Happy Vesak: Buddhisten feiern in Hannover

Von Emely Schalles

Das Vesak-Fest gilt als das wichtigste buddhistische Fest und findet traditionell am ersten Vollmondtag im Mai statt. Auch das buddhistische Kloster in Ahlem hat sich lange darauf vorbereitet und öffnet seine Tore für Interessierte.

Das Treffen

Die Sonne strahlt bereits seit dem frühen Morgen. Dutzende Autos sammeln sich vor dem Ahlemer Turm, einem denkmalgeschützten Fachwerkgebäude. Die Kennzeichen stammen aus ganz Niedersachsen und noch weiter aus Deutschland. Das Vesak (auch Vesakh oder Vesakha) ist zugleich Buddhas Geburtstag, der Tag seiner Erleuchtung und seines Eintretens in das Nirvana. Damit alle Zeit haben, wird der Feiertag in Deutschland oft auf das Wochenende vorgezogen. Viele Mitglieder des Vereins Wat Dhammavihara sind in Gruppen oder mit der ganzen Familie angereist. Jeder hat mindestens eine Tupperdose mit selbstgemachtem Essen dabei. Manche tragen auch Körbe mit Blumensträußen bei sich. Es sind Spenden für die insgesamt acht Mönche. Sie leben im Tempel und gehören der ältesten Schultradition, dem Theravada Buddhismus an.

Seit 2007 ist die Gemeinde im Ahlemer Turm

Die meisten Buddhisten hier stammen aus Thailand. Überall hört man Begrüßungen auf thailändisch. Auf dem Hof werden bereits weiße Zelte und Stände mit Holztischen und Bänken aufgebaut, hier wird mittags das Fest stattfinden. Die Türen stehen offen, jeder kann ein- und ausgehen. Im Inneren des Hauses helfen die Gläubigen dabei, zu decken und zu dekorieren. Ein edles Esszimmer in Gold-, Rot- und Orangetönen wird für die Mönche hergerichtet. Eine große Tafel ist vollkommen bedeckt mit Schüsseln, Tellern und Platten, sodass die Decke kaum noch sichtbar ist. Alle möglichen Sorten Obst und Gemüse, Fleisch, Reis, Suppen und Salate sind aufwendig hergerichtet und verziert. Normalerweise dürfen die anderen Mitglieder erst essen, wenn die Mönche fertig sind. Im Wat Dhammavihara nimmt man etwas lockerer mit dieser Regel.

Was übrig bleibt, wird an die Mitglieder vergeben

Die Zeremonie

Um 11 Uhr beginnen die Mönche das Beten zusammen mit den Nonnen und den anderen Gläubigen. Tambun-Wan Visakha Bucha heißt die Zeremonie auf thailändisch. Alle lassen ihre Schuhe vor der Tür, das ist in Thailand üblich um die Böden nicht zu beschmutzen. Der Gebetsraum ist ausgestattet mit rotem Teppichboden. Es gibt keine Tische oder Stühle. Nur einige Plastikstühle stehen an der Seite. Die Decke des Saals ist mit geschnitztem Holz vertäfelt und mit vielen auffälligen Kronleuchtern behangen. Die Mönche sitzen in einer Reihe auf einer Erhebung am Ende des Raums. Sie haben sich die Köpfe kahlrasiert und tragen das traditionelle safranfarbene Gewand. Hinter ihnen glänzt eine mächtige goldene Buddha-Figur. Sie sprechen das Gebet wie in Trance und strahlen dabei die gleiche Ruhe aus wie die Statue selbst. Ein Buch zum Mitsprechen und -singen braucht niemand, jeder kann die Texte auswendig. Im Chor und mit geschlossenen Augen folgen die Gläubigen dem Gebet. Ab und zu beugen sie sich vor und falten die Hände vor ihrer Stirn.

Teddybären für Mönche

Nach dem Gebet kann jeder aufstehen und seine Spende persönlich überreichen. Die Mönche haben ein Stück Stoff in der Hand um auch Geschenke von Frauen annehmen zu können. Da sie enthaltsam leben, dürfen sie sie nicht berühren. Unter den Spenden findet sich von Nützlichem bis zu Kuriosem nahezu alles. Es gibt Wasserkisten, Mehl, Gewürze, Medikamente, Blumen und sogar Teddybären. Allerdings sind Letztere nicht für die Mönche selbst bestimmt. Sie kommen bei dem nächsten Fest mit Tombola zum Einsatz, als Hauptgewinn. Bei vielen Festen soll es außer dem religiösen Teil auch Spiele und Aktionen geben, damit es den Mitgliedern und besonders ihren Kindern nicht langweilig wird. Auch Sträuße mit Geldscheinen wurden gebastelt. Das komme daher, dass man früher noch Stoff im Wald versteckte, damit die Mönche sich daraus ihre Gewänder nähen konnten. Heute macht man es ihnen leichter.

