Halloween: Wahrheit oder Mythos?

Literweise künstliches Blut, Snacks in Form von abgehackten Fingern oder herausgefallenen Augen und unzählige Kürbisse mit spöttisch blickenden Gesichtern. In Amerika ist Halloween – neben Weihnachten und Thanksgiving – einer der beliebtesten Feiertage. Aber woher kommen „Trick or Treat“ und der Kürbiskopf?

Nicht nur in den USA wird der letzte Oktobertag eines jeden Jahres auf schaurig schöne Art und Weise gefeiert – auch andere Länder ziehen mit und zelebrieren ihn.

Hallo-was?

Lässt sich diese Gruselnacht eigentlich mit geschichtlichen Fakten erklären? Auf der Suche nach einer Antwort fällt auf: Es ist gar nicht so einfach, die eine Erklärung zu finden. Tatsächliche historische bzw. archäologische Hinweise auf den Ursprung von Halloween gibt es anscheinend nicht. Die meisten Erklärungen sind Schlussfolgerungen und Mythen. Ereignisse aus verschiedenen Religionen, Völkern und Traditionen aus den letzten Jahrhunderten haben Halloween – sagen wir – irgendwie kreiert.

Kirchliche Wurzeln

„Halloween“ leitet sich vermutlich aus dem Wortlaut „All Hallows Eve“ ab, dem Vorabend von Allerheiligen am 1. November. Seinen Ursprung hat Allerheiligen vor allem in der katholischen Kirche und ist deswegen auch nur in den überwiegend katholisch geprägten Teilen Deutschlands ein Feiertag. Wie der Name bereits vermuten lässt, wird an diesem Tag allen Heiligen, die bereits bei Gott im Himmel angekommen sind, gedacht. Nicht zu verwechseln mit Allerseelen am 2. November – dieser Tag widmet sich allen Verstorbenen.

Keltische Wurzeln

Einige gehen davon aus, dass Halloween auf die keltische Kultur zurückgeht. Die Kelten, was so viel bedeutet wie „die Kühnen“ oder „die Tapferen“, hatten vier große Feste im Jahr – darunter Samhain am 1. November. In der keltischen Kultur gab es nur zwei Jahreshälften: den Sommer (den Jahrestag) und den Winter (die Jahresnacht). Benannt nach dem Totengott Samhain, symbolisiert dieser Tag den Beginn des Winters und ist gleichzeitig das keltische Neujahrsfest und daher der wichtigste und heiligste Tag des Jahres. Die Nacht, in der man zum neuen Jahr übergeht, stellt eine Art freien Raum zwischen Vergangenem und Künftigem dar. An diesem Abend, so glaubten die Kelten, löse sich die Wand zwischen den Welten – also dem Leben und dem Tod – auf.

Die Toten auf „der anderen Seite“ hatten dann die Erlaubnis, für einen Abend als Geister an den Ort ihres früheren Daseins zurückzukehren. Große Feuer wurden gezündet, Speisen und Getränke bereitgestellt. Man trug grausige Masken, um die Geister glauben zu lassen, man sei einer von ihnen. Diese Symbole lassen sich also auf alte keltische Bräuche zurückführen. Da die Kelten kein Volk im eigentlichen Sinne waren, verteilten sich ihre Ansiedlungsgebiete auf ganz Mitteleuropa, unter anderem auf Irland. Als Amerika Anfang des 19. Jahrhunderts eine große Einwanderungswelle erlebte, brachten die Iren ihre Tradition rund um Samhain und Halloween mit.

Und dieser Kürbiskopf?

Eine Sache, die irische Einwanderer in Amerika entdeckt haben, war der Kürbis. Den konnten sie wunderbar aushöhlen und als Laterne benutzen. Die orangene Farbe der Herbstfrüchte war so eindrucksvoll, dass sich daraus mit der Zeit das Halloween-Symbol schlechthin entwickelte. Sie tauften diese Laterne „Jack O’Lantern“, nach einer alten irischen Geschichte: Der Hufschmied Jack Oldfield wusste einst den Teufel zu überlisten und musste bzw. durfte deswegen nach seinem Tod nicht in den Himmel oder in die Hölle. Stattdessen wandelte er als Geist weiter auf der Erde. Der Teufel bekam Mitleid und gab dem Hufschmied ein Stück brennende Kohle, die Jack in eine ausgehöhlte Rübe packte und als Laterne benutzte.

Trick or Treat

In vielen Ländern laufen Kinder in gruseligen Kostümen von Haus zu Haus und bitten um ein paar Süßigkeiten. Wer sich nicht so spendabel zeigt, muss mit hinterlistigen Tricks rechnen. Die Ursprünge dieses Brauches finden sich anscheinend auch in Irland. Vor vielen Jahrhunderten wurden dort am Tag von Allerseelen an die Besitzlosen sogenannte „Seelenkuchen“ verteilt. Dafür mussten sie versprechen, für die Seelen der Verstorbenen zu beten.

Die Wurzeln dieses verrückten und besonderen Festes entsprangen anscheinend irgendwo zwischen keltischen Bräuchen und dem Christentum. Wie auch immer, es ist ein Highlight in jedem Jahr. In diesem Sinne: Happy Halloween!

Übrigens…

In Mexiko zelebriert man vom 31. Oktober bis zum 2. November das Volksfest „Día de los Muertos“, zu deutsch den „Tag der Toten“. Hier wird nicht getrauert, sondern ausgelassen und farbenfroh gefeiert. Symbole dieses Festes sind zum Beispiel bunte, mit Blumen geschmückte Totenaltare und Skelett-Figuren. 2003 wurde das Volksfest sogar von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt.

Von Madlien Wienberg

Foto von Lisa Eimermacher

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