Die Gruppen C und D – Überraschungen vorprogrammiert

Auch für die Teams der Vorrundengruppen C und D startet heute das Abenteuer Fußball-Weltmeisterschaft. Während mit Kolumbien, der Elfenbeinküste, Japan und Griechenland in Gruppe C gleich vier vermeintliche Underdogs bei dieser WM um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen, darf die Gruppe D als Wundertüte bezeichnet werden. Während viele Experten Uruguay eine nicht unbedeutende Rolle bei dieser WM zuweisen, muss sich die neu formierte Elf der Engländer erst noch beweisen. Die Squadra Azzurra aus Italien will das blamable Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft 2010 vergessen machen, während Mittelamerika-Vertreter Costa Rica augenscheinlich nur als Brasilien-Urlauber bezeichnet werden darf.

 

Gruppe C – Underdogs wollen ihre Chance nutzen

Besetzt mit vier vermeintlichen Außenseitern, könnte die Gruppe C gerade deshalb zu einer der spannendsten Vorrundengruppen dieser WM avancieren. Getreu dem Motto: Alles kann passieren. Gute Chancen auf’s Weiterkommen hat Kolumbien. In der Qualifikation platzierten sich die Südamerikaner hinter Argentinien auf Rang zwei, wurden im Anschluss auf Grund ihrer guten Platzierung in der Weltrangliste als Kopf der Gruppe C gesetzt. Einziger Wermutstropfen: Mit Radamel Falcao muss Trainer José Pekerman auf den Star der Mannschaft verzichten. Der 28-jährige Stürmer vom AS Monaco erlitt im Januar einen Kreuzbandriss im linken Knie und wurde nicht mehr rechtzeitig fit. Dennoch ist die Pekerman-Elf im Angriff bestens besetzt. Allen voran Carlos Bacca, der für den FC Sevilla in der vergangenen Saison 14 Tore schoss und mit vier Treffern auch seinen Anteil am Sieg in der Europa League hatte.

Ähnliche Torjäger-Qualitäten besitzt Juan Cuadrado. Der zweikampfstarke und schnelle Rechtsaußen vom AC Florenz erzielte in der Serie A nicht nur elf Treffer, sondern bereitete auch acht Tore vor. Komplettiert wird die starke Offensive der Südamerikaner von Fredy Guarin (Inter Mailand), der jedoch im ersten Spiel gesperrt ist, dem Neu-Dortmunder Adrian Ramos und James Rodriguez. Der 22-jährige Linksfuß vom AS Monaco könnte bei dieser WM international endgültig den Durchbruch schaffen. Ein Grund dafür, weshalb die „Los Cafeteros“ am Ende an ihrer Favoritenrolle in der Gruppe C scheitern könnten, ist die Defensive. So darf sogar Abwehrspieler Mario Yepes (Atlanta Bergamo) mit seinen 38 Jahren noch einmal WM-Luft schnuppern.

Und so dürfte es für Kolumbien kein schlechtes Omen sein, dass heute im Auftaktspiel gegen Griechenland nicht gerade die große Offensivpower zu erwarten ist. Der Europameister von 2004 hat seine Stärken bekanntermaßen eher im – freundlich ausgedrückt – ergebnisorientierten Fußball. Mit Erfolg. So kassierte die Elf von Trainer Fernando Santos in der Qualifikation neben Belgien die wenigsten Treffer aller europäischen Teams. Gegen die offensiv ausgerichtete Konkurrenz könnte den Griechen also so etwas wie die Rolle des großen Spielverderbers zuteil werden. Im Angriff dürfen sich Giorgios Samaras (Celtic Glasgow) und Konstantinos Mitroglu (FC Fulham) bereits darauf einstellen, nicht all zu viele Chancen zu erhalten. Letzterer hofft vor allem auf die Anspiele seines Fulham-Kollegen, Griechenlands Kapitän Giorgos Karagounis. Das Abschneiden der Süd-Europäer hängt nicht zuletzt von der jeweiligen Tagesform des 37-Jährigen ab.

Gleiches gilt aus Sicht der Elfenbeinküste für Didier Drogba. Der wichtige Stürmer von Galatasary Istanbul ist mit seinen 36 Jahren mittlerweile zwar schon etwas in die Jahre gekommen, besitzt aber immer noch das Potenzial, sein Team im Alleingang in die nächste Runde zu schießen. Die Ivorer sind das vermeintlich stärkste Team aus Afrika und haben vor allem in der Offensive starke Einzelspieler. So spielt neben Drogba vor allem Yaya Touré von Manchester City eine tragende Rolle im System von Coach Sabri Lamouchi. Touré hat nicht nur die Qualität, den entscheidenden Pass zu spielen, sondern bewies mit 20 Toren in der abgelaufenen Premier League-Saison auch seine Torjägerqualitäten. Sein älterer Bruder, Kolo Touré, erkrankte kurz vor der WM an Malaria, wird in Brasilien dennoch als Abwehrchef eine tragende Rolle bei den Ivorern spielen. Am Ende wird die Leistung der in die Jahre gekommenen Stars entscheidend für das Abschneiden der Afrikaner sein. Sie treffen heute Nacht (3 Uhr, MEZ) auf das „kleine Deutschland“.

So setzt Japan auf gleich insgesamt sieben Spieler aus der ersten und zweiten Bundesliga. Der Star des Teams ist mit dem Ex-Dortmunder Shinji Kagawa ebenfalls kein Unbekannter. Der torgefährliche Mittelfeldspieler wartet bei Manchester United noch immer auf seinen Durchbruch, gilt in seiner Heimat dennoch als Superstar. Gleiches gilt für seinen Mittelfeld-Kollegen Keisuke Honda vom AC Mailand. Die Stärke der Asiaten liegt im schnellen Umschaltspiel. Gegen robust agierende Mannschaften sind aber auch immer wieder Defizite im Zweikampfverhalten zu erkennen.

Prognose in der Gruppe C

Die Elfenbeinküste sichert sich im letzten Spiel gegen Griechenland den Gruppensieg, während Kolumbien im Duell mit Japan den zweiten Platz einfährt.

Gruppe D – Todesgruppe birgt viel Spannung

Von vielen Experten als Todesgruppe bezeichnet, haben mit Uruguay, England und Italien gleich drei Teams Ansprüche auf den Einzug ins Achtelfinale. Costa Rica gilt als krasser Außenseiter, kann aber für die anderen Teams zum entscheidenden Stolperstein werden.

Interessant wird vor allem sein, ob sich Italien nach dem desaströsen Abschneiden bei der WM 2010 rehabilitieren kann. Auffällig: Bis auf drei Spieler von Paris St. Germain verdienen alle Spieler im 23-köpfigen Kader ihr Geld in Italien. Dass die Serie A längst nicht mehr zu den stärksten Ligen im Weltfußball zählt, könnte also auch ein Fingerzeig für das Abschneiden der Squadra Azzurra sein. Es wird darauf ankommen, wie die zahlreichen Routiniers mit den klimatischen Bedingungen in Brasilien klarkommen. Rund um Spielmacher Andrea Pirlo ist das Mittelfeld der Italiener breit aufgestellt. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Riccardo Montolivo wird es einmal mehr auf Thiago Motta (Paris St. Germain) und Altmeister Daniele de Rossi (Juventus Turin) im defensiven Mittelfeld ankommen. Vor allem für den zur neuen Saison zu Borussia Dortmund wechselnden Ciro Immobile könnte die WM den ganz großen Durchbruch bedeuten. Erste Wahl wird zunächst Skandalstürmer Mario Balotelli sein. Angeführt von Kapitän und Torwart Gianluigi Buffon, bleibt abzuwarten, welche Rolle die „Altmeister“ aus Italien bei dieser WM spielen.

Gleiches gilt für England, der heutige Auftaktgegner der Italiener. Neben den erfahrenen Steve Gerrard (FC Liverpool) und Frank Lampard (FC Chelsea) ist die Elf von Coach Roy Hodgson mit talentierten Einzelspielern gespickt. So hofft neben Flügelflitzer Alex Oblade-Chamberlain (FC Arsenal) auch Danny Walbeck (Manchester United) auf eine zentrale Rolle im Offensivspiel der Engländer. Zum eigenen Stolperstein könnte die Defensive werden. Neben Keeper Joe Hart (Manchester Cit), der Glanzparaden und Totalaussetzer gleichermaßen im Repertoire hat, müssen auch Phil Jagielka vom FC Everton und Gary Cahill (FC Chelsea) als Innenverteidiger-Duo ihr Weltklasse-Format erst noch nachweisen. Im Angriff ruhen die Hoffnungen erneut auf Stürmerstar Wayne Rooney von Manchester United.

Der Weg zur WM verlief aus Sicht der Uruguayer nicht gerade reibungslos. Erst in der Relegation lösten die Südamerikaner gegen Jordanien ihr Ticket für Brasilien. Dennoch ist die Mannschaft um Kapitän und Defensivchef Diego Lugano (West Bromwich) der Geheimfavorit schlechthin bei dieser Weltmeisterschaft. Der Grund ist die überragend besetzte Offensivreihe. So kommen die beiden Stürmer Edinson Cavani (Paris St. Germain) und Goalgetter Luis Suárez zusammen auf einen Marktwert von rund 112 Millionen Euro. Während Cavani in Frankreich 16 Treffer markierte, avancierte Suarez mit 31 Treffern und 21 Torvorlagen zum überragenden Spieler beim FC Liverpool. Ob Suarez bereits heute (21 Uhr, MEZ) gegen Costa Rica spielen kann, ist jedoch noch fraglich. Erst vor knapp vier Wochen unterzog sich der 27-Jährige einer Knie-Operation. Bei einem Ausfall könnte die Stunde des mittlerweile in die Jahre gekommenen Diego Forlan schlagen. Trotz einer durchwachsenden und niveauarmen Saison in Japan bringt der 35-Jährige genug Erfahrung mit, um ein Spiel durch eine einzelne Aktion entscheiden zu können. Fakt ist: Gesellt sich zu der formidablen Offensivreihe eine stabile Defensive sollte Uruguay die vermeintliche Todesgruppe überstehen.

Jene Prognose dürften in Bezug auf Costa Rica wohl nur die größten Optimisten formulieren. Getreu dem Motto „Hauptsache dabei“ wäre ein Punktgewinn aus Sicht der Zentralamerikaner bereits ein Erfolg. Gleiches gilt für einen Torerfolg. In dieser Hinsicht ruhen die Hoffnungen auf Joel Campbell von Olympiakos Piräus. Doch all zu viele Chancen wird Campbell nicht bekommen. Für Costa Rica wird es eher darum gehen, in der Abwehr Beton anzurühren und im Angriff auf einen Lucky Punch zu hoffen.

Prognose der Gruppe D

Uruguay setzt sich vor England durch. Italien darf wie schon 2010 nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Costa Rica sowieso.

Von Maria Kurth

[ssba]