock darauf haben. Aber ich stehe jeden Tag mit Sonnenaufgang auf, mache Sport mit der „seven-minutes App“, meditiere und frühstücke gesund.

Was ist für dich Heimat, besonders, weil ihr oft unterwegs seid?

Mittlerweile ist meine Heimat die ganze Welt. Da, wo Meer ist, wo ich gutes Internet habe, wo die Sonne scheint, wo es über 25 Grad sind. Im besten Fall habe ich dann auch noch Gleichgesinnte um mich, digitale Nomaden oder Online-Unternehmer.

Was ist dir wichtiger? Familie und Freunde oder Unabhängigkeit?

Familie und Freunde sind mir sehr wichtig. Mein Bruder und meine Mutter wohnen im Rheinland, wie sehen uns regelmäßig. Es fühlt sich gar nicht so weit weg an, selbst, wenn wir irgendwo in Brasilien unterwegs sind. Meine Freunde aus der „alten Welt“ wohnen in Berlin. Die freuen sich immer auf neue Geschichten, was ich erlebt habe. Meistens ist es aber so, dass sich bei denen in einem halben Jahr gar nicht viel verändert hat. Das war anfangs meine größte Sorge, ich könnte irgendetwas verpassen, diese „fear of missing out“.

Kannst du dir vorstellen, irgendwann sesshaft zu werden?

Ich lebe momentan viel bewusster im Hier und Jetzt und mache mir nicht mehr viele Gedanken über die Zukunft. Ich kann mir aber vorstellen, wenn wir einen coolen Ort finden, dort sesshaft zu werden. Kürzlich haben wir ein riesiges Projekt, „DNX Island“, ins Leben gerufen. Wenn wir Sponsoren gefunden haben, die diese Insel finanzieren, kann ich mir vorstellen, dort zu bleiben. Das Coole ist ja, dass man total flexibel und nichts in Stein gemeißelt ist. Aber zurück zu „9 to 5“ könnte ich mir auf keinen Fall mehr vorstellen.

Von Laura Feindt

Foto: Lara Sagen

[ssba]