Hannover legt uns die Welt zu Füßen

„Itchy feet“ nennen es die Engländer. Im Italienischen ist es bekannt unter „voglia di viaggiare“. Und Franzosen bezeichnen es als „besoin de courir le monde“, was so viel heißt wie der „Drang, die Welt zu bereisen“.

Ein Verlangen, das uns dazu zwingt, Kreditkarten auszureizen, weil, kaum nachdem wir wieder aus den Dubai-Urlaub zurückgekommen sind, schon wieder für den Trip nach Schweden gespart werden muss. Dafür nehmen wir Jetlags in Kauf und schlafen auf steinharten Matratzen, um am nächsten Morgen nicht nur mit üblen Rückenschmerzen, sondern auch einer schlimmen Magenverstimmung aufzuwachen, weil wir die Finger von den leckeren Früchten auf dem China Markt nicht lassen konnten. All das nur für einen kleinen Moment Glückseligkeit.

Betroffene klagen unter Rastlosigkeit, allgemeine Unzufriedenheit, einen unstillbaren Wissensdurst und tiefe Sehnsucht nach…. Ja, nach was eigentlich? Liebe, Abenteuer, einen Neuanfang? „Die Gründe warum jemand unter Fernweh leidet, sind ganz individuell“, sagt Sozialpädagogin und Familientherapeutin Petra Lorenz vom Beratungs- und Therapiezentrum in Hannover. Manch einer will dadurch seine Probleme im tristen Heimatdorf hinter sich lassen, ein anderer versucht sich an allen traditionellen Musikinstrumenten der Welt und einige von uns, die hoffnungslosesten Fälle, sind immer auf der Suche nach einem neuen Abenteuer.

Hochgradig gefährdet sind vor allem frisch gebackene Abiturienten und Studenten. Doch auch die älteren Generationen zeigen inzwischen erste Anzeichen von Wanderlust.

Dabei zieht es immer mehr Deutsche in die Ferne. Laut dem Deutschen Reiseverband stürzen sich über 60 Prozent der Deutschen lieber ins Abenteuer Ausland als an der Nordsee zu zelten. Für eine Reise nach Übersee gaben sie 2014 insgesamt im Schnitt 70 Milliarden Euro aus.

Doch um die Wanderlust zu stillen muss man nicht etwa ans andere Ende der Welt fliegen und ein Vermögen in der Höhe eines Kleinwagens ausgeben. Für Reiselustige, die es nicht mehr abwarten können, die Welt zu erkunden, haben wir fünf Tipps wie ihr das Fernweh direkt vor der Haustür bekämpfen könnt.

Thailand

Thailand. Günstiges Essen. Nett lächelnde Menschen. Und Tempel an jeder Ecke. Das Land der puren Gastfreundlichkeit und Harmonie. Und momentan DAS Trend-Reiseziel der deutschen Backpacker. Doch nicht jeder hat Zeit und Geld für einen Flug, der einen zwei Monatsmieten kostet und noch dazu 14 Stunden in kalter Flugzeugluft und engen Sitzen fordert.

Wer sich also nach Asiatischer Kultur sehnt und nicht nur zum Asiaten um die Ecke gehen will, der besucht einfach das Wat Dhammavihara am Ahlemer Tor. Hinter dem unscheinbaren Gebäude aus der Gründerzeit befindet sich ein buddhistischer Tempel, in dem man nicht nur echten thailändischen Mönchen über den Weg läuft, sondern sich bei einem Yoga-Kurs zu einer menschlichen Brezel verbiegen kann. Immer noch nicht genug Thailand für dich? Bei einem der angebotenen Sprachkurse kannst du dich in Thai versuchen und wer weiß, vielleicht befindest du dich schon bald in einer tiefsinnigen Unterhaltung mit einem Mönch.

Britisches Mittelalter

Game of Thrones wird als erfolgreichste Serie aller Zeiten bejubelt. Doch wie taucht man ein in eine fiktive Welt, die ans britische Mittelalter erinnert? Lesen? Filme und Serien schauen? Sich einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf geben lassen? Wir haben eine (schmerzlose) Lösung:

Beim 3D Bogenschießen im Hochseilgarten Springe, können Ritter, Adelsmänner und natürlich auch Kammerzofen ihr Geschick unter Beweis stellen, in dem sie auf den verschiedenen Parcours mit Pfeil und Bogen auf Kunststofftiere zielen und in den besten Fällen diese auch „erlegen“. Lass dich danach von der Hofdame Henriette von Klenck bei Kerzenschein durch die Marienburg führen, während sie dir die intimen Geheimnisse des Adels erzählen. Zum abendlichen Schmaus reitest, pardon, fährst du gen „Excalibur“, wo dich beim „Rittergelage“ ein Krug Mede und selbstgebackenes Gewürzbrot erwarten, sowie jeglicher Verlust von Tischmanieren.

 

Frankreich/Paris

Wer braucht schon den Garten Versailles oder die Parkanlagen der Pariser Innenstadt? Springbrunnen an jeder Ecke und Marmorfiguren bis zum Abwinken gibt es auch vor der Haustür. Für Sentimentalitäten jeglicher Art sind auch die Herrenhäuser Gärten die optimale Kulisse. An der einen Hand die Freundin und in der anderen den Picknickkorb mit Champagner, Baguette und Erdbeeren. Die Sonne geht unter und schwupps – schon ist man in Paris.

Großbritannien/London

„We don’t WI-FI, we talk to each other!“ Ein kleines, blaues Schildchen über der Bar des “Jack the Ripper’s” ist das einzige das uns noch daran erinnert im Jahr 2015 zu sein. Ein dunkles Kellergewölbe, erleuchtet von Kerzenschein und erfüllt vom Duft nach Pie und Bier ist unser Tipp für einen Abend im London des 19. Jahrhunderts. Wem das noch nicht britisch genug ist, für den empfiehlt sich anschließend noch ein Gang in das Kino am Raschplatz. Ein echter Nostalgiker gönnt sich nicht nur alte Charlie Chaplin Filme in Original-Ton, sondern schmuggelt auch eine Thermoskanne schwarzen Tee sowie eine Packung „After Eight“ ins Kino.

Von Nina Räbinger und Madeleine Buck

Foto: Kim Güttler

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