Ein Mönch im Baumarkt

So reich beschenkt und mit Speisen bedient werden die Mönche allerdings nicht immer. In Ihrem Alltag leben sie genügsam. Sie dürfen zum Beispiel keinen eigenen Besitz haben und leben vollständig von Spenden. Die Mitglieder kommen gerne mit Essen und Geldspenden vorbei oder laden die Mönche zu sich ein. Was im Monat übrig bleibt, komme meist dem Verein zu Gute. Im Kloster stehen verschiedene Spardosen. Jeder könne selbst entscheiden, ob er zum Beispiel für Strom, Wasser, Essen oder Reisen spenden möchte. Es sei üblich im Buddhismus, Gutes für andere zu tun und sich um seinen Nächsten zu kümmern. Dafür würden die Mönche beten und sich um den Tempel kümmern. Sie erfüllen aber auch so manch unerwartete Aufgabe. Napaporn Wollny ist als Vertreterin ihrer Gemeinde tätig und beschreibt den typischen Tagesablauf im Kloster.

Draußen ist das Fest inzwischen in vollem Gange. Die Mönche verlassen nach dem ersten Teil der Zeremonie gemeinsam das Gebäude. Sie haben silberne Schalen in den Armen und werden gleich dem Teppich folgen, noch immer in Socken, der für sie bereit liegt. Draußen stehen die Nonnen in einer Reihe, gekleidet in weiß, um diese mit Reis zu füllen. Es ist ein symbolisches Geben, jeder gibt einen Löffel dazu. Nach den Nonnen stehen auch andere Mitglieder, Familien und Kinder in der Reihe.

Das Fest

Rosen und Stiefmütterchen wurden überall auf dem Hof für das Fest gepflanzt. Auch alle Stände sind nun vollständig aufgebaut. Das Essen ist kostenlos, wer möchte lässt ein paar Münzen da. Es gibt original thailändisches Essen, dazu gehört zum Beispiel grünes Curry, gebratener Bambus mit Limonenblättern, Hühnchen und frittierten Fisch, scharfe Gemüsepfannen mit Erdnuss und Garnelen und Süßspeisen aus Kokosmilch, Pudding und Maiskörnern. Jeder hilft mit, viele haben ihre Kinder dabei. Die Leute stehen bereits Schlange und warten auf den ersten Teller von dem aufwendigen Buffet. Das Vesak wirkt ein wenig wie eine große Gartenparty oder ein Familienfest. Nicht-Gläubige sind ebenfalls herzlich wilkommen. Manchmal kämen auch Bewohner des nahegelegenen Asylantenheims, um teilzunehmen, so Wollny. Auch wer sich nicht kennt, kommt sofort ins Gespräch. Schlechte Laune gäbe es an diesem Tag nicht.

Am Ende der Zeremonie umrunden die Mönche dreimal die Buddha-Figur im Tempel. Sie ehren den Religionsbegründer, der ein Mensch war und kein Gott, mit Blumenopfern und erinnern so an die eigene Vergänglichkeit, wie Blumen die verwelken. Auch im nächsten Monat wird ein großes Fest stattfinden, mit Tänzen, Essen und Gebeten. Feiern tun die Buddhisten des Wat Dhammavihara gerne. Das habe neben der religiösen Bedeutung auch den Hintergrund, dass so viele Spenden für den Ahlemer Turm und die Gemeinde zusammen kämen.

Wir möchten, dass die Leute uns kennenlernen

Die Neugier von außen sei groß, erzählt Napaporn Wollny. Sie organisiert Treffen und Führungen durch den Ahlemer Turm, unter anderem für Schulklassen. Sie heißt jeden gerne wilkommen und freut sich stets über Interessierte. Es komme allerdings vor, dass manche Menschen die den Buddhismus kennenlernen möchten, ihn nur als Trend wahrnehmen und sich weniger mit dem Glauben beschäftigen. Das, erklärt sie, möchten die Buddhisten vermeiden.

Fotos: Emely Schalles

[ssba